Dienstag, 23. Mai 2006

A minha Veeeelooo



Staunend schreite ich die paradierenden Velos (gut deutsch: Fahrrad) ab, die im Migros (Einkaufskette) in Reih und Glied Spalier stehen. Ein paar Tage zuvor hat mich eine Kraft erfüllt, die jeden junge Mann im Frühling erfasst, wenn der Sommer quasi seinen Rocksaum ein, zwei Zentimeter zu heben beginnt (Sehr verfrüht, wie ich im Moment des Schreibens bemerken sollte): Ein Velo muss her!
Doch welches? Schon beim ersten Durchsehen fällt mir auf, dass Velos keineswegs nurmehr aus nur 2 Rädern, Rahmen, Lenker und Sattel bestehen. Nein - ohne ölgetriebene Hydraulikfederung oder einem gelunterstütztem Sportsattel geht der statusbewusste Zyklist nicht mehr aus dem Haus. Beim Durchlesen der Eigenschaften (à la "Unterwassermundgeklöppelte Titanfaserklebegummierung") erwarte ich jede Sekunde Elektrische Fensterheber o.ä.

Die Preise sind dementsprechend. Unter 1000 Euro wirds schwer. Ich würde eigentlich lieber weniger bezahlen, werden doch Velos in Zürich als Gemeinschaftsbesitz angesehen, der nur durch eine massive Stahlkette diesem Status enthoben wird ;)
Pflichtbewusst lasse ich mich vom jungen enthusiastischen Verkäufer durch die Reihe der Edelbikes führen - schliesslich die länger mit Horror erwartete Frage: "Wie ist denn ihr Preisrahmen?" Ich schlucke trocken, lehne mich leicht vor und raune ihm leicht errötend "300 Franken" (also 200 Euro) zu, der Absage harrend.
Doch weit gefehlt! Seine Augen leuchten auf, ebenso meine... Um die Geschichte abzukürzen: Ich bin seit kurzem stolzer Besitzer eines superkultigen M-Budget Velos :) (Siehe Bild)

Zürich, die Velostadt. Es ist mir, als würde ich in eine mir zuvor völlig unbekannte Welt eintauchen, die es zu entdecken gilt. Denn erst jetzt bemerke ich die ich üppiger Fülle (d.h. schon fast überfordernder Menge) angebrachten Velowegweiser, die mich mal hier- mal dorthin bringen. Mein Weg entspricht vermutlich etwa der Linie, die gebildet würde, würfe man eine gut durchgekochte Nudel auf eine 2 Meter entfernte Stadtkarte Zürichs. Aber wer will schon schnell von A nach B kommen und dabei den Genuss einer Velofahrt verkürzen? Ich nicht! Den Wind im Gesicht rausche ich an bunten Fussgängern vorbei, biete mir mit Tramfahrern wilde Rennen und lasse den errötenden Kopf eines wild hinter mir herpfeifenden Polizisten Staub schlucken...

Oh ja. Wahrlich, das Glück der Erde liegt auf dem Rücken eines Drahtesels.

Kommentare:

Mario hat gesagt…

Das ganze wär natürlich noch viel cooler wenn man Drahtesel gegen echte Esel, äh, Pferde eintauschen würde. :-)

Da kann kein Reifen platzen, es fährt nicht von selbst in eine kreuzende Tram und benötigt nur ab und zu etwas Hafer, Äpfel und Wasser :-)

Die Stadtreinigung hätt dann halt etwas mehr zu tun :-)

desenfrenada hat gesagt…

Ich liebe das Design von dem Rad. Mußte schlagartig an die Frischkäse- und sonstigen M-Budget-Verpackungen denken :)

Genieß den Fahrtwind und bis bald!