(athlos, griech. Wettkampf)
Bisher hatte ich mich auf die meisten Wettkämpfe nur sehr sporadisch vorbereitet – im Glauben, der Wille allein könnte diesen Körper über staubige Hügel tragen. Wie die Feder das Schwert bezwingt, so könne der Löwe im Herzen (oder wenigstens Frosties-Tiger im Magen) die behäbigen Massen zu Wundertaten aufrühren und mitreissen. Zwar führte dies ab und zu zu gar beachtlichen Überraschungserfolgen, aber es blieb meist der schale Nachgeschmack einer zu billig errungenen Belohnung, jedoch meist ein faires Abbild der hineingesteckten Mühen.
Vor noch einigen Monaten schallte der Ausdruck "Triathlon" für mich noch mehr nach "Ertrinken, Strampeln, Kriechen, Tod." als nach "Gleiten, Fliegen, Hüpfen, Glückseligkeit."
Dies sollte sich ändern! Mit einer nur ganz minimal ausgeprägten Neigung in Richtung Velofahren (HAHA) trainiere ich ausserdem täglich noch Schwimmen oder Joggen. Nicht selten verbinde ich z.B. Joggen mit nützlichen Botengängen. Nächtlich spazierenden Schwamedingern werden noch jahrelang zwei durch die Büsche schwebende TexAid Säcke in grausiger Erinnerung bleiben. Wenigstens kommt kurz das Gefühl auf, Rocky-gleich mit zwei schweren Schweinehälften die Treppen hochzustieren, in den Ohren schallt "Das Ei des Tigers".
Mit professioneller Hilfe von Jo bereite ich mich auf den im Morgen bevorstehenden Wettkampf vor: Kohlenhydrate türmen sich vor uns auf und noch während ich das tomatene Wirrwarr der spaghettenen Würmer als in der 10-stündigen Zeitspanne als unverdaubar erkläre, spüre ich schon den erwartungsvollen Blick von Jo in der Seite, der mich sanft aber bestimmt zur Pfanne führt, eines Nachschlags wegen. Die Sauce ist sehr verführerisch und so kommt es, dass ich mich bald schweren Magens im Bett wiederfinde. Zwei Stunden später wache ich auf, in der Gewissheit, mein Nachbar hätte mich ans Kunsthaus verkauft: "Ball, Extremitäten, Filzzunge, Beuys 1977"
Es ist ein prächtiger Morgen, die Sonne lacht uns an und es kommt tatsächlich Wettkampfstimmung auf :) Bald finde ich die Nummer 1307 (meine) und bereite mich hastig vor, indem ich die jeweiligen Utensilien höchst durchdacht und clever auf dem Velo und dem Boden verteilen. Ein Feng Shui Spezialist hätte seine helle Freude daran gehabt. Der Drache kommt vom Berg zum See, sag ich da mal. Dass sich der Drache nachher im Vorbeiweg an mir verheddert und wertvolle Sekunden stibitzt… ;)
5 Minuten vor dem Wasserstart finde ich Andi und mit seiner "ruhigen" Art "beruhigt" er mich (um es zu visualisieren: Vom Tisch aufstehen und wild mit den Armen flattern, wenn möglich Gackern ;) ). Zu den kleinen schönen Gesten des Rennens gesellt sich dieser: Jo bietet mir einen Schluck Wasser vor dem Start an, was mich ungemein motiviert :)
Plötzlich geht es los – hunderte Arme peitschen auf das Wasser ein, leider werde ich gleich zu Beginn von einer Ferse ins Auge getroffen, später noch auf die Nase, was etwas demotiviert, sich im Crawlen zu üben. Ich mache es trotzdem und kriege nach einigen Dutzend Metern gleich nochmals mehrere Schlucke Wasser offeriert, diesmal vom grünen Greifensee. Reich an Chlorophyll und Schwebeteilchen, denke ich mir kurz, notiere mir aber mental, selbigen das nächste Mal nicht mehr durch Ohr und Nase einzunehmen. Das Schwimmen vergeht wie ein Traum, energetisch erklimme ich die Stufe per Knie, werde motivierend von Jo bewinkt und düse sogleich zum Wechselplatz, wo der vorherig erwähnte Drache auf mich wartet und sich zwischen Kleidung, Schuhen und dem Velo selbst zum See zwängt.
Ich kann es kaum erwarten zu Velofahren! Meine Standardstrecke, diesmal mit Triathlonlenker! Ich hüpfe zum Start mit einem breiten Grinsen und steige fahrtoll zu früh auf, was aber nicht mit einer der gefürchteten schwarzen Karten quittiert wird. Endlich! Mein Ziel ist es, in unter einer halben Stunde um den See zu fahren, damit 40km/h zu fahren. Gleich als erstes fällt mir auf, dass ich den Bordcomputer falsch konfiguriert habe – wild drücke ich auf den gummigen Tasten herum. Uhrzeit? Nein. Kalorien? Neeein. Durchschnittsgeschwindigkeit? Oh ja.
Ich gebe Gas – gleich zu Beginn überhole ich einen wie wild strampelnden Mountain Biker und einen (beeindruckend schnellen) City Biker. 100 Punkte für jeden. Nach einem Kilometer merke ich aber wie meine Beine nicht wirklich drücken mögen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit dümpelt bei 30 herum. Fatal! Übliche Autorituale "Choke?", "Handbremse an?", "Normal getankt?" versagen. Mürrisch kaue ich auf einem "Ride Shot" herum, ein überteuertes Gummibärchen für Breitensportler mit laut Werbung quasimystischen Kräften. Im nächsten Leben falle ich einfach als Kind in den Zaubertrank, problem solved.
Als ich beim schlechten Ei ("Bad Egg") um die Kurve biege erblicke ich die erste Steigung nach Maur und etliche Radfahrer, die sich die Steigung hochmühen. Ein unerklärlicher Jagdinstinkt bricht jäh durch und ich fliege plötzlich die Steigung hoch, mit 42km/h, alle überholend. Das heisst, fast alle. Ein bereits zuvor gehörtes, verdächtiges Geräusch will nicht von meiner Seite weichen: *Ka-Ding* *Ka-Ding*. Ich drehe meinen Kopf und da ist er: Fredy. Ein kurzer Flashback zu jener wilden Bladegottheit lässt mich aufschrecken. Augenblicklich verspüre ich Antipathie. Fredy. Ich nenne ihn nur so. Aber er heisst gewiss irgendwie so; älter, eine fast kopfumspannende Glatze, sehniges Gesicht, drahtigen Körper.
*Ka-Ding* *Ka-Ding*
Und er lässt sich nicht abschütteln. Ich schalte einen Gang runter, erhöhe die Drehzahl auf 120, der Motor heult auf: "jaul, jaul", 45km/h, wir fetzen durch Maur, diesen komischen Bauernhof mit diesem … Dings, irgendwas, Fällanden, dort die Strasse runter.
*Ka-Ding* *Ka-Ding*, nun dringlicher, schneller, verstummend: 54km/h.
Beim Anstieg an der nordwestlichen Ecke des Sees bläst mir ein brutaler Wind entgegen, ich werde langsamer. Unangenehm langsam, hinter mir beginnt wieder dieses unerträgliche Geräusch. Ölt der Mann je sein Velo??? Vor mir eine Gruppe, unüberholbar breit. Da rast plötzlich Fredy an mir vorbei winkt mir verächtlich mit einem Finger zu und meint "He, Gas gäääh."
…
FREEEDYYYY! Fast unmittelbar schiesst mir das Blut ins Gesicht, die Augen treten hervor, der Atem wird schwerer, tiefer, grollend, der Mund: schäumt. Wir schiessen plötzlich an der Traube aus Metall, Fleisch und Rädern vorbei (Hallo Andi). Fredy vor mir im Ziel? Niemals, so wahr ich Florian "Oberschenkel" Hanke heisse! Glühenden Beins strample ich an ihm vorbei, und pralle in der Wechselzone wieder mit dem Drachen zusammen, der sich nach seinem kurzen Bad im See gemütlich wieder zum Berg aufmacht, das mir fehlende Badetuch (Geklaut? Nein, vergessen.) lässig um die Lenden geschwungen.
Ich jogge los, in froher Erinnerung mein mitternächtens errungener 4:15 Schnitt. Sehr ferner froher Erinnerung. Der Drache wirft mir noch ein ominöses "Konfuzius sagt: «Wer locker flockig hüpfen mag, der besser seinem Rad entsag»" hintennach, dessen Bedeutung mir bereits nach wenigen hundert Metern klar wird. Die Essenz der letzten Sportart: Ich bin unheimlich motiviert, Joggen zu gehen! :) Überhaupt, Schwimmen ebenfalls.
Nach mehr oder weniger kurzen 5km lächle ich mich ins Ziel und werde von Jo, Sarah und Andi empfangen! :D
Jetzt ist Jo dran – sie macht den für mich in dem Moment unglaublich hart erscheinenden echten Triathlon. Bereits nach einer Viertelstunde sind die Schwimmerinnen nur noch (für erst jetzt dazugestossene) als Entchen in der Ferne erkennbar.
Nach nur ein wenig mehr als einer halben Stunde fliegt sie auch schon weiter aufs Rad. Sarah und ich versuchen ein Foto zu erhaschen, stolpern durch die Massen und drängeln uns an den Fahrbahnrand. Uns fast ein Bisschen neidisch zurücklassend entflieht sie uns über die durch Oetwil, Chrüzlen, Egg, Zumikon, Ebmatingen, Maur, Fällanden führende, geniale Velostrecke.
Die Laufstrecke legt sie dann als nur 14. zurück…
Im nächsten Abschnitt könnte ich euch nun in Echtzeit eine halbe Stunde lang über eine gewisse Massage erzählen, welche magischer Finger ausgestattet jegliche Knoten in meinen Beinen findet, die grösste Pizzeria der Welt, einer Welt, in der man allen Du sagt und einem Joghurtglacé, welches ich in meinen kühnsten Träumen nie erreichen werde. Und natürlich Apfelwein. Immer wieder Apfelwein.
Triathlon, ich werde da sein.
Donnerstag, 27. August 2009
Montag, 24. August 2009
Nach vorn
Nirgendwo denkt es sich so gut wie in Bewegung. Nirgendwo wird der Hunger so stark geweckt. Durch nichts wächst die Sehnsucht mehr als durch die Bewegung selbst.
Das kann im Zug beginnen – den Blick nach vorn gerichtet, den Schreibblock auf den Knien, die Bäume wie an den Drähten aufgehängt, am Fenster vorbeigeführt.
Das geht weiter übers Rad, die Jagd über den Asphalt, sich von Velofahrer zu Velofahrer hangelnd, Hügel erklimmend, strahlende Sonnenuntergänge verschwinden sehend, zu Tal brausend.
Es endet in fernen Ländern, fremden Düften, andersartigen Kulturen, und reisegeschwängerten Konversationen, die sich doch immer im Kern um eins drehen: Den Menschen und die immerwährende Sehnsucht; nach vorn, nach vorn.
Nein. Es endet nie.
Das kann im Zug beginnen – den Blick nach vorn gerichtet, den Schreibblock auf den Knien, die Bäume wie an den Drähten aufgehängt, am Fenster vorbeigeführt.
Das geht weiter übers Rad, die Jagd über den Asphalt, sich von Velofahrer zu Velofahrer hangelnd, Hügel erklimmend, strahlende Sonnenuntergänge verschwinden sehend, zu Tal brausend.
Es endet in fernen Ländern, fremden Düften, andersartigen Kulturen, und reisegeschwängerten Konversationen, die sich doch immer im Kern um eins drehen: Den Menschen und die immerwährende Sehnsucht; nach vorn, nach vorn.
Nein. Es endet nie.
Die Findung des Rads
Soeben bin ich von einem richtig schönen Abend – die Ergon (die Firma, in der ich 2 Jahre war, bis vor etwa 2 Jahren) feiert ihr 25-jähriges Jubiläum – zurückgekommen. Alte Geschichten werden aufgewärmt, von fernen Reisen erfahren, geborene Babys gezählt, Geektum zelebriert. Nebenbei erfahren 4 Würste ein würdiges Schlundbegräbnis… Schön wars, danke!
(Ausserdem nehme ich der Leute Lob angesichts meiner gestrigen Veloleistung dankend an – ich wurde bereits in den Expertenstand erhoben. Auch wenn man sich insgeheim etwas unwürdig fühlt, staunenden Menschen Rat aus einem gar kleinen Topf auszuteilen, so ist es doch unglaublich motivierend, die offenbar gesehene Grösse bald auch tatsächlich auszufüllen)
Der bewegende, aber relativ unbewegte Abend liess mir die Beine zappeln. So stark, dass ich die Strecke Waldgarten-Greifenseestrasse im schnellen Joggingschritt hinter mich bringen musste. Ich muss zugeben, am liebsten wär ich auch gleich noch Velo fahren gegangen, aber das Nachtsichtgerät aus der Ukraine lässt immer noch auf sich warten, und dies, obwohl es aus totaal sicheren militärischen Quellen stammt ;) Nein, nicht wirklich.
Am 6. September werde ich genügend Zeit haben mich auszutoben, wenn ich mich um 8 Uhr morgens an der Züri Metzgete auf eine Reise in die Weiten von Westzürich aufmache. (Und – so die Hoffnung – auch wieder zurück ;))
Bis dahin verstreicht nicht mehr viel Zeit, daher habe ich mir einen überaus ausgeklügelten Trainingsplan bereitgelegt, der in der üblichen Velomessweise ca. 46mg Erythropoetin (Epo) entspricht:
25. - Rad easy (Regen bläh) Dafür 40 Minuten Beintraining mit Schwimmen.
27. - Rad hart (Regen) Dafür am Tag zuvor Rad und am Tag danach Schwimmen.
29. - Rad easy (Pause, Kohlenhydrate tanken – in Form eines Tiramisu)
30. - Rad hart (Metzgete) (Danke Julian fürs Begleiten)
31. - Rad easy
02. - Rad hart
04. - Rad easy, Spaghetti
05. - Spaghetti
06. - Metzgete (Done ;))
Dazwischen immer ein Ruhetag, die easy Strecken sind 50-60km, die harten etwa 90. Die Spaghettitrainings werden anhand der Vorgabe meiner Lieblingsmästerin Jo durchgeführt: Essen bis man nicht mehr kann plus ein Teller :)
Wenn jemand gerne mitfahren möchte, nur melden. In den Ruhetagen bin ich auch immer – immer – für lockere Velotürchen zu haben :)
(Ausserdem nehme ich der Leute Lob angesichts meiner gestrigen Veloleistung dankend an – ich wurde bereits in den Expertenstand erhoben. Auch wenn man sich insgeheim etwas unwürdig fühlt, staunenden Menschen Rat aus einem gar kleinen Topf auszuteilen, so ist es doch unglaublich motivierend, die offenbar gesehene Grösse bald auch tatsächlich auszufüllen)
Der bewegende, aber relativ unbewegte Abend liess mir die Beine zappeln. So stark, dass ich die Strecke Waldgarten-Greifenseestrasse im schnellen Joggingschritt hinter mich bringen musste. Ich muss zugeben, am liebsten wär ich auch gleich noch Velo fahren gegangen, aber das Nachtsichtgerät aus der Ukraine lässt immer noch auf sich warten, und dies, obwohl es aus totaal sicheren militärischen Quellen stammt ;) Nein, nicht wirklich.
Am 6. September werde ich genügend Zeit haben mich auszutoben, wenn ich mich um 8 Uhr morgens an der Züri Metzgete auf eine Reise in die Weiten von Westzürich aufmache. (Und – so die Hoffnung – auch wieder zurück ;))
Bis dahin verstreicht nicht mehr viel Zeit, daher habe ich mir einen überaus ausgeklügelten Trainingsplan bereitgelegt, der in der üblichen Velomessweise ca. 46mg Erythropoetin (Epo) entspricht:
Dazwischen immer ein Ruhetag, die easy Strecken sind 50-60km, die harten etwa 90. Die Spaghettitrainings werden anhand der Vorgabe meiner Lieblingsmästerin Jo durchgeführt: Essen bis man nicht mehr kann plus ein Teller :)
Wenn jemand gerne mitfahren möchte, nur melden. In den Ruhetagen bin ich auch immer – immer – für lockere Velotürchen zu haben :)
Donnerstag, 6. August 2009
Tage der Erinnerung
Ja, wir sind 360km in 2,5 Tagen gefahren – jeder Höhenmeter fletschenden Zahns errungen, den Gegenwind zusammengekniffener Augen ertragen, die vollendete Erholung in gargantesken Apfelstrudeln gefunden und behalten, die Reifen auf rauhem Gelände glühend geschliffen, Blätter hinter uns aufwirbeln lassen, Kind und Hund Freude des Tages geschenkt, Cordon Bleus bestaunt, die selbst Rocky Balboa hätten wanken lassen, die Geschmacksknospen des Isostars überdrüssig werden lassen, den Namen der Wieskirche knapp aber heftig debattiert, die Hügel, Berge!, eine Familienpackung Sitzcreme an latent gedrückten Orten verteilt und bald per Bachblüte einbalsamiert, Yogalektionen gebend und nehmend, Beine dem Himmel entgegen gereckt, den Schweiss mit lässiger Zungenbewegung der Lippe entrissen, Karten rauh atmend bestaunt, motivationsraubendste Steigungen erklommen, Jägerplätzchen-Uboote im Pilzmeer aufgespürt, mit wilden ungebändigtem Ehrgeiz einer fehlleitenden Strasse nachgehetzt, glücklichen Bäckerstöchter noch den Tag versüsst – und umgekehrt, auf den weisen Rat Eingeborener gehört, eine beeindruckende hundertjährige Grossmutter lachen lassen, in die Bayrische Küche eingetaucht, um triumphal mit weissen Würsten auf den Schultern heimzukehren, Karten drehend, studierend, geniessend, süchtig werdend, die Haare lässig im Wind tragend, die rücktrittfreien Räder geniessend, trügerischen Karten blind in Hügel und Wald folgend, den gott-ver-damm-ten Sulzberg verfluchend, österreichische Sprachunikate entdeckend das "siedeln" feiern, das Video des Tages in Silizium bannend, magische kartenfreie Portale in andere Welten bestaunend, den Hirschen um dessen Spaghettivorrat bringend, den Argwohn der Urbewohner gegenüber Bischofszell bestaunend, heimatliche Strassennamen entdeckend, … das Ziel, die Nähe Münchens bluthunden riechen, aufsaugend entgegenrasen, glühender Dreifachwaden wild über Gehwege fliegen, koste was es wolle ankommend. Viel zu früh, viel zu früh.
Und dies, liebe Leser, ist nur der Bruchteil der Liste, welche sich über diese zweieinhalb Tage erstellen liesse. Nur zu oft versinken wir in der trügerisch wohligen Routine und vergessen, dass da noch eine Welt existiert, welche nur darauf wartet, dass wir sie leuchtenden Auges besuchen und in uns aufnehmen, niemals loslassend, für immer in uns tragend, bereit, erneut hervorgenommen zu werden…
Wann ergreifst Du Deine nächsten zweieinhalb Tage? Warum erst dann?
Und dies, liebe Leser, ist nur der Bruchteil der Liste, welche sich über diese zweieinhalb Tage erstellen liesse. Nur zu oft versinken wir in der trügerisch wohligen Routine und vergessen, dass da noch eine Welt existiert, welche nur darauf wartet, dass wir sie leuchtenden Auges besuchen und in uns aufnehmen, niemals loslassend, für immer in uns tragend, bereit, erneut hervorgenommen zu werden…
Wann ergreifst Du Deine nächsten zweieinhalb Tage? Warum erst dann?
Mittwoch, 29. Juli 2009
305'000 Meter
Wie schon oft bestätigt es sich auch diesmal: Ob 55 Kilometer Nachtwandern, 5986 Meter Höhenklettern, 34'000 Meilen Traumsegeln. Verrückte Unternehmungen werden stets von gutem Wetter begleitet.
So auch diesmal. Mit Johanna – meiner Profiwindschattinatorin – werde ich der aufgehenden Sonne entgegenlechzen, unserer Räder Abdruck gleich tausendfach auf den immer dünner gesähteren Strassen hinterlassend. Kein Fossil schmückt unseren Treibstoff, einzig und allein edelster Espresso, feinstgemahlene Weisswürste und bayrischstes Weizenbier lassen unsere Schenkel das Pedal zirka 150'000 Mal eine Revolution anzetteln, um schliesslich Sonnabend mit einem letzten Zittern zu verstummen, ihre Aufrührer in einem Biergarten verschwindend. So die Hoffnung!
Während der Reise bin ich unter folgender Nummer erreichbar: .
So und nun wünsche ich euch allen eine gute Nacht, in der ihr von den Mond umrundenden sternenbegleiteten Velos träumt!
So auch diesmal. Mit Johanna – meiner Profiwindschattinatorin – werde ich der aufgehenden Sonne entgegenlechzen, unserer Räder Abdruck gleich tausendfach auf den immer dünner gesähteren Strassen hinterlassend. Kein Fossil schmückt unseren Treibstoff, einzig und allein edelster Espresso, feinstgemahlene Weisswürste und bayrischstes Weizenbier lassen unsere Schenkel das Pedal zirka 150'000 Mal eine Revolution anzetteln, um schliesslich Sonnabend mit einem letzten Zittern zu verstummen, ihre Aufrührer in einem Biergarten verschwindend. So die Hoffnung!
Während der Reise bin ich unter folgender Nummer erreichbar: .
So und nun wünsche ich euch allen eine gute Nacht, in der ihr von den Mond umrundenden sternenbegleiteten Velos träumt!
Donnerstag, 25. Juni 2009
Worterfinder
Irgendwo in der erleuchteten Düsternis des siebzehnten Jahrhunderts findet man einige amüsante Zeugnisse einer kleinen Schar Worterfinder, die sich gegen die Verfranzösisierung und Lateinisierung der deutschen Sprache (wie Otto Waalkes schön bemerkte: "Di Sprache muss sauba bleihm") wehren.
Für mich stechen besonders die Fehlversuche von Philipp von Zesen (1619-1689) hervor. Einige Beispiele folgen. Damit es etwas spannender wird, kommen erst die Versuche, unten dann mit Übersetzung, also nicht zu früh nach unten schielen. Viel Glück beim Raten :)
Dörrleiche
Jungfernzwinger
Krautbeschreiber
Meuchelpuffer
Spitzgebäude
Spottnachbildung
Windfang
…
Dörrleiche: Mumie
Jungfernzwinger: Kloster
Krautbeschreiber: Botaniker
Meuchelpuffer: Pistole
Spitzgebäude: Pyramide
Spottnachbildung: Parodie
Windfang: Mantel
Wobei mir die gleichgültigen Worte trotz allen Amusements lieber sind. "Gleichgültig" ein Vorschlag eines Zeitgenossen Philipps für … na? "Synonym".
Und mit diesen Worten schliesse ich die Tageslichter (gegen Kerbtiere und Landschnupfen), winke dem Weiberhof zu, drehe die Blitzfeuererregung ab und ziehe meinen Gesichtserker aus dem Geistesanbauteil, schreite an meinen Schaumünzen vorbei und wende meinen Urgeist dem Entensack zu, die Felltrommel versinkend träume ich von Wüstenoasen und Streifhorden. Noch ein Süsschen davor? Nein, denn meine Beissreihen sind geschmirgelt und glanziert.
Gute Nacht allerseits. Oder sollte ich sagen: "Wohl horizontal im Gefiedertal, Wortverschlinger"?
Für mich stechen besonders die Fehlversuche von Philipp von Zesen (1619-1689) hervor. Einige Beispiele folgen. Damit es etwas spannender wird, kommen erst die Versuche, unten dann mit Übersetzung, also nicht zu früh nach unten schielen. Viel Glück beim Raten :)
Dörrleiche
Jungfernzwinger
Krautbeschreiber
Meuchelpuffer
Spitzgebäude
Spottnachbildung
Windfang
…
Dörrleiche: Mumie
Jungfernzwinger: Kloster
Krautbeschreiber: Botaniker
Meuchelpuffer: Pistole
Spitzgebäude: Pyramide
Spottnachbildung: Parodie
Windfang: Mantel
Wobei mir die gleichgültigen Worte trotz allen Amusements lieber sind. "Gleichgültig" ein Vorschlag eines Zeitgenossen Philipps für … na? "Synonym".
Und mit diesen Worten schliesse ich die Tageslichter (gegen Kerbtiere und Landschnupfen), winke dem Weiberhof zu, drehe die Blitzfeuererregung ab und ziehe meinen Gesichtserker aus dem Geistesanbauteil, schreite an meinen Schaumünzen vorbei und wende meinen Urgeist dem Entensack zu, die Felltrommel versinkend träume ich von Wüstenoasen und Streifhorden. Noch ein Süsschen davor? Nein, denn meine Beissreihen sind geschmirgelt und glanziert.
Gute Nacht allerseits. Oder sollte ich sagen: "Wohl horizontal im Gefiedertal, Wortverschlinger"?
Donnerstag, 18. Juni 2009
Here's to the crazy ones.
Einfach einer meiner Lieblingstexte, von Apple.
«Here's to the crazy ones.
The misfits.
The rebels.
The troublemakers.
The round pegs in the square holes.
The ones who see things differently.
They're not fond of rules.
And they have no respect for the status quo.
You can praise them, disagree with them, quote them, disbelieve them, glorify or vilify them.
About the only thing you can't do is ignore them.
Because they change things.
They invent.
They imagine.
They heal.
They explore.
They create.
They inspire.
They push the human race forward.
Maybe they have to be crazy.
How else can you stare at an empty canvas and see a work of art?
Or sit in silence and hear a song that's never been written?
Or gaze at a red planet and see a laboratory on wheels?
We make tools for these kinds of people.
While some see them as the crazy ones, we see genius.
Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.»
«Here's to the crazy ones.
The misfits.
The rebels.
The troublemakers.
The round pegs in the square holes.
The ones who see things differently.
They're not fond of rules.
And they have no respect for the status quo.
You can praise them, disagree with them, quote them, disbelieve them, glorify or vilify them.
About the only thing you can't do is ignore them.
Because they change things.
They invent.
They imagine.
They heal.
They explore.
They create.
They inspire.
They push the human race forward.
Maybe they have to be crazy.
How else can you stare at an empty canvas and see a work of art?
Or sit in silence and hear a song that's never been written?
Or gaze at a red planet and see a laboratory on wheels?
We make tools for these kinds of people.
While some see them as the crazy ones, we see genius.
Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.»
Montag, 15. Juni 2009
Die Geschichte vom fröhlichen Hund und dem mürrischen Kater
Manchmal mag ich mir etwas ausserirdisch vorkommen, hier im schönen Oerlikon. Aber ich denke, das geht allen anderen genau gleich, denn Oerlikon ist ein Inselstaat – ein Staat aus menschlichen Inseln. Die einen, älteren, gehörbedingt fluglärmgeprüft, die anderen sprachbedingt insuliert (Wortspiel!). Aber menscheln? Das tut es, dass sich die Kokospalmen biegen und an menschenumspülten Stränden Schaumkronen auf Sand für die Ewigkeit eintrocknen. Hier spricht Kapitän Hanke, Befahrer, Beobachter und Umschiffer der Inselwelten.
Wo sonst wird einem auf einem abendlichen Rundgang gleich zweimal die Welt erklärt und wo bekommt man zweimal vigoros die Hand geschüttelt, in alkoholbedingten Entermanövern? Pokergeheimnisse werden enthüllt, Beziehungsdetails ausgebreitet, der Südanflug glühend innerlich debattiert, äusserlich gelallt?
Wo sonst breitet sich im Bus folgende Szene aus, herzzerrend: Ein etwas rotunder Mann erstreckt sich über 1,5 Sitze im Bus, gleich links von mir, der ich im Gang stehe. Von hinten nähert sich eine merkwürdig schielende Frau, der weisse Stock verrät Blindheit. Der Mann, auf den ersten Blick scheint er Türke, rotes Hemd, ein breiter Schnauz, den Mund bedachend. Er entdeckt die Frau aus dem Augenwinkel, erkennt ihre Suche nach einem Platz – der einzige zur Hälfte von ihm eingenommen, und bietet ihr sogleich an, die Luft etwas einzuziehen, um wertvolle Sitzfläche preiszugeben.
Unglücklicherweise tut er dies mit einem auf dieselbe gerichteten Zeigfinger. Sie reagiert – erwarteterweise – gar nicht. Er zuckt die Schulter, und zeigt insistierend auf den Platz, diesmal mit der anderen Hand. Sie reagiert gar nicht. Der Mann aber scheint der Sprache nicht mächtig, oder schämt sich gar, diese nur in Brocken zu benutzen, und unterstreicht nun sein nobles Vorhaben gleich mit beiden Handflächen.
Plötzlich meldet sich die junge Frau gleich vor mir – verteidigende Anmerkung: der Ort blosser Zufall – und meint, ihm ein "Si münd mit ihre rede." über die Schulter zuwerfend, wohlwollend, ihm geholfen zu haben. Nichts dergleichen, er versteht sie nicht, die Blinde Frau versteht ihn nicht.
Eigentlich DER Moment für einen jungen, sprachgewandten Mann – zufällig ist einer anwesend ;) – und er ergreift ihn, voller Vorfreude! Oh, ich hoffe, es ist ein Portugiese, oder vielleicht, ja vielleicht ist es ja ein Schwede, an dem ich meine 3 Brocken Schwedisch ausprobieren mag. Wir erinnern uns, dass bei seinem Aussehen der Ursprungsort Schweden etwa so fest in Frage kommt wie blonde Ghanaerinnen, aber auch hier, wie in der Liebe gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt und wenn sie stirbt, rafft sie sich abermals hoch und schleift sich per Zahnfleisch durch die glühendste Wüste, die man sich vorstellen kann, nur um der durchwegs eingebildeten Oase einen Meter näher gekommen zu sein.
So auch hier: "What language do you speak?" – Wir versuchen es mit Englisch, der selbsternannten universalen Sprache. Der Schnauz des Mannes verschränkt quasi abweisend die Arme. Schliesslich Portugiesisch, dann Französisch. Der Mann staunt mich nur an und zuckt mit der Schulter, fast entschuldigend. Sein Schnauz neigt sich leicht provokativ, was ich augenbrauenhebend zur Kenntnis nehme. In kürzester Zeit komme ich bei der Gebärdensprache an: Wie signalisiere ich Blindheit? Einer der drei Affen muss hinhalten. Die Hände bedecken die Augen. Als ich den Ringfinger leicht hebe, zwischen den Fingern durchlinse und eine Ecke des Schnauzes sehe, dessen Spitze verzweifelt und etwas enttäuscht sich der Erde zuneigt, einer Weide gleich, gebe ich auf. Das kleine Schauspiel endet abrupt für mich, als die Haltestelle Hallenbad ausgerufen wird und ich dem Bus entsteige. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass der Schnauz am Ende zum Schluss gekommen ist, ich wäre durch und durch geistesgestört.
Wenn ich den guten Mann das nächste Mal sehe, werde ich ihn zu einem Deutschkurs animieren. Die Frage ist nur: In welcher Sprache?
Was den Titel angeht: Ich habe gestern, an einem einzigen Tag, wohl den fröhlichsten Hund und den mürrischsten Kater meines Lebens gesehen. Ich denke, nicht viele Menschen können dies von sich behaupten.
Wo sonst wird einem auf einem abendlichen Rundgang gleich zweimal die Welt erklärt und wo bekommt man zweimal vigoros die Hand geschüttelt, in alkoholbedingten Entermanövern? Pokergeheimnisse werden enthüllt, Beziehungsdetails ausgebreitet, der Südanflug glühend innerlich debattiert, äusserlich gelallt?
Wo sonst breitet sich im Bus folgende Szene aus, herzzerrend: Ein etwas rotunder Mann erstreckt sich über 1,5 Sitze im Bus, gleich links von mir, der ich im Gang stehe. Von hinten nähert sich eine merkwürdig schielende Frau, der weisse Stock verrät Blindheit. Der Mann, auf den ersten Blick scheint er Türke, rotes Hemd, ein breiter Schnauz, den Mund bedachend. Er entdeckt die Frau aus dem Augenwinkel, erkennt ihre Suche nach einem Platz – der einzige zur Hälfte von ihm eingenommen, und bietet ihr sogleich an, die Luft etwas einzuziehen, um wertvolle Sitzfläche preiszugeben.
Unglücklicherweise tut er dies mit einem auf dieselbe gerichteten Zeigfinger. Sie reagiert – erwarteterweise – gar nicht. Er zuckt die Schulter, und zeigt insistierend auf den Platz, diesmal mit der anderen Hand. Sie reagiert gar nicht. Der Mann aber scheint der Sprache nicht mächtig, oder schämt sich gar, diese nur in Brocken zu benutzen, und unterstreicht nun sein nobles Vorhaben gleich mit beiden Handflächen.
Plötzlich meldet sich die junge Frau gleich vor mir – verteidigende Anmerkung: der Ort blosser Zufall – und meint, ihm ein "Si münd mit ihre rede." über die Schulter zuwerfend, wohlwollend, ihm geholfen zu haben. Nichts dergleichen, er versteht sie nicht, die Blinde Frau versteht ihn nicht.
Eigentlich DER Moment für einen jungen, sprachgewandten Mann – zufällig ist einer anwesend ;) – und er ergreift ihn, voller Vorfreude! Oh, ich hoffe, es ist ein Portugiese, oder vielleicht, ja vielleicht ist es ja ein Schwede, an dem ich meine 3 Brocken Schwedisch ausprobieren mag. Wir erinnern uns, dass bei seinem Aussehen der Ursprungsort Schweden etwa so fest in Frage kommt wie blonde Ghanaerinnen, aber auch hier, wie in der Liebe gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt und wenn sie stirbt, rafft sie sich abermals hoch und schleift sich per Zahnfleisch durch die glühendste Wüste, die man sich vorstellen kann, nur um der durchwegs eingebildeten Oase einen Meter näher gekommen zu sein.
So auch hier: "What language do you speak?" – Wir versuchen es mit Englisch, der selbsternannten universalen Sprache. Der Schnauz des Mannes verschränkt quasi abweisend die Arme. Schliesslich Portugiesisch, dann Französisch. Der Mann staunt mich nur an und zuckt mit der Schulter, fast entschuldigend. Sein Schnauz neigt sich leicht provokativ, was ich augenbrauenhebend zur Kenntnis nehme. In kürzester Zeit komme ich bei der Gebärdensprache an: Wie signalisiere ich Blindheit? Einer der drei Affen muss hinhalten. Die Hände bedecken die Augen. Als ich den Ringfinger leicht hebe, zwischen den Fingern durchlinse und eine Ecke des Schnauzes sehe, dessen Spitze verzweifelt und etwas enttäuscht sich der Erde zuneigt, einer Weide gleich, gebe ich auf. Das kleine Schauspiel endet abrupt für mich, als die Haltestelle Hallenbad ausgerufen wird und ich dem Bus entsteige. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass der Schnauz am Ende zum Schluss gekommen ist, ich wäre durch und durch geistesgestört.
Wenn ich den guten Mann das nächste Mal sehe, werde ich ihn zu einem Deutschkurs animieren. Die Frage ist nur: In welcher Sprache?
Was den Titel angeht: Ich habe gestern, an einem einzigen Tag, wohl den fröhlichsten Hund und den mürrischsten Kater meines Lebens gesehen. Ich denke, nicht viele Menschen können dies von sich behaupten.
Montag, 20. April 2009
Aus dem Leben von Bike Velonidas
Voller Vorfreude stürze ich nach Hause, schraube ein, zwei losegerüttelte Schrauben an meinem heissgeliebten Rad etwas fester, und trage es einmal mehr die lange Treppe von meiner Dachwohnung zur Strasse hinaus, vorsichtig bedacht, mit meinen Schuhen bei der offenbar nervenbelasteten Nachbarin (Beispielbegrüssung 1: "Achhallosiesindderdersolautdietreppeherunterkommt!" – "Mir geht es auch gut, danke." ;) ) im EG so leise wie möglich vorbeizutrippeln. Schon einmal mit Veloschuhen getrippelt? Ich erwartete schon Japaner, die, die Hände in die Luft gereckt, schreiend davonrennen, ein "Goooo-ZILLAAAA" auf den zitternd bebenden Lippen.
Ein erster Glücksmoment überkommt mich, als ich das Strassenlabyrinth Schwamendingens, Dübendorfs lebend hinter mir lasse, ebenso den als Fällandadreieck verschriener Kreisel, der trotz seines Übernamens so rund ist, dass sich wohl des öfteren Geometrielehrer dort einfinden, um die Kreisatur des Dreiecks unter Tränen zu preisen.
Kurz nach dem Erreichen meiner Höchstgeschwindigkeit (die Waden glühen, die Lefzen schaumen), erreicht etwas, was "weisse, brünftige Gottesanbeterin" genannt werden könnte, meinen Augwinkel. Extremitäten wedeln elegant durch die Luft. Ich überquere die Strasse, um in den hügeligen Teil um den Greifensee einzubiegen und beschleunige noch ein Bisschen. Nach einer Minute bemerke ich das weisse Ding, welches sich mir nichts dir nichts an meinen Sattel geklebt hat, und gucke es mir genauer an: Ein Skater! Drahtiges, sehniges Gleiten.
Ich gebe Gas. Er auch. Noch immer dieses nervenaufreibende Wedeln der weissen Arme. Ich gebe mehr Gas. Die Arme. Kübler-Ross in 2 Minuten: "Denial: Das kann nicht sein. Doch. Anger: Warum ich? Zufall. Bargaining: Strampel, Gott aller Radfahrer, straffe meine Waden! Immer noch da. Depression: Pfffrt. Akzeptanz: Hm, eigentlich nicht schlecht." Irgendwie beginnt es mir zu gefallen! Zwar gleitet schon fast die Lungenspitze über die schon längst auf dem Lenker zu liegen gekommene Zunge (leicht geschwärzt, lieber Raucher), aber dieses Brennen erinnert mich daran, was es bedeutet, aus dem Vollen zu schöpfen. Ich atme tief ein. Da sind sie immer noch, diese wedelnden weissen Arme. Ich konzentriere mich, den perfekten Windschatten des Jahres für diesen Supersportler zu liefern. Aus dem Weg, liebe Freizeitsportler: Hier walzt eine Gottheit um den See: Wir sind Kali, vielarmige Göttin des Todes und Verderbens. Gnadenlos überholen wir alle und alles. Eine verrückte Sekunde lang überlege ich mir, die Ausfahrt zur Überlandstrasse, schliesslich zur Autobahn zu nehmen. Das Einzige, was mich in diesem Moment zurückhält, ist die fehlende Autobahnvignette ;)
Wir rasen weiter, weiter bis zum Horizont, bis uns schliesslich zu früh, viel zu früh der Weg entzweit und ich mich mit einem knappen Wink und einem idiotischen "Tschüssi" verabschiede, eine Peinlichkeit, welche ich mir sonst ausschliesslich für Dates mit gutaussehenden Frauen aufspare.
Abrupt der Arme verlustig gegangen, bin ich wieder Flöre. Flöre mit glühenden Waden, welche nach Kalorien gieren, ein schnaufendes Etwas auf Draht, ein Halbgott des halbpatzigen Velölen. Aber gebt mir einen Skater, und ich fahre ans Ende der Welt – und wieder zurück.
Ein erster Glücksmoment überkommt mich, als ich das Strassenlabyrinth Schwamendingens, Dübendorfs lebend hinter mir lasse, ebenso den als Fällandadreieck verschriener Kreisel, der trotz seines Übernamens so rund ist, dass sich wohl des öfteren Geometrielehrer dort einfinden, um die Kreisatur des Dreiecks unter Tränen zu preisen.
Kurz nach dem Erreichen meiner Höchstgeschwindigkeit (die Waden glühen, die Lefzen schaumen), erreicht etwas, was "weisse, brünftige Gottesanbeterin" genannt werden könnte, meinen Augwinkel. Extremitäten wedeln elegant durch die Luft. Ich überquere die Strasse, um in den hügeligen Teil um den Greifensee einzubiegen und beschleunige noch ein Bisschen. Nach einer Minute bemerke ich das weisse Ding, welches sich mir nichts dir nichts an meinen Sattel geklebt hat, und gucke es mir genauer an: Ein Skater! Drahtiges, sehniges Gleiten.
Ich gebe Gas. Er auch. Noch immer dieses nervenaufreibende Wedeln der weissen Arme. Ich gebe mehr Gas. Die Arme. Kübler-Ross in 2 Minuten: "Denial: Das kann nicht sein. Doch. Anger: Warum ich? Zufall. Bargaining: Strampel, Gott aller Radfahrer, straffe meine Waden! Immer noch da. Depression: Pfffrt. Akzeptanz: Hm, eigentlich nicht schlecht." Irgendwie beginnt es mir zu gefallen! Zwar gleitet schon fast die Lungenspitze über die schon längst auf dem Lenker zu liegen gekommene Zunge (leicht geschwärzt, lieber Raucher), aber dieses Brennen erinnert mich daran, was es bedeutet, aus dem Vollen zu schöpfen. Ich atme tief ein. Da sind sie immer noch, diese wedelnden weissen Arme. Ich konzentriere mich, den perfekten Windschatten des Jahres für diesen Supersportler zu liefern. Aus dem Weg, liebe Freizeitsportler: Hier walzt eine Gottheit um den See: Wir sind Kali, vielarmige Göttin des Todes und Verderbens. Gnadenlos überholen wir alle und alles. Eine verrückte Sekunde lang überlege ich mir, die Ausfahrt zur Überlandstrasse, schliesslich zur Autobahn zu nehmen. Das Einzige, was mich in diesem Moment zurückhält, ist die fehlende Autobahnvignette ;)
Wir rasen weiter, weiter bis zum Horizont, bis uns schliesslich zu früh, viel zu früh der Weg entzweit und ich mich mit einem knappen Wink und einem idiotischen "Tschüssi" verabschiede, eine Peinlichkeit, welche ich mir sonst ausschliesslich für Dates mit gutaussehenden Frauen aufspare.
Abrupt der Arme verlustig gegangen, bin ich wieder Flöre. Flöre mit glühenden Waden, welche nach Kalorien gieren, ein schnaufendes Etwas auf Draht, ein Halbgott des halbpatzigen Velölen. Aber gebt mir einen Skater, und ich fahre ans Ende der Welt – und wieder zurück.
Dienstag, 9. Dezember 2008
Ein kleines Geheimnis des guten Lebens…
Harry, I'm gonna let you in on a little secret
Ich liebe diese Szene aus Twin Peaks… :)
Ich liebe diese Szene aus Twin Peaks… :)
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Guerilla Lawnfare
Einigen von euch mag dieser Begriff gar etwas martialisch vorkommen, aaaber…
Als ich gestern um 2300 die 5 schweren Säcke voll Rasensamen in Reih und Glied aufgestellt sehe und Flo und ich nach einem kurzen Kontrollblick auf die Kiesfläche vor unserem Haus stiefeln und den Inhalt der Säcke über die graue und traurige Fläche ergiessen, habe ich das enorme Gefühl, etwas wirklich Gutes zu tun. Als uns dann auch noch ein älterer Nachbar überrascht und uns ein Super! zuruft, dann nach einer kurzen Diskussion mit einer in die Höhe gereckten Faust und breitem Grinsen bis zum Hauseingang verabschiedet, weiss ich, dass Pflanzen nicht einfach nur schön sind, sondern für unser Wohl so oft wie möglich anzusehen und um uns sein sollten. Ausserdem, dass die sogenannt "moderne" Architektur grösstenteils versagt, weil und wenn sie nicht natur- und damit menschengerecht gebaut ist.
Sowas passiert – auch in der Informatik – wenn man maschinengerecht arbeitet, oder "preisbewusst" *g*, oder zu geometrisch; anstatt menschengerecht arbeitet, mal z.B: mit einer leicht teureren Holzverkleidung (wie beim Rollerbladen entdeckt) und auch etwas Krummes so stehen lässt, damit das Auge und der Körper geschwungenen Linien, abwechslungsreichen und damit inspirierenden, denkanregenden Mustern, Formen, Farben folgen kann.
Nachahmer: Rasensamen im Migros 30qm 6 Franken, Magerwiesen etwas mehr, dafür schöner. Achtet darauf, dass die Mischung dem Boden angepasst ist. Geht raus und verschönert die Welt! :)
In drei Wochen hoffe ich, erste Fotos zu präsentieren.
*Zum Abschied Faust in die Höhe reck* ;)
Als ich gestern um 2300 die 5 schweren Säcke voll Rasensamen in Reih und Glied aufgestellt sehe und Flo und ich nach einem kurzen Kontrollblick auf die Kiesfläche vor unserem Haus stiefeln und den Inhalt der Säcke über die graue und traurige Fläche ergiessen, habe ich das enorme Gefühl, etwas wirklich Gutes zu tun. Als uns dann auch noch ein älterer Nachbar überrascht und uns ein Super! zuruft, dann nach einer kurzen Diskussion mit einer in die Höhe gereckten Faust und breitem Grinsen bis zum Hauseingang verabschiedet, weiss ich, dass Pflanzen nicht einfach nur schön sind, sondern für unser Wohl so oft wie möglich anzusehen und um uns sein sollten. Ausserdem, dass die sogenannt "moderne" Architektur grösstenteils versagt, weil und wenn sie nicht natur- und damit menschengerecht gebaut ist.
Sowas passiert – auch in der Informatik – wenn man maschinengerecht arbeitet, oder "preisbewusst" *g*, oder zu geometrisch; anstatt menschengerecht arbeitet, mal z.B: mit einer leicht teureren Holzverkleidung (wie beim Rollerbladen entdeckt) und auch etwas Krummes so stehen lässt, damit das Auge und der Körper geschwungenen Linien, abwechslungsreichen und damit inspirierenden, denkanregenden Mustern, Formen, Farben folgen kann.
Nachahmer: Rasensamen im Migros 30qm 6 Franken, Magerwiesen etwas mehr, dafür schöner. Achtet darauf, dass die Mischung dem Boden angepasst ist. Geht raus und verschönert die Welt! :)
In drei Wochen hoffe ich, erste Fotos zu präsentieren.
*Zum Abschied Faust in die Höhe reck* ;)
Klassische Musik
Zwar staune ich bei den meisten der TED Videos, seien es witzige Songs, natürlichen Prinzipien folgende Roboter oder geniale Kartentricks, aber ab und zu ist einer darunter, der einfach nur bewegt:
http://www.ted.com/index.php/talks/benjamin_zander_on_music_and_passion.html
Ich weiss gar nicht, ob ich zuviel dazu sagen sollte, aber der Redner Benjamin Zander geht von der Prämisse aus, alle Zuhörer in Liebhaber der klassischen Musik zu verwandeln, durch Spielen eines Stücks von Chopin.
Sehr berührend, weil es doch auch viele meiner "Knöpfe drückt".
http://www.ted.com/index.php/talks/benjamin_zander_on_music_and_passion.html
Ich weiss gar nicht, ob ich zuviel dazu sagen sollte, aber der Redner Benjamin Zander geht von der Prämisse aus, alle Zuhörer in Liebhaber der klassischen Musik zu verwandeln, durch Spielen eines Stücks von Chopin.
Sehr berührend, weil es doch auch viele meiner "Knöpfe drückt".
Sonntag, 28. September 2008
Puuuh (in Kürze)
Samstag: Halbmarathon.
Sonntag: Velofahren.
Montag: Rollerbladen, Sargans bis Altstätten*.
Dienstag: Rollerbladen, Altstätten bis Arbon*.
Mittwoch: Weiterrollern bis Romanshorn, die anderen noch bis Konstanz.
Donnerstag bis ins Hier und Jetzt: Bestaunen der Mutter, was sag ich, Grossmutter aller Blasen ;) (Ich habs auch verdient)
* Beides berauschende mittelalterliche Orte, die Gastfreundschaft in der Gegend ist mittlerweile für mich als legendär – Moment – LEGENDÄR! zu bezeichnen.
So und im Stil dieses Eintrag begebe ich mich nun ins Bett: Plump-s ;)
Sonntag: Velofahren.
Montag: Rollerbladen, Sargans bis Altstätten*.
Dienstag: Rollerbladen, Altstätten bis Arbon*.
Mittwoch: Weiterrollern bis Romanshorn, die anderen noch bis Konstanz.
Donnerstag bis ins Hier und Jetzt: Bestaunen der Mutter, was sag ich, Grossmutter aller Blasen ;) (Ich habs auch verdient)
* Beides berauschende mittelalterliche Orte, die Gastfreundschaft in der Gegend ist mittlerweile für mich als legendär – Moment – LEGENDÄR! zu bezeichnen.
So und im Stil dieses Eintrag begebe ich mich nun ins Bett: Plump-s ;)
Samstag, 20. September 2008
Puh
Gestern noch halbkrank, heute nur noch 1/4 krank, freue ich mich trotzdem auf den Halbmarathon. Mann, wieso kann ich nicht so fit sein wie vor 2 Wochen im Training...?
Drückt mir die Daumen, ich auf die Tube.
Drückt mir die Daumen, ich auf die Tube.
Freitag, 12. September 2008
Momente
Manchmal geht man aus einer Erfahrung heraus mit dem Gefühl, man könnte nun sterben – im Wissen, soeben die Erfüllung eines längeren Lebens erlebt zu haben, ohne Reue aus dem Leben zu scheiden. Eine Erfahrung, die innere Zwiste bereinigt, besorgte Falten glättet, Ruhe bringt.
"Babylon A.D." ist keine solche Erfahrung ;)
"Babylon A.D." ist keine solche Erfahrung ;)
Dienstag, 9. September 2008
Hm…
Meine Haare sind wieder kurz.
Sind sie lang, höre ich, dass das gut aussieht, sind sie kurz, dass "es" seriös wirkt.
"Schöne Kurven", die Männerversion?
Hm…
Sind sie lang, höre ich, dass das gut aussieht, sind sie kurz, dass "es" seriös wirkt.
"Schöne Kurven", die Männerversion?
Hm…
Montag, 8. September 2008
Sonntag, 7. September 2008
No-Nonsense Confiserie
Hallo ihr Feinschmecker!
Mittlerweile habe ich etwa 20 bis 30 Tiramisu fabriziert und möchte nun ein Bisschen Erfahrungen niederschreiben, und woher sie kamen.
Flöres Tira mi sù
für eine Gratinform, etwa 12 Leute.
Erst mal die Einheiten:
- 6 Eigelb, 6 Eiweiss (6 Eier)
- 6 gehäufte Esslöffel Weisszucker
- 600g Mascarpone
- Ein flacher Teller mit Rand Sherry*
- Ein flacher Teller mit Rand starker Espresso
- 6 Spritzer Zitronensaft
- 6 halbe Packungen Biskuits
- Wenig Schokopulver
Einfach zu merken, oder? 6, 6, 600, 6, 6…
Wie macht man es?
- Eiweiss in eine passende Form geben, 6 Löffel Wasser zugeben.
- Schlagen. Wenn man denkt, jetzt ist gut, sicher nochmals 2 Minuten schlagen. Es muss wirklich stabil sein.
- In den Kühlschrank stellen.
- Eigelb, Zucker in eine sehr grosse Schüssel geben, mit Mixer vermengen.
- Kinder dürfen an dieser Stelle mal den Finger reinhalten.
- Mascarpone löffelweise verteilt in die Mischung geben, dann alles verquirlen.
- Zitrone reinspritzen (wirkt frischer).
- Nochmals verquirlen.
- Eiweissmischung auf die Eigelbmischung leeren (fallen lassen, eher ;) ), dann mit einem Schwingbesen** unter die Masse ziehen. Das heisst, eigentlich eher die Masse unten hervorholen und über die Eiweissmasse legen, bis es gut, aber nicht zu gut vermischt ist. Weisse Klümpchen sind super***
- Check: Ist es luftig?
- Form zur Hand nehmen.
- Löffelbiskuits eine halbe Sekunde (etwa so, dass sie sich halb aufsaugen, die andere Hälfte soll aus dem Rest des Tiramisu Flüssigkeit ziehen) in den Espresso halten, damit den Boden flächig belegen.
- Die Hälfte der luftigen Masse auf die Biskuits leeren, sanft verstreichen.
- Biskuits ganz kurz in den Sherry dippen (wirklich sehr kurz bei saugstarken Biskuits) und die Fläche belegen. Wirklich: Nur dippen, Sherry ist eher stark. Sollte es sich bei dem Anlass zum Mitbringen des Tiramisu um einen Botellòn handeln, ist ein Einlegen in Sherry empfohlen, mit folgendem Begiessen.
- Den Rest der luftigen Masse über die Biskuits leeren.
- Mit wirklich wenig Schokopulver beträufeln.
- In den Kühlschrank stellen.
- 12-24 Stunden warten. (Für mich optimal sind eher 24h)
Diverses?
- Frage: Warum dem Eiweiss Wasser zugeben? Antwort: Es wird so luftiger, siehe Molekularküche.
- Frage: Warum erst das Eiweiss schlagen? Antwort: Weil die Quirlaufstecker dann gleich für das Eigelb weiterverwendet werden können.
- Frage: Was mache ich mit den Quirlaufsteckern? Gegenfrage: Sind Kinder oder Mitbewohner anwesend? Antworten: Denen in die Hand drücken und Glück geniessen :)
- Frage: Warum erst Kaffee, dann Sherry? Antwort: Der Kaffee ist etwas sanfter für die Zunge, wenn diese von unten auf das Sù trifft. Der folgende Sherry ist dann sowas wie eine zweite Geschmacks-"explosion", wie man so schön sagt. Warum nicht gleich Geschmacksinferno? Geschmacksleviathan? Ausserdem wird so der Sherry etwas konserviert.
- Frage: Ja, aber warum nicht mischen? Antwort: Geschmacksbrei. Merke: Inhomogenität freut die Zunge. Oder frappierst Du im Restaurant Deinen Hauptgang am Tisch? Sollte man fast mal machen, am Besten im 5-Sternhotel. Und wenn jemand sich daran stösst, subtil anmerken lassen, dass man lybischer Prinz ist.
- Frage: Warum 12-24h warten? Antwort: Die Biskuits müssen erst weich werden und die Aromen etwas vom Fett des Mascarpone aufgenommen und somit verstärkt werden.
- Frage: Warum nur wenig Schokopulver? Antwort: Zunge und Gaumen trocknen aus, ausserdem ist Schokolade ein starkes Aroma, das man nicht noch in rauhen Mengen auf den Rest laden will.
Noch etwas: Wenn ihr euer Tiramisu esst, versucht bitte, jeden Bissen zu geniessen und etwas damit zu experimentieren. Was, wenn Du die Oberseite mal zuerst auf die Zunge legst? Seitwärts? Jedes einzelne Teil separat auf die Zunge legst?
Und noch etwas: Nur ganz wenig auf einen Teller nehmen, und ganz kleine Bissen nehmen. In einem Tiramisu ist genug Aroma enthalten für 1'245 Standardzungen. Ist fast etwas schade, wenn man es sich einfach hineinschaufelt.
Also, dann nichts wie an die Kellen! :)
* Idee von Johanna.
** Idee von Doni am Silvester 2007.
*** Aus "Inhomogen Kochen", von Johanna Ziegel.
Mittlerweile habe ich etwa 20 bis 30 Tiramisu fabriziert und möchte nun ein Bisschen Erfahrungen niederschreiben, und woher sie kamen.
Flöres Tira mi sù
für eine Gratinform, etwa 12 Leute.
Erst mal die Einheiten:
- 6 Eigelb, 6 Eiweiss (6 Eier)
- 6 gehäufte Esslöffel Weisszucker
- 600g Mascarpone
- Ein flacher Teller mit Rand Sherry*
- Ein flacher Teller mit Rand starker Espresso
- 6 Spritzer Zitronensaft
- 6 halbe Packungen Biskuits
- Wenig Schokopulver
Einfach zu merken, oder? 6, 6, 600, 6, 6…
Wie macht man es?
- Eiweiss in eine passende Form geben, 6 Löffel Wasser zugeben.
- Schlagen. Wenn man denkt, jetzt ist gut, sicher nochmals 2 Minuten schlagen. Es muss wirklich stabil sein.
- In den Kühlschrank stellen.
- Eigelb, Zucker in eine sehr grosse Schüssel geben, mit Mixer vermengen.
- Kinder dürfen an dieser Stelle mal den Finger reinhalten.
- Mascarpone löffelweise verteilt in die Mischung geben, dann alles verquirlen.
- Zitrone reinspritzen (wirkt frischer).
- Nochmals verquirlen.
- Eiweissmischung auf die Eigelbmischung leeren (fallen lassen, eher ;) ), dann mit einem Schwingbesen** unter die Masse ziehen. Das heisst, eigentlich eher die Masse unten hervorholen und über die Eiweissmasse legen, bis es gut, aber nicht zu gut vermischt ist. Weisse Klümpchen sind super***
- Check: Ist es luftig?
- Form zur Hand nehmen.
- Löffelbiskuits eine halbe Sekunde (etwa so, dass sie sich halb aufsaugen, die andere Hälfte soll aus dem Rest des Tiramisu Flüssigkeit ziehen) in den Espresso halten, damit den Boden flächig belegen.
- Die Hälfte der luftigen Masse auf die Biskuits leeren, sanft verstreichen.
- Biskuits ganz kurz in den Sherry dippen (wirklich sehr kurz bei saugstarken Biskuits) und die Fläche belegen. Wirklich: Nur dippen, Sherry ist eher stark. Sollte es sich bei dem Anlass zum Mitbringen des Tiramisu um einen Botellòn handeln, ist ein Einlegen in Sherry empfohlen, mit folgendem Begiessen.
- Den Rest der luftigen Masse über die Biskuits leeren.
- Mit wirklich wenig Schokopulver beträufeln.
- In den Kühlschrank stellen.
- 12-24 Stunden warten. (Für mich optimal sind eher 24h)
Diverses?
- Frage: Warum dem Eiweiss Wasser zugeben? Antwort: Es wird so luftiger, siehe Molekularküche.
- Frage: Warum erst das Eiweiss schlagen? Antwort: Weil die Quirlaufstecker dann gleich für das Eigelb weiterverwendet werden können.
- Frage: Was mache ich mit den Quirlaufsteckern? Gegenfrage: Sind Kinder oder Mitbewohner anwesend? Antworten: Denen in die Hand drücken und Glück geniessen :)
- Frage: Warum erst Kaffee, dann Sherry? Antwort: Der Kaffee ist etwas sanfter für die Zunge, wenn diese von unten auf das Sù trifft. Der folgende Sherry ist dann sowas wie eine zweite Geschmacks-"explosion", wie man so schön sagt. Warum nicht gleich Geschmacksinferno? Geschmacksleviathan? Ausserdem wird so der Sherry etwas konserviert.
- Frage: Ja, aber warum nicht mischen? Antwort: Geschmacksbrei. Merke: Inhomogenität freut die Zunge. Oder frappierst Du im Restaurant Deinen Hauptgang am Tisch? Sollte man fast mal machen, am Besten im 5-Sternhotel. Und wenn jemand sich daran stösst, subtil anmerken lassen, dass man lybischer Prinz ist.
- Frage: Warum 12-24h warten? Antwort: Die Biskuits müssen erst weich werden und die Aromen etwas vom Fett des Mascarpone aufgenommen und somit verstärkt werden.
- Frage: Warum nur wenig Schokopulver? Antwort: Zunge und Gaumen trocknen aus, ausserdem ist Schokolade ein starkes Aroma, das man nicht noch in rauhen Mengen auf den Rest laden will.
Noch etwas: Wenn ihr euer Tiramisu esst, versucht bitte, jeden Bissen zu geniessen und etwas damit zu experimentieren. Was, wenn Du die Oberseite mal zuerst auf die Zunge legst? Seitwärts? Jedes einzelne Teil separat auf die Zunge legst?
Und noch etwas: Nur ganz wenig auf einen Teller nehmen, und ganz kleine Bissen nehmen. In einem Tiramisu ist genug Aroma enthalten für 1'245 Standardzungen. Ist fast etwas schade, wenn man es sich einfach hineinschaufelt.
Also, dann nichts wie an die Kellen! :)
* Idee von Johanna.
** Idee von Doni am Silvester 2007.
*** Aus "Inhomogen Kochen", von Johanna Ziegel.
Freitag, 5. September 2008
Mittwoch, 3. September 2008
Das weite Nichts
Kennst Du das? Durch strömenden Regen bahnst Du Dir den Weg nach Hause, links und rechts finden unerkannte Gestalten vor Dir den Weg nach Hause, einen ängstlichen Blick in Deine Richtung werfend, bevor sie ins wärmende Haus verschwinden. Du denkst "Was ist passiert?" und wirfst, Antwort suchend, Deinen Blick zum schwarzen Sternenhimmel empor, wo Dich nichts anderes erwartet, als die äonenschwere Gleichgültigkeit schimmernder Sterne, welche vernichtender nicht sein könnte.
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