Mittwoch, 30. Juni 2010

Hambuuach

Der Arbeit entwische ich etwas früher – ein wildgewordener Index bei TwixTel drohte meine Abfahrt zu verzögern – doch auch diesmal schaffe ich es, eine passende, wenn auch nicht perfekte Lösung zu finden. Falls jemand ansetzt zu meckern, möchte ich doch auf das kleine Loch im Golf von Mexico hinweisen, welches eine Weltmacht vor ernste Probleme stellt.

Um 20:42 holterdipoltert mein edler Nachtzug nach Basel los; "edel" vor allem im Rückblick auf die ausrangierten spanischen U-Bahnzüge, welche nun auf der Linie Zürich - Barcelona ihren Dienst tun und Kinder unter 8 Jahren, Edelgase und besonders Liliputaner aus besonders heissen Gegenden bequem und wohlbehalten an ihr Ziel bringen.

Zwar habe ich aus preislichen Gründen mir immer noch kein 2er Abteil mit Dachfenster und Schampus geleistet, bin aber dem Träumchen immerhin einen Schrittchen nähergekommen: Das flauschige 4er Abteil erwartet mich. Nach 3 schläfrigmachenden Grüntees, einer ruhigen Fahrt und dem darauffolgenden Überfall in Basel durch eine 40-köpfige Segelgruppe der Coopzeitung falle ich in tiefen traumlosen Schlaf. Nicht ganz so schnell, leider – ich frage mich öfters, ob ich die Coopzeitung doch lieber nicht hätte abbestellen sollen, um die resultierenden Verfolgung und den psychologischen Terror zu vermeiden.

Warum ich nicht mit dem möglicherweise billigeren und schnelleren Flugzeug reise, fragt ihr mich? Die kurze Antwort: Das Flugzeug ist mir zu schnell, und zu weit oben. Nicht etwa Flugangst plagt mich, sondern der Wunsch nach einer echten Reise – eine Reise, welche es mir ermöglicht, nach einer Phase der Transition in einem neuen Land anzukommen, und dazwischen die Abstufungen wenigstens teilweise mitzunehmen.

Lernen Sie oft neue Menschen auf einem Flug kennen? Ich auch (fast) nicht. Nicht so im Zug – die Abteile und die Bar sind exzellente Möglichkeiten, neue Leute zu treffen. Auf der Rückfahrt aus Italien lerne ich einen Dachdecker und seine Frau aus Nordostamerika kennen. Und treffe sie ein Jahr später durch unglaublichen Zufall gleich nochmals. Dann einen Künstler, der an alle ABBA Konzerte ging und deren Lieder in jeweils 4 Minuten auf ein Bild zu bannen versuchte. Mit einigem Erfolg, muss ich sagen: Die Bilder sind seicht und eingängig gemalt. Oder auch diesmal, ein junger Franzose, der schnarchfrei (wenigstens er ;) ) mit mir das Abteil teilt. Das spezielle an ihm: Er reist schon so lange, dass er nicht mehr seinen echten Namen nennt, sondern sich mit "Bolo" vorstellt. "Yü know, like the Spaghetti. Evechybodee knows the Spaghetti.", teilt er mir in seinem perfekten Frenglisch mit.

Das erste Mal übrigens, dass ich nicht am ersten Reiseabend eine Frau kennenlerne. Wie Herr Marley uns schon singt, dafür auch keine Tränen.

Als erstes fallen mir die unendlich weiten Kornfelder Norddeutschlands auf, und die Weiten ohne Häuser. Ein Kulturschock für jeden Mittellandbewohner, der es sich gewohnt ist, entweder Häuser, oder auf allen freien Flächen diese Holzgerüste, welche baldige Verhäuserung ankündigen, zu erwarten.

Als zweites grüsst mich der in Deutschland allgegenwärtige "Wortwitz", zum Beispiel: "Zopf oder Kahl" (eine gelungenere Variante für einen Frisör). In Hamburg sind sie etwas derber: "Morgenlatte, 2,90€" Ich bestelle eine, und frage mich dann ob und vor allem wie die Dame hinter der Theke dies denn bewerkstelligen möge. Zu meiner Unterraschung bekomme ich dasselbe wie die Dame neben mir, welche einen Latte Macchiato (oder wie man hier sagt "La-TE Ma-KIA-to") gewünscht hat.

Ist wohl "Moinmoinlatte" der Ausdruck für Anderes?

Der Autor beim Schreiben:

http://www.flickr.com/photos/hanke/4749507963/

Stilvoll schlürft er ein Bier mit Waldmeistersirup.

Meinen vollgepackten Rucksack auf den Hüften balancierend stolpere ich durch die erwachende Stadt und finde mich in einer Bäckerei wieder. Mönströse belegte Brötchen lachen einem hier reichlich aufgetürmt an. Lasziv kräuselt der grüne Salat aus der Seite. Dahinter eine Andeutung, ja ein Hauch Frikadelle bombastischen Ausmasses. Ich kann nicht widerstehen, genausowenig dem frischgepressten Orangensaft, und setze mich neben die zahlreichen Handwerker. In der Schweiz schon mal Handwerker in Cafés gesehen? Hier quasi permanent. Irgendwie gefällts.

Nach dem Ausschlagen eines teuren (später als sehr billig eingestuften) Hotels drehe ich eine Runde durch die edleren Quartiere, einmal "um" die Alster, dann durch die Innenstadt und zum Hafen. Ich fühle mich an London erinnert: Viele billig restaurierte Häuser. Aber auch an Amsterdam: Die roten Radwege zieren jede Strasse und führen oft quer über Fusswege. An jenen Stellen fehlen definitiv Totenköpfe, werde ich doch auch hier wieder schier von einer Oma über den Haufen gefahren. Es tänzelt sich mit einem 12kg Rucksack einfach nicht so leicht auf die Seite.

Fazit zu Hamburg: "Eigentlich ja ganz ok."

Was mir auch immer wieder auffällt, ist, dass beim Reisen einfach viel mehr Dinge vorfallen, mehr Begebenheiten und Möglichkeiten sich präsentieren, wenn man offen für sie ist. Zum Beispiel fährt ein Transportwagen voller Verkehrsschilder an mir vorbei, die Hintertür offen. Ich rufe "Ihre Hintertür steht offen", in perfektem Hochdeutsch. Doch sie fahren weiter. Erst als ein Velofahrer sie in korrektem Hamburgisch anschreit ("Ihr habt eure Tür auf") verstehen sie und korrigieren ihr Missgeschickt lautvoll "Ich dacht' Du hättest die Tür geschlossen". Schade eigentlich. Es hätte mich gewundert, was die nachfolgenden Fahrzeuge mit einem Wald aus Schildern angefangen hätten ;)

Warum eigentlich passieren solche Dinge in Zürich nicht? Oder tun sie es, aber man ist nicht offen dafür? Oder sind wir tatsächlich eine so "geschmierte" Gesellschaft, alles läuft rund?

Der Rest des Tages vergeht im Lernen von Schwedisch und kulinarischen Entdeckungen: (Mehr) Frikadellen, Fish&Chips, Rollmöpse, Matjes. Und nun die Moral der Geschicht: "Rrrrülps!", excusez-moi, ich meine "Smaklig Maltid!" :)

Dienstag, 15. Juni 2010

Game Ooon VI!

Auch der letzte Game Oooooon Event war erneut ein ungebremster Erfolg!

Durch enthemmten Termin-/Freundinnen-/Fussball-/Arbeitsdruck haben wir einige treue Mitgameoner kurzzeitig verloren. Ich hoffe natürlich, dass ihr das nächste Mal wieder dabei seid und bin umso stolzer auf die Teilnehmer dieses Events:

- Jens Christian "jPad" Fischer
- Kaspar "2,5D" Schiess
- Flöre "Chobo" Hanke

Um 18:07 Uhr rasen wir aus den Startblöcken! Jens-Christian ergreift das iPad, welches ihm des enormen Elans wegen aus den Händen zu gleiten droht (Zitat: "Ich könnte jetzt einschlafen") und bringt nach wenigen Minuten seinen Tower Defense Prototyp zum Laufen. Erneut wandern rote Quadrate von links oben nach rechts unten. Nur schneller als auf dem iPhone.

Derweil erklärt Kaspar sein Ziel: "Ein taktischer, rundenbasierter Flugkampfsimulator mit 3D Modellen". Wir fragen uns natürlich alle, was er nach der Implementation des Wettersimulators inkl. Schnee und Regen und der Moralwertsbehandlung der deutschen Piloten im Falle ausgehenden Biers nach 2,5 Stunden mit der letzten halben Stunde noch anfangen soll. JC und ich salutieren und wünschen ihm viel Erfolg auf seinem ambitionierten Weg.

Ich befasse mich mit der ausserst penibel und über Stunden hinweg ausgearbeiteten Story: "Das CERN implodiert in ein Schwarzes Loch und reisst Sofas und Babys in seinen Schlund, während 3 unterschiedlich gefärbte Wissenschaftler die Welt zu retten suchen. Das Schwarze Loch gewinnt immer." Die erste halbe Stunde verwende ich darauf, das schönste Schwarze Loch auszusuchen. Es gewinnt ein richtig dunkles, fast Schwarzes.

Nach einer Stunde dämmert es JC, dass das als "magisch" angekündigte iPad nur unwesentlich schneller als Charles Cabbages Rechenmaschine mit Handkurbel ist und schliesst sich entschlossen Kaspar an. JC nimmt sich des Wettersimulators an.

Nicht ganz. Kaspar hadert noch mit obskuren 3D Modell-Dateiformaten. Was für normale Menschen (also nicht Sie, geehrter Leser) wie eine Teetasse in der Matrix aussieht, biegt sich in Kaspars Augen zu einem X-Wing Flieger aus Star Wars. Oder doch nicht? Ein Mitschnitt aus JCs und Kaspars Dialog: "Aber wenn ein Vertex [ein Punkt im Raum in der Geheimsprache der Informatiker] 3 Koordinaten braucht, warum sind dann im File ein Multiples von 4 vorhanden? Und was sollen diese Zahlen am Ende der Datei?"

Wir schliessen unsere Augen ob der nachfolgenden Sezierung der Datei und reimen uns zusammen, dass die Arbeit an einem Biermoralssimulator doch viel mehr Spass macht. Das ist übrigens auch der Grund dafür, dass sich im Apple App Store viel mehr Biersimulatoren als 3D Modelldatei-Leser finden. (Verhältnis Unendlich zu Null)

In der Mitte irgendwo ein sehr willkommenes Interludium durch Daniela, welche uns durch gelungenes und köstliches Abendessen beglückt. Danke dafür!

Neu gestärkt kämpfen wir weiter. Bei mir rauschen erste Wissenschaftler ums Loch und werden mittlerweile von den Sofas und Babies in Selbiges gedrückt. Irgendwann trifft Melitta ein, d.h: Ideen fliegen durch die Luft, welche ich glücklicherweise sofort einbauen mag.

Der Druck steigt – die letzte halbe Stunde bricht an: Das Dreamteam bestehend aus JC "Ich bin müüüüde" Fischer und Kaspar "Wo ist der Verrrtex" Schiess präsentiert uns einen korrekt glänzenden X-Wing, welcher bis in alle Ewigkeiten um seine eigene Achse rotieren könnte, würde ihn man denn lassen.
In meiner Verzweiflung ein fertiges Spiel zu präsentieren, erinnere ich mich an Shakespeare: "If all else faileth, add a canine to bring amusement to merry onlookers" Und so verdamme ich etliche Hühner (ich kann doch kein Latein) zum Tod durch überhöhte Schwerkraft.

Da wir aus logischen Gründen schon verfrüht mit dem Bierkonsum begonnen haben, bleibt uns zum Schluss nur ein herzliches Schulterklopfen und die Gewissheit, dass wir wieder mal den inneren Schweinehund besiegt haben. Ebenfalls ein grosses Danke an JC und die InVisible GmbH für die Bereitstellung der Räumlichkeiten!

Die Wertung zum Schluss:
- Der A Stern des Tages: Jens-Christian Fischer
- Bester X-Wing Pilot: Kaspar Schiess
- Realistischstes Spiel: Florian Hanke

Die Spiele zum Herunterladen:
Meins: http://github.com/floere/gosu_extensions (ruby examples/cern_horror/run.rb)
JC und Kaspar: Bald.

Die Fotos und ein Film: http://www.flickr.com/photos/hanke/sets/72157624283617386/

Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heisst: "Ich bin müüüüüüde." Nein, falsch. Richtig: "GAME OOOOOOON!" :)

Donnerstag, 8. April 2010

Game ON!

Heute führen Jens-Christian und ich den Spieleprogrammier-Event „Game ON!“ durch, an dem wir 3 Stunden Zeit haben, ein Spiel zu programmieren. Dies ist mein abschliessendes Mail an die Teilnehmer (wenn ihr etwas nicht versteht, einfach weiterlesen):

Game ON! ist nun nach 3 fulminanten Stunden vorbei.
Fotos: http://www.flickr.com/photos/hanke/sets/72157623682154969/
Video: HD, auf Vimeo

Es gab folgende Kategorien:
- Überzeugendster Einsatz des A* Pathfinding Algorithmus
- Game ON Extreme: Spiel in 1,5 Stunden
- King of the Skihill – einziges fertiggestelltes Spiel
- Maximaler Einsatz von Hühnern auf dem Bildschirm
- Beste Kopie eines bestehenden Spiels im Weltall

Die mutigen Teilnehmer:
- Jens-Christian, der grosszügige Sponsor von Ort, Speis, Trank und Jury
- Valentin, der noch durch Nacht und Nebel geröhrt ist, um dem Anlass beizuwohnen
- Severin, trotz später Vorbereitung locker einhändig codet (mit der anderen Hand Zaubertricke mit den Nüsschen durchgeführt*)
- Flöre, der sein Framework dem Spott und Hohn ;) seiner Kollegen aussetzte
- Niko, der körperlose Kopf auf dem Fenstersims, Skype Video sei dank.

Der Ablauf:
  Wild stürzt sich Jens-Christian in die Fluten der iPhone Programmierung. Nein, nicht etwa begnügt er sich mit Pong, ein über Bluetooth funktionierendes Multiplayer Tower Defense Spiel muss her. Wir staunen alle und erinnern ihn an die 3 Stunden-Regel. Als gleich nach Beginn der erste Bluetooth Handshake steht und nach einer Stunde bereits die Creeps ihren Weg um die Hindernisse finden, schielen wir betupft auf unsere Ergebnisse, die bei Selle aus zwei Skifahrern besteht, die einen Hang runterdüsen und sich gegenseitig in die Schneewächten kicken. Bei mir nicht viel besser: Ein Jeep hüpft über Steine und verschiesst Raketen. Äh ja.
  Verbissen hacken wir weiter. Valentin trifft ein: Noch 1,5 Stunden. Sein leeres Schlucken verhallt im Raum und er verkündet sein Ziel, ein Shufflepuckgame auf dem iPhone zu erzeugen. Etwas vereinfacht.
  Nach 2 Stunden steht auf meinem Plan: „Ergebnis verfeinern und polieren, eventuell bessere Sounds einpflegen.“ Noch habe ich keine Gegner und erste Verzweiflung macht sich breit. Severin derweil kichert sich ins Fäustchen ob der Kapriolen seiner Skifahrer. Jens-Christian verzeichnet erste Erfolge auf dem iPhone selbst!
  The disembodied head, Niko, trifft ein und beglückt uns mit diversen Geräuschen, welche durch seinen Computer surreal verstärkt werden. Er zollt dem leichten Zeitdruck Tribut und beginnt, ein älteres meiner Spiele, mit dem faszinierenden und in seiner Einfachheit genialen Titel „Tank vs. Spaceship“ abzuändern. Nach 20 Minuten der erste Rückschlag: „Meine Spielfigur versinkt bis zur Hüfte im unteren Rand!“ Oder doch nicht, folgt doch kurz darauf: „Hahahaha!“
  Eine erste Demorunde beeindruckt mich total, bei allen :)
  Schliesslich leiten wir die „Hilfe noch 20 Minuten“ Phase ein. Severin baut noch Punktestand ein, Valentin kniffelt an den Details, Jens-Christian ergötzt sich an einem optimierten Pfadfindealgorithmuseinsatz, ich baue noch ein paar Hühner ein, in der Hoffnung, dass damit alles besser wird. Niko’s Spielfigur schiesst sich erst in den Kopf, dann in den Fuss, schliesslich in die Weichteile. 

  Zum Schluss trudeln die Kinder von JC ein und befinden fast einstimmig: „Tree Run“, von Selle zum Sieger zu küren. Das coole Spielprinzip und die schöne Umsetzung überzeugt sie. An meinem Spiel „Mad Fred“ bleiben sie unerklärlicherweise länger kleben. Vermutlich, um herauszufinden, wo genau die Rakete hin muss und warum ein Jeep 20 Meter hoch springen kann. Valentins Spiel „Shufflepuck Single Player 3000“ bleibt in seiner Einfachheit bestechend und es gewinnt mit dicken Lorbeeren den Game ON! Extreme Preis. Für die Kinder vielleicht doch etwas zu konzeptionell, artistisch? JCs Spiel „BTMPiPTDG“ (http://screencast.com/t/YjliMzQ2) läuft quasi ausser Konkurrenz: iPhone, Bluetooth, und den A* Pfadfinderalgorithmus eingesetzt. Warum genau braucht EA Sports 3 Jahre für ein Spiel? Niko, ebenfalls ausser Konkurrenz wurde der Sieger der Herzen mit seiner Version von „Jumping Giana Sister Space Genocide“.

Mein Fazit:
  Geeks, die um Computer sitzen und Nüsschen knabbern mögen grundsätzlich nicht so sexy sein. Aber ich war – und bin – absolut beeindruckt, was man erreichen kann, wenn man wenig Zeit und ein gutes Ziel hat.
  Ich bin total stolz auf alle Teilnehmer, und ich hoffe, dass ihr noch ein wenig Zeit findet, die Spiele noch weiter- und/oder fertig zu entwickeln.

Dienstag, 26. Januar 2010

Vom Rennen und gerannt werden

Als Kind tragen mich die Füsse überall hin – Nachmittage lang durch die Wälder in und um Erlenbach gestreift, das Tobel hoch und runtergerannt, im Garten von Steinplatte zu Steinplatte hüpfen, so schnell es geht. In den dunklen Stunden die 2km lange Lerchenbergstrasse hochgerannt, am besten in der Mitte der Strasse. (Wohl des überbordenden Lichts wegen, welches im Tobel nur so spärlich vorhanden ist, die Phantasie dafür umso grenzenloser die formbaren Büsche zur Maskerade bewegt)
Mit meinen Freunden war nur die maximale Geschwindigkeit schnell genug, um an neue Orte, zum Tennisspiel, zum Basketballplatz, und natürlich zu den Häusern der angebeteten Mädels zu kommen.

Die überaus einfache Formel des rennend, velofahrend Glück lautet wie folgt:
Glück (rennend) = Wind im Haar x vorbeiziehende Natur
Kein Glück entsteht hierbei nur, wenn entweder kein Wind das Haar umspielt, oder keine Natur vorbeizieht. Glatzenträger mögen ihre eigene Formel herleiten.

Später dann bemerkt eine meiner ersten Freundinnen: "Du rennst immer überall hin!" Zwar darf das "immer" getrost für später oft wiederholte Benutzung in die Welt der Östrogene gebettet werden, aber so ganz Unrecht hatte sie nicht. Treppen kann ich gar nicht anders als hochrennen – die Rolltreppe führt die Top Ten der Weltverbrechen an, kurz vor der Atombombe und verkochten Spaghetti.

20 Jahre später finde ich mich mitten in einem Halbmarathon wieder und frage mich: Was ist passiert? Zwar, ja, durchaus entstehen Glückgefühl im Danach und dem Davor. Aber muss es so mühselig sein? Muss man sich auf den Biss in eine erfrischende Zitrone bei der nächsten Verpflegungsstelle tatsächlich sooo freuen, weil man sonst nicht viel hat?

Was also ist passiert? Ich habe wieder einmal zuviel auf Leute gehört, von denen ich annahm, sie würden es besser wissen. Die und die Schuhe werden gebraucht. So muss gerannt werden. Und die Sportmedizin belegt… Dass vor 5 Jahren Stretching wichtig gewesen sein sollte, vor 4 wieder sogar schädlich, dann vor 3 unentbehrlich, vor zweien völlig irrelevant – vor einem Jahr dann definitiv Klarheit: Stretching ist bei Kälte so wichtig, weil einem sonst alle Bänder zerreissen, will man auch nur einen Zeh leicht anheben usw.
Dabei sind die Zeichen klar: Ich kaufe mir immer die härtesten Schuhe, die ich finden kann. Ich liebe Barfusswandern. Zu Hause tripple ich ebenso herum.

Irgendwann letzten Sommer lese ich von einem mexikanischen Indianerstamm, der für sein ausdauerndes Rennen bekannt sein soll. Aus der Wüste kommend, sollen sie einmal einen brutalen 100 Meilen Lauf gewonnen haben, um danach wieder quasi spurlos zurückzugehen. Ich bin fasziniert und entdecke die Welt der Ultramarathonläufer. Lese Geschichten von hart trinkenden Surfergirls, die am nächsten Tag lachend einen 100 Meilenlauf querfeldein bestreiten, nicht ohne dazwischen an den Verpflegungsstellen mit den Zuschauern Armzudrücken, oder das Baby zu füttern. Von Männern, die in der Wüste verschwinden, um zu rennenden Geistern zu werden. Von einem Jagdstil, der die Essenz der menschlichen körperlichen Vorteile erfasst. Zeitlupenvideos grosser Läufer.

Ein weiterer Puzzlestein fügt sich langsam aber stetig nahtlos ein. Es fühlt sich viel besser an, selbst nachzuforschen. Nächte lese ich mich in die neugeborenen Stunden: Vom Fuss, von grossen Menschen, vom Mut, mal etwas Anderes zu denken, "giving a shit".

Und renne. Renne, als wäre ich wieder Kind.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Wenn ein Stein von der Niere fällt… Teil 1

Leicht übermüdet – in Erwartung des grossen Tages* wache ich schon um 5 auf, meinen Sonnenaufgangswecker um Längen schlagend – schlurfe ich zur Lessingstrasse. Zur Feier des Tages in meinem Anzug, dessen mittlerweile übergrosses Hemd und Jacke mir im kalten Herbstwind um die Ohren schlackern würden, wäre da nicht der eiskalte Regen, der dies per Fluidadhesion rücksichtsvoll verhindert. Wie toll.

Als ich an der Tramhaltestelle stehe, das feuchte Nass sich von vorn und von hinten (ein lokales Kuriosum an der Hallenbadhaltestelle) in diverse Mantelöffnungen ergiesst, klammere ich mich an die Bücherwelten des Kindle und frage mich dennoch: Ist dieser Regen ein gutes Omen für den Livegang der Suche, mein Projekt seit 1,5 Jahren? Es kann nur besser werden, erinnere ich mich, und schwebe bald zur Tür im 3. Stock hinein.

Besser? Nein. Das Telephon klingelt. Es ist die Ärztin, bei der ich mich Tags zuvor eines Generalchecks unterzogen hatte. Eine Geschichte für sich. Jedenfalls meint sie:
"Herr Hanke?".
Nein, sie sagte mit ihrem unglaublichen Akzent: "'err 'anghe?"
"Ja?"
"Herr Hanke, sie müssen sofort in die Praxis kommen!" (zur besseren Lesbarkeit übersetzt)
"Mmh, warum denn?"
"Ich kann es ihnen am Telephon nicht sagen!"
"Oh. Warum denn?"
"Es ist persönlicher Natur."
(*Jetzt* hat sie meine Neugierde!) "Oh. Können sie mir wenigstens einen Hinweis geben?"
"Gut. Ihr Nierenwert…"
"Ja?"
"Ihr Nierenwert ist… etwas… höher. Ich meine: hoch. Sie müssen möglichst schnell in die Praxis kommen, sagen wir in einer Stunde?"
"Gut, ok."
Perfektes Timing, aber gut, ich bin *sehr* neugierig. Wie ködert man eine Blondine? "Bitte wenden." Wie ködert man einen Flöre? "Ihre körperlichen Werte… *schwer in den Hörer keuchend* unglaublich, unglaublich!"
2 Stunden, eine weitere Blutabnahme und eine profus schwitzende und errötete Ärztin später steht schwarz auf weiss fest: Meine Blutwerte strahlen in wahrhaftiger Blute, ich meine Blüte; Vampire rufen an und würden pro Liter halb Transsylvanien hergeben.
Fakt: Das Blutmessgerät zeigte "leicht" erhöhte Kreatinwerte an. "Leicht" bedeutet in diesem Fall: Wo ist die nächste Spenderniere?!?

In Kürze: Das Messgerät erlaubte sich einen kleinen Scherz und erhöhte die Messwerte für Kreatin – alles ist in völliger Ordnung :)

Und so endet Teil 1, und der nächste Teil meldet sich an: Der Livegang des Projekts…

Update: Das Ärztezentrum Sihlcity hat sich netterweise erlaubt, die Kosten des Fehlers auf mich abzuwälzen. Und gibt sich auch noch entrüstet, wenn ich mich beklage. Naja, wenn kein Druck besteht, kundenfreundlich zu sein…

Update 2: Frau Landolt vom Zentrum hat die Rechnung nun gestrichen, und war überdies noch sehr freundlich. Danke :)

Montag, 19. Oktober 2009

Blast from the past

Manchmal routiniert man sich durchs Leben. Der alltäglich alltaxierende Alltag. Der so langweilig überhaupt nicht ist, sondern nötig, hat man sich eine Rumpelkiste voller Tätigkeiten zurechtgelegt. Dennoch.

Und dann melden sich plötzlich Menschen, die man lange, lange verloren geglaubt hatte und eröffnen einem jeweils einen neuen Blick auf das vergangene Selbst. Stimmen aus der Vergangenheit. Und man staunt nur. Und glaubt es kaum. Und würde vor Lob am liebsten als Rinnsal im Boden versickern, oder den nächstbesten Berg erklimmen.

Und manchmal stolpert man müde nach Hause, eine brillante Kinoperformance später, tritt durch die Tür, und da sind sie. Die Stimmen der Zukunft.

Überraschungen? Ja, gerne. Immer.

Montag, 14. September 2009

Tag für Tag stelle ich den Babys eine Schale Wasser hin, doch nie leert sie sich. Schleichen sich die Beiden Tag für Tag in den Spirituosenschrank, um sich am Carlos Primero I gütlich zu tun?

Bei einer weiteren Bauchmassage Teslas die Erkenntnis: Lautes Geschlabber von Gizmo, der seinen Kopf schon fast obszön tief ins Bambuspflanzenglas steckt, könnte ein Hinweis sein. Mein Bauch gurgelt der detektivischen Brillanz wegen ;)

Weitere spannende Erkenntnis: Tesla mag meinen Schweiss. Obwohl, "mag" verniedlicht die Tatsache, dass sie oft ihren ganzen Kopf in meiner Achsel vergräbt und erst dann nicht mehr drückt, als schon der eine Ohrenspitz schon fast wieder aus der Schulter hervorlugt. Ah, les femmes…
Und nein, ich deodoriere mich frühmorgens nicht mit einem Hering, wie es die Ostfriesen tun mögen.

Ein paar Tips für solche, die gerne mal die Nachbarskatze streicheln möchten, aber mangels Charme dies nicht bewerkstelligen konnten:
1. Klein machen.
2. Bauch zeigen.
3. Katze langsam anblinzeln (Vorsicht: Man schläft selbst dabei fast ein).
4. Bauchmassage über sich ergehen lassen, als Bezahlung streicheln.
5. Im Notfall einen Hering nehmen und…

Aaaand that's it for the Flo and the Cats Show – wir treten in Paris, Rom, New York und Schwamendingen West auf :)

Sonntag, 13. September 2009

2 Babys

Letzten Mittwoch wurden mir zwei Babys, ein Mädchen und ein Junge, geboren. Das mag jetzt für viele etwas überraschend kommen, aber glaubt mir – für mich genauso!

Und wie es so ist bei Erzählungen von Babys: Leicht banal, aber immer von Herzen kommend.

Der Junge heisst Gizmo (4,6kg), das Mädchen Tesla (3,3kg). Jeden Abend, wenn ich sie besuchen komme, vollziehen wir dasselbe Ritual. Ich öffne die Tür etwa 10 Zentimeter, drücke dann den in den Startlöchern zur grossen Entdeckungsreise bereiten Gizmo mit der Hand sanft aber bestimmt in die Wohnung zurück, zwänge mich durch den ebensobreiten Spalt und lasse dann die Tür mit einem saftigen Wumms zufallen. Erstes Aufatmen.

Dann werde ich bearbeitet: Lautestes Schnurren, insistierendes Um-die-Beine-Streichen und dieses kindliche Miauen, das Herzen zerbröseln lässt, den feinen entstehenden Staub zu einer wehrlosen Flüssigkeit zerstiebt. Ich habe auch schon einen Namen: Miiiiauaua, "Hand, die die Katzenfutterdosen öffnet, Beine, die die Hand zu ebendiesen bewegt."

Während der Raubtierfütterung bleiben mir knappe, ungestörte fünf Minuten, in denen ich die Wohnung lüfte, der Katzenflo das Katzenklo säubert und die Machete schleift, um sich in den Urwald zu stürzen. Urwald? denkt ihr euch – wo genau hütet er die Katzen? Caracas? Manaus? Nein.

Die Wohnung von Susi und Ralf beherbergt normalerweise auch 2 Biologen, mit der logisch folgenden Menge an Pflanzen (knapp 2000, gezählt ohne Schmarotzerpflanzen in den Baumwipfeln). Leicht eingeschüchtert betrete ich das volle Wohnzimmer aka Treibhaus aka Grüne Lunge der Ostschweiz. Die Spritzkanne in meiner rechten Hand schrumpft mit jedem Schritt, mit meiner linken vollziehe ich unbewusst Hackbewegungen, die Augen flitzen quer durchs Zimmer, Vogelspinnen, Pfeilgiftfrösche, Menschenfresser vom Stamm der Quaxixi!

Nach weiteren 15 Minuten zieht sich der Urwald gesättigt und getränkt ein Bisschen zurück und gibt den Blick auf ein Sofa frei, deren Knautschzone ich mich bald bemächtige. Es geht nie lange, da wird mein Gesicht von Gizmo abgeleckt – heute zum Beispiel dufte ich nach Eau de Thunfisch, während Tesla ihre Masseusenausbildung zur Perfektion bringt.

Teslas Massagekunst ist unerreicht und nur schon wegen der hervorgerufenen Lachkrämpfe ist es ein absolutes Muss, sie einmal dabei beobachtet zu haben. Erst stellt sie sich neben den Bauch des bald Beglückten, dann beginnt sie langsam, mit den Vorderbeinen zu kneten. Dies mit einem absolut seriösen Blick, mit dem sie den Massierten beobachtet. Immer links, rechts, richtig fest in den Bauch hinein. Nach etwa 2 Minuten wird es mir jeweils zu surreal und unwirklich, so dass ich lauthals zu lachen beginne, was leider der Massage Abbruch tut.

Nach einer halben Stunde bringe ich sie zu ihrem Katzenbaum, lösche das Licht und schliesse leise die Tür. Nachts wache ich einmal bisher auf: Sie haben herausgefunden, wie man die Fresspakete öffnet! Gizmo ist eine Pflanze auf den Kopf gefallen! Tesla hängt mit dem Hals im gekippten Fenster fest!

Es ist nicht einfach, Vater zu sein.

Aber ich mag es.

Freitag, 4. September 2009

Im Sturm restorm stürmen

Heute war ich wieder mal bei restorm eingeladen. Auch wenn nicht immer alles perfekt war während meiner Zeit da, so treten nun die schönen Erinnerungen in den Vordergrund und etwas wehmütig stehe ich vor dem grossen Ikeatisch, an dem wir so viele schweissdurchzogene, nervblanke, ulkige, blödelnde, codende, youtubene Stunden verbracht hatten, Franco, Kaspar, Nik, Niko, Severin, Walid und ich.

Doch statt aluminien Laptops wird der Tisch mit diversen Grillbeilagen geschmückt und … ok, ich schreibe zuviel vom Essen *g*

Überhaupt haben wir uns damals alles im Ikea zusammengekauft. Für einiges Gegrinse sorgte damals mein leuchtroter Pilzsitz, den ich speziell für meinen Rücken kaufen wollte, der dann aber bald klammheimlich in einer Ecke verschwand, gefolgt von den verebbenden Sticheleien der anderen.

Nach einem witzigen Gespräch mit Marianne – Zürich ist einfach zu klein – unterhalte ich mich mit Selle und meinem Velokonkurrenten des Sonntags, Franco, und bald tritt der erste Act des Abends auf: Stella Cruz, eine kleingewachsene Philippinoschweizerin, welche mit Gitarre und ihrer atemberaubenden Stimme die Zuhörer bezaubert. Mich besonders mit der Bemerkung, dass sie ihren Zugabesong für eine durstende Zimmerpflanze geschrieben hätte. Die schweizerdeutsch gesungene Ode an ihren Wecker "5 Minuten", der voller Hassliebe den holprigen Tagesanfang beschreibt, ist ebenfalls fesselnd. (restorm, MySpace) Am 3. Oktober im Mehrspur am Bellevue.

Solche Erlebnisse erinnern mich immer: Es gibt wenig Tolleres, als im kleinen Kreis aus Freunden jemandem mit Gitarre und voller Stimme zuzuhören.

Nein. Es gibt etwas Tolleres. Nämlich wenn man mitten in einem Lied herausfindet, dass der Stuhl, auf dem die Sängerin sitzt, kein Geringerer als eben dieser rote Ikea Pilzsitz ist :)


P.S: Danach folgt der mit Hippie Kacke bekannt werdende Ian Constable, mit seiner Zürischnurä. Aber da bin ich schon wieder zu Hause.

Donnerstag, 3. September 2009

Professionelle Vorbereitungen

Das Beste an Wettkämpfen ist das Essen.

Und ich rede hier weder von den Sportlergummibärchen, noch den Gelbeuteln, die jede Mundhöhle wie eine fleischfressende Pflanze (leuchtgelb, glibbrig, Fliegen bleiben kleben) aussehen lassen, sondern von den drei Tagen davor, in denen Völlerei nicht nur erlaubt, sondern erwünscht ist.

Das Ziel: Am Tag des Wettkampfs vor Energie und Kraft strotzend im Kreis zu rennen/fahren/schwimmen/Schachfiguren stemmen. Der Theorien gibt es viele. Bis eine Woche zuvor stopft man sich mit Eiweissen voll, ab dann nur noch Kohlenhydrate. Andere predigen die Einnahme von brauner Reispasta. Nach langer Forschungszeit und akribischer Beobachtung meines eigenen Körpers entwickle ich meine eigene Theorie: "SLL", was kurz "Spaziergang durch den Lebensmittelladen" bedeutet.

Es ist immer ein erhebender Moment, wenn sich hinter einem die Schiebetüren mit einem knappen "fsst" (oder wars ein "sll"?) schliessen, man die Finger durchstreckt und sodann die Regale durchforstet. Das Vorgehen ähnelt dabei dem einer Schwangeren*, welche schweissüberströmt um 3 Uhr morgens den Kühlschrank nach Rosenkohl durchsucht, vergebens, und sich wenige Minuten später wiederfindet, die Zähne gemächlich an den Zehen des Ge-mahl-s raspelnd.

Das Kriegsgeheul des Erfolgs nur unter Mühen unterdrückend (dafür wohl umso blöder grinsend), schwebe ich aus dem Laden, der Küche zu. Als erstes tupfe ich einen Hauch von Wasabi auf die richtig dicken Straussenfilets und bedecke selbige mit richtig viel grobkörnigem Salz. Wohl als Erinnerung an brasilianische Churrasco-Eskapaden <- ein Pleonasmus, ich weiss. Dann bereite ich eine recht normale Tomatensauce mit viel Speck, Zwiebeln und frischen Tomaten zu, in welcher später die Bucatini n°9 noch ausreifend baden werden. Die Sauce wird noch mit etwas begleitet mit Hüttenkäse, um sie etwas geschmeidiger zu machen. Während die Sauce vor sich hinmeditiert, bildet sich auf den Straussenfilets ein leichter Blutfilm und ich brate sie kurz, dafür umso heftiger an, lasse sie noch etwas brutzeln, da durch ihre Dicke die Feuchtigkeit schön innen erhalten bleibt. Ein Basilikumknöspchen obenauf, die Messer gewetzt…

Erzähler: "Und hier wenden wir unseren Blick ab vom Schauspiel, das sich uns böte, sind doch auch Minderjährige unter den Lesern dieser Blogs. Der Kreis des Lebens schliesst sich, nach den Löwen und Hyänen kümmern sich Geier und Fliegen um das Gerippe, welches vor Kurzem noch ein lebendiges Tier war."


Das Beste an Wettkämpfen ist das Essen.

Korrektur:
Das Beste an Wettkämpfen ist, darüber nachzudenken, was man denn morgen Essen könnte…





*Oft schreibt man hier "schwangere Frau", als gäbe es schwangere Männer. Aber wer weiss? Vielleicht tanzen diese mit jungen Greisinnen und schwarzen Schimmeln auf Planet Ple-non-asmus 4.

Donnerstag, 27. August 2009

Dreiwettkampf

(athlos, griech. Wettkampf)

Bisher hatte ich mich auf die meisten Wettkämpfe nur sehr sporadisch vorbereitet – im Glauben, der Wille allein könnte diesen Körper über staubige Hügel tragen. Wie die Feder das Schwert bezwingt, so könne der Löwe im Herzen (oder wenigstens Frosties-Tiger im Magen) die behäbigen Massen zu Wundertaten aufrühren und mitreissen. Zwar führte dies ab und zu zu gar beachtlichen Überraschungserfolgen, aber es blieb meist der schale Nachgeschmack einer zu billig errungenen Belohnung, jedoch meist ein faires Abbild der hineingesteckten Mühen.

Vor noch einigen Monaten schallte der Ausdruck "Triathlon" für mich noch mehr nach "Ertrinken, Strampeln, Kriechen, Tod." als nach "Gleiten, Fliegen, Hüpfen, Glückseligkeit."

Dies sollte sich ändern! Mit einer nur ganz minimal ausgeprägten Neigung in Richtung Velofahren (HAHA) trainiere ich ausserdem täglich noch Schwimmen oder Joggen. Nicht selten verbinde ich z.B. Joggen mit nützlichen Botengängen. Nächtlich spazierenden Schwamedingern werden noch jahrelang zwei durch die Büsche schwebende TexAid Säcke in grausiger Erinnerung bleiben. Wenigstens kommt kurz das Gefühl auf, Rocky-gleich mit zwei schweren Schweinehälften die Treppen hochzustieren, in den Ohren schallt "Das Ei des Tigers".

Mit professioneller Hilfe von Jo bereite ich mich auf den im Morgen bevorstehenden Wettkampf vor: Kohlenhydrate türmen sich vor uns auf und noch während ich das tomatene Wirrwarr der spaghettenen Würmer als in der 10-stündigen Zeitspanne als unverdaubar erkläre, spüre ich schon den erwartungsvollen Blick von Jo in der Seite, der mich sanft aber bestimmt zur Pfanne führt, eines Nachschlags wegen. Die Sauce ist sehr verführerisch und so kommt es, dass ich mich bald schweren Magens im Bett wiederfinde. Zwei Stunden später wache ich auf, in der Gewissheit, mein Nachbar hätte mich ans Kunsthaus verkauft: "Ball, Extremitäten, Filzzunge, Beuys 1977"

Es ist ein prächtiger Morgen, die Sonne lacht uns an und es kommt tatsächlich Wettkampfstimmung auf :) Bald finde ich die Nummer 1307 (meine) und bereite mich hastig vor, indem ich die jeweiligen Utensilien höchst durchdacht und clever auf dem Velo und dem Boden verteilen. Ein Feng Shui Spezialist hätte seine helle Freude daran gehabt. Der Drache kommt vom Berg zum See, sag ich da mal. Dass sich der Drache nachher im Vorbeiweg an mir verheddert und wertvolle Sekunden stibitzt… ;)

5 Minuten vor dem Wasserstart finde ich Andi und mit seiner "ruhigen" Art "beruhigt" er mich (um es zu visualisieren: Vom Tisch aufstehen und wild mit den Armen flattern, wenn möglich Gackern ;) ). Zu den kleinen schönen Gesten des Rennens gesellt sich dieser: Jo bietet mir einen Schluck Wasser vor dem Start an, was mich ungemein motiviert :)
Plötzlich geht es los – hunderte Arme peitschen auf das Wasser ein, leider werde ich gleich zu Beginn von einer Ferse ins Auge getroffen, später noch auf die Nase, was etwas demotiviert, sich im Crawlen zu üben. Ich mache es trotzdem und kriege nach einigen Dutzend Metern gleich nochmals mehrere Schlucke Wasser offeriert, diesmal vom grünen Greifensee. Reich an Chlorophyll und Schwebeteilchen, denke ich mir kurz, notiere mir aber mental, selbigen das nächste Mal nicht mehr durch Ohr und Nase einzunehmen. Das Schwimmen vergeht wie ein Traum, energetisch erklimme ich die Stufe per Knie, werde motivierend von Jo bewinkt und düse sogleich zum Wechselplatz, wo der vorherig erwähnte Drache auf mich wartet und sich zwischen Kleidung, Schuhen und dem Velo selbst zum See zwängt.

Ich kann es kaum erwarten zu Velofahren! Meine Standardstrecke, diesmal mit Triathlonlenker! Ich hüpfe zum Start mit einem breiten Grinsen und steige fahrtoll zu früh auf, was aber nicht mit einer der gefürchteten schwarzen Karten quittiert wird. Endlich! Mein Ziel ist es, in unter einer halben Stunde um den See zu fahren, damit 40km/h zu fahren. Gleich als erstes fällt mir auf, dass ich den Bordcomputer falsch konfiguriert habe – wild drücke ich auf den gummigen Tasten herum. Uhrzeit? Nein. Kalorien? Neeein. Durchschnittsgeschwindigkeit? Oh ja.

Ich gebe Gas – gleich zu Beginn überhole ich einen wie wild strampelnden Mountain Biker und einen (beeindruckend schnellen) City Biker. 100 Punkte für jeden. Nach einem Kilometer merke ich aber wie meine Beine nicht wirklich drücken mögen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit dümpelt bei 30 herum. Fatal! Übliche Autorituale "Choke?", "Handbremse an?", "Normal getankt?" versagen. Mürrisch kaue ich auf einem "Ride Shot" herum, ein überteuertes Gummibärchen für Breitensportler mit laut Werbung quasimystischen Kräften. Im nächsten Leben falle ich einfach als Kind in den Zaubertrank, problem solved.

Als ich beim schlechten Ei ("Bad Egg") um die Kurve biege erblicke ich die erste Steigung nach Maur und etliche Radfahrer, die sich die Steigung hochmühen. Ein unerklärlicher Jagdinstinkt bricht jäh durch und ich fliege plötzlich die Steigung hoch, mit 42km/h, alle überholend. Das heisst, fast alle. Ein bereits zuvor gehörtes, verdächtiges Geräusch will nicht von meiner Seite weichen: *Ka-Ding* *Ka-Ding*. Ich drehe meinen Kopf und da ist er: Fredy. Ein kurzer Flashback zu jener wilden Bladegottheit lässt mich aufschrecken. Augenblicklich verspüre ich Antipathie. Fredy. Ich nenne ihn nur so. Aber er heisst gewiss irgendwie so; älter, eine fast kopfumspannende Glatze, sehniges Gesicht, drahtigen Körper.
*Ka-Ding* *Ka-Ding*
Und er lässt sich nicht abschütteln. Ich schalte einen Gang runter, erhöhe die Drehzahl auf 120, der Motor heult auf: "jaul, jaul", 45km/h, wir fetzen durch Maur, diesen komischen Bauernhof mit diesem … Dings, irgendwas, Fällanden, dort die Strasse runter.
*Ka-Ding* *Ka-Ding*, nun dringlicher, schneller, verstummend: 54km/h.
Beim Anstieg an der nordwestlichen Ecke des Sees bläst mir ein brutaler Wind entgegen, ich werde langsamer. Unangenehm langsam, hinter mir beginnt wieder dieses unerträgliche Geräusch. Ölt der Mann je sein Velo??? Vor mir eine Gruppe, unüberholbar breit. Da rast plötzlich Fredy an mir vorbei winkt mir verächtlich mit einem Finger zu und meint "He, Gas gäääh."

FREEEDYYYY! Fast unmittelbar schiesst mir das Blut ins Gesicht, die Augen treten hervor, der Atem wird schwerer, tiefer, grollend, der Mund: schäumt. Wir schiessen plötzlich an der Traube aus Metall, Fleisch und Rädern vorbei (Hallo Andi). Fredy vor mir im Ziel? Niemals, so wahr ich Florian "Oberschenkel" Hanke heisse! Glühenden Beins strample ich an ihm vorbei, und pralle in der Wechselzone wieder mit dem Drachen zusammen, der sich nach seinem kurzen Bad im See gemütlich wieder zum Berg aufmacht, das mir fehlende Badetuch (Geklaut? Nein, vergessen.) lässig um die Lenden geschwungen.

Ich jogge los, in froher Erinnerung mein mitternächtens errungener 4:15 Schnitt. Sehr ferner froher Erinnerung. Der Drache wirft mir noch ein ominöses "Konfuzius sagt: «Wer locker flockig hüpfen mag, der besser seinem Rad entsag»" hintennach, dessen Bedeutung mir bereits nach wenigen hundert Metern klar wird. Die Essenz der letzten Sportart: Ich bin unheimlich motiviert, Joggen zu gehen! :) Überhaupt, Schwimmen ebenfalls.

Nach mehr oder weniger kurzen 5km lächle ich mich ins Ziel und werde von Jo, Sarah und Andi empfangen! :D

Jetzt ist Jo dran – sie macht den für mich in dem Moment unglaublich hart erscheinenden echten Triathlon. Bereits nach einer Viertelstunde sind die Schwimmerinnen nur noch (für erst jetzt dazugestossene) als Entchen in der Ferne erkennbar.
Nach nur ein wenig mehr als einer halben Stunde fliegt sie auch schon weiter aufs Rad. Sarah und ich versuchen ein Foto zu erhaschen, stolpern durch die Massen und drängeln uns an den Fahrbahnrand. Uns fast ein Bisschen neidisch zurücklassend entflieht sie uns über die durch Oetwil, Chrüzlen, Egg, Zumikon, Ebmatingen, Maur, Fällanden führende, geniale Velostrecke.
Die Laufstrecke legt sie dann als nur 14. zurück…

Im nächsten Abschnitt könnte ich euch nun in Echtzeit eine halbe Stunde lang über eine gewisse Massage erzählen, welche magischer Finger ausgestattet jegliche Knoten in meinen Beinen findet, die grösste Pizzeria der Welt, einer Welt, in der man allen Du sagt und einem Joghurtglacé, welches ich in meinen kühnsten Träumen nie erreichen werde. Und natürlich Apfelwein. Immer wieder Apfelwein.

Triathlon, ich werde da sein.

Montag, 24. August 2009

Nach vorn

Nirgendwo denkt es sich so gut wie in Bewegung. Nirgendwo wird der Hunger so stark geweckt. Durch nichts wächst die Sehnsucht mehr als durch die Bewegung selbst.

Das kann im Zug beginnen – den Blick nach vorn gerichtet, den Schreibblock auf den Knien, die Bäume wie an den Drähten aufgehängt, am Fenster vorbeigeführt.

Das geht weiter übers Rad, die Jagd über den Asphalt, sich von Velofahrer zu Velofahrer hangelnd, Hügel erklimmend, strahlende Sonnenuntergänge verschwinden sehend, zu Tal brausend.

Es endet in fernen Ländern, fremden Düften, andersartigen Kulturen, und reisegeschwängerten Konversationen, die sich doch immer im Kern um eins drehen: Den Menschen und die immerwährende Sehnsucht; nach vorn, nach vorn.

Nein. Es endet nie.

Die Findung des Rads

Soeben bin ich von einem richtig schönen Abend – die Ergon (die Firma, in der ich 2 Jahre war, bis vor etwa 2 Jahren) feiert ihr 25-jähriges Jubiläum – zurückgekommen. Alte Geschichten werden aufgewärmt, von fernen Reisen erfahren, geborene Babys gezählt, Geektum zelebriert. Nebenbei erfahren 4 Würste ein würdiges Schlundbegräbnis… Schön wars, danke!

(Ausserdem nehme ich der Leute Lob angesichts meiner gestrigen Veloleistung dankend an – ich wurde bereits in den Expertenstand erhoben. Auch wenn man sich insgeheim etwas unwürdig fühlt, staunenden Menschen Rat aus einem gar kleinen Topf auszuteilen, so ist es doch unglaublich motivierend, die offenbar gesehene Grösse bald auch tatsächlich auszufüllen)

Der bewegende, aber relativ unbewegte Abend liess mir die Beine zappeln. So stark, dass ich die Strecke Waldgarten-Greifenseestrasse im schnellen Joggingschritt hinter mich bringen musste. Ich muss zugeben, am liebsten wär ich auch gleich noch Velo fahren gegangen, aber das Nachtsichtgerät aus der Ukraine lässt immer noch auf sich warten, und dies, obwohl es aus totaal sicheren militärischen Quellen stammt ;) Nein, nicht wirklich.

Am 6. September werde ich genügend Zeit haben mich auszutoben, wenn ich mich um 8 Uhr morgens an der Züri Metzgete auf eine Reise in die Weiten von Westzürich aufmache. (Und – so die Hoffnung – auch wieder zurück ;))

Bis dahin verstreicht nicht mehr viel Zeit, daher habe ich mir einen überaus ausgeklügelten Trainingsplan bereitgelegt, der in der üblichen Velomessweise ca. 46mg Erythropoetin (Epo) entspricht:
25. - Rad easy (Regen bläh) Dafür 40 Minuten Beintraining mit Schwimmen.
27. - Rad hart (Regen) Dafür am Tag zuvor Rad und am Tag danach Schwimmen.
29. - Rad easy (Pause, Kohlenhydrate tanken – in Form eines Tiramisu)
30. - Rad hart (Metzgete) (Danke Julian fürs Begleiten)
31. - Rad easy
02. - Rad hart
04. - Rad easy, Spaghetti
05. - Spaghetti
06. - Metzgete (Done ;))
Dazwischen immer ein Ruhetag, die easy Strecken sind 50-60km, die harten etwa 90. Die Spaghettitrainings werden anhand der Vorgabe meiner Lieblingsmästerin Jo durchgeführt: Essen bis man nicht mehr kann plus ein Teller :)

Wenn jemand gerne mitfahren möchte, nur melden. In den Ruhetagen bin ich auch immer – immer – für lockere Velotürchen zu haben :)

Donnerstag, 6. August 2009

Tage der Erinnerung

Ja, wir sind 360km in 2,5 Tagen gefahren – jeder Höhenmeter fletschenden Zahns errungen, den Gegenwind zusammengekniffener Augen ertragen, die vollendete Erholung in gargantesken Apfelstrudeln gefunden und behalten, die Reifen auf rauhem Gelände glühend geschliffen, Blätter hinter uns aufwirbeln lassen, Kind und Hund Freude des Tages geschenkt, Cordon Bleus bestaunt, die selbst Rocky Balboa hätten wanken lassen, die Geschmacksknospen des Isostars überdrüssig werden lassen, den Namen der Wieskirche knapp aber heftig debattiert, die Hügel, Berge!, eine Familienpackung Sitzcreme an latent gedrückten Orten verteilt und bald per Bachblüte einbalsamiert, Yogalektionen gebend und nehmend, Beine dem Himmel entgegen gereckt, den Schweiss mit lässiger Zungenbewegung der Lippe entrissen, Karten rauh atmend bestaunt, motivationsraubendste Steigungen erklommen, Jägerplätzchen-Uboote im Pilzmeer aufgespürt, mit wilden ungebändigtem Ehrgeiz einer fehlleitenden Strasse nachgehetzt, glücklichen Bäckerstöchter noch den Tag versüsst – und umgekehrt, auf den weisen Rat Eingeborener gehört, eine beeindruckende hundertjährige Grossmutter lachen lassen, in die Bayrische Küche eingetaucht, um triumphal mit weissen Würsten auf den Schultern heimzukehren, Karten drehend, studierend, geniessend, süchtig werdend, die Haare lässig im Wind tragend, die rücktrittfreien Räder geniessend, trügerischen Karten blind in Hügel und Wald folgend, den gott-ver-damm-ten Sulzberg verfluchend, österreichische Sprachunikate entdeckend das "siedeln" feiern, das Video des Tages in Silizium bannend, magische kartenfreie Portale in andere Welten bestaunend, den Hirschen um dessen Spaghettivorrat bringend, den Argwohn der Urbewohner gegenüber Bischofszell bestaunend, heimatliche Strassennamen entdeckend, … das Ziel, die Nähe Münchens bluthunden riechen, aufsaugend entgegenrasen, glühender Dreifachwaden wild über Gehwege fliegen, koste was es wolle ankommend. Viel zu früh, viel zu früh.

Und dies, liebe Leser, ist nur der Bruchteil der Liste, welche sich über diese zweieinhalb Tage erstellen liesse. Nur zu oft versinken wir in der trügerisch wohligen Routine und vergessen, dass da noch eine Welt existiert, welche nur darauf wartet, dass wir sie leuchtenden Auges besuchen und in uns aufnehmen, niemals loslassend, für immer in uns tragend, bereit, erneut hervorgenommen zu werden…

Wann ergreifst Du Deine nächsten zweieinhalb Tage? Warum erst dann?

Mittwoch, 29. Juli 2009

305'000 Meter

Wie schon oft bestätigt es sich auch diesmal: Ob 55 Kilometer Nachtwandern, 5986 Meter Höhenklettern, 34'000 Meilen Traumsegeln. Verrückte Unternehmungen werden stets von gutem Wetter begleitet.

So auch diesmal. Mit Johanna – meiner Profiwindschattinatorin – werde ich der aufgehenden Sonne entgegenlechzen, unserer Räder Abdruck gleich tausendfach auf den immer dünner gesähteren Strassen hinterlassend. Kein Fossil schmückt unseren Treibstoff, einzig und allein edelster Espresso, feinstgemahlene Weisswürste und bayrischstes Weizenbier lassen unsere Schenkel das Pedal zirka 150'000 Mal eine Revolution anzetteln, um schliesslich Sonnabend mit einem letzten Zittern zu verstummen, ihre Aufrührer in einem Biergarten verschwindend. So die Hoffnung!

Während der Reise bin ich unter folgender Nummer erreichbar:    .

So und nun wünsche ich euch allen eine gute Nacht, in der ihr von den Mond umrundenden sternenbegleiteten Velos träumt!

Donnerstag, 25. Juni 2009

Worterfinder

Irgendwo in der erleuchteten Düsternis des siebzehnten Jahrhunderts findet man einige amüsante Zeugnisse einer kleinen Schar Worterfinder, die sich gegen die Verfranzösisierung und Lateinisierung der deutschen Sprache (wie Otto Waalkes schön bemerkte: "Di Sprache muss sauba bleihm") wehren.

Für mich stechen besonders die Fehlversuche von Philipp von Zesen (1619-1689) hervor. Einige Beispiele folgen. Damit es etwas spannender wird, kommen erst die Versuche, unten dann mit Übersetzung, also nicht zu früh nach unten schielen. Viel Glück beim Raten :)

Dörrleiche
Jungfernzwinger
Krautbeschreiber
Meuchelpuffer
Spitzgebäude
Spottnachbildung
Windfang















Dörrleiche: Mumie
Jungfernzwinger: Kloster
Krautbeschreiber: Botaniker
Meuchelpuffer: Pistole
Spitzgebäude: Pyramide
Spottnachbildung: Parodie
Windfang: Mantel


Wobei mir die gleichgültigen Worte trotz allen Amusements lieber sind. "Gleichgültig" ein Vorschlag eines Zeitgenossen Philipps für … na? "Synonym".

Und mit diesen Worten schliesse ich die Tageslichter (gegen Kerbtiere und Landschnupfen), winke dem Weiberhof zu, drehe die Blitzfeuererregung ab und ziehe meinen Gesichtserker aus dem Geistesanbauteil, schreite an meinen Schaumünzen vorbei und wende meinen Urgeist dem Entensack zu, die Felltrommel versinkend träume ich von Wüstenoasen und Streifhorden. Noch ein Süsschen davor? Nein, denn meine Beissreihen sind geschmirgelt und glanziert.

Gute Nacht allerseits. Oder sollte ich sagen: "Wohl horizontal im Gefiedertal, Wortverschlinger"?

Donnerstag, 18. Juni 2009

Here's to the crazy ones.

Einfach einer meiner Lieblingstexte, von Apple.

«Here's to the crazy ones.
The misfits.
The rebels.
The troublemakers.
The round pegs in the square holes.
The ones who see things differently.
They're not fond of rules.
And they have no respect for the status quo.
You can praise them, disagree with them, quote them, disbelieve them, glorify or vilify them.
About the only thing you can't do is ignore them.
Because they change things.
They invent.
They imagine.
They heal.
They explore.
They create.
They inspire.
They push the human race forward.
Maybe they have to be crazy.
How else can you stare at an empty canvas and see a work of art?
Or sit in silence and hear a song that's never been written?
Or gaze at a red planet and see a laboratory on wheels?
We make tools for these kinds of people.
While some see them as the crazy ones, we see genius.
Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.»

Montag, 15. Juni 2009

Die Geschichte vom fröhlichen Hund und dem mürrischen Kater

Manchmal mag ich mir etwas ausserirdisch vorkommen, hier im schönen Oerlikon. Aber ich denke, das geht allen anderen genau gleich, denn Oerlikon ist ein Inselstaat – ein Staat aus menschlichen Inseln. Die einen, älteren, gehörbedingt fluglärmgeprüft, die anderen sprachbedingt insuliert (Wortspiel!). Aber menscheln? Das tut es, dass sich die Kokospalmen biegen und an menschenumspülten Stränden Schaumkronen auf Sand für die Ewigkeit eintrocknen. Hier spricht Kapitän Hanke, Befahrer, Beobachter und Umschiffer der Inselwelten.

Wo sonst wird einem auf einem abendlichen Rundgang gleich zweimal die Welt erklärt und wo bekommt man zweimal vigoros die Hand geschüttelt, in alkoholbedingten Entermanövern? Pokergeheimnisse werden enthüllt, Beziehungsdetails ausgebreitet, der Südanflug glühend innerlich debattiert, äusserlich gelallt?

Wo sonst breitet sich im Bus folgende Szene aus, herzzerrend: Ein etwas rotunder Mann erstreckt sich über 1,5 Sitze im Bus, gleich links von mir, der ich im Gang stehe. Von hinten nähert sich eine merkwürdig schielende Frau, der weisse Stock verrät Blindheit. Der Mann, auf den ersten Blick scheint er Türke, rotes Hemd, ein breiter Schnauz, den Mund bedachend. Er entdeckt die Frau aus dem Augenwinkel, erkennt ihre Suche nach einem Platz – der einzige zur Hälfte von ihm eingenommen, und bietet ihr sogleich an, die Luft etwas einzuziehen, um wertvolle Sitzfläche preiszugeben.
Unglücklicherweise tut er dies mit einem auf dieselbe gerichteten Zeigfinger. Sie reagiert – erwarteterweise – gar nicht. Er zuckt die Schulter, und zeigt insistierend auf den Platz, diesmal mit der anderen Hand. Sie reagiert gar nicht. Der Mann aber scheint der Sprache nicht mächtig, oder schämt sich gar, diese nur in Brocken zu benutzen, und unterstreicht nun sein nobles Vorhaben gleich mit beiden Handflächen.
Plötzlich meldet sich die junge Frau gleich vor mir – verteidigende Anmerkung: der Ort blosser Zufall – und meint, ihm ein "Si münd mit ihre rede." über die Schulter zuwerfend, wohlwollend, ihm geholfen zu haben. Nichts dergleichen, er versteht sie nicht, die Blinde Frau versteht ihn nicht.
Eigentlich DER Moment für einen jungen, sprachgewandten Mann – zufällig ist einer anwesend ;) – und er ergreift ihn, voller Vorfreude! Oh, ich hoffe, es ist ein Portugiese, oder vielleicht, ja vielleicht ist es ja ein Schwede, an dem ich meine 3 Brocken Schwedisch ausprobieren mag. Wir erinnern uns, dass bei seinem Aussehen der Ursprungsort Schweden etwa so fest in Frage kommt wie blonde Ghanaerinnen, aber auch hier, wie in der Liebe gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt und wenn sie stirbt, rafft sie sich abermals hoch und schleift sich per Zahnfleisch durch die glühendste Wüste, die man sich vorstellen kann, nur um der durchwegs eingebildeten Oase einen Meter näher gekommen zu sein.
So auch hier: "What language do you speak?" – Wir versuchen es mit Englisch, der selbsternannten universalen Sprache. Der Schnauz des Mannes verschränkt quasi abweisend die Arme. Schliesslich Portugiesisch, dann Französisch. Der Mann staunt mich nur an und zuckt mit der Schulter, fast entschuldigend. Sein Schnauz neigt sich leicht provokativ, was ich augenbrauenhebend zur Kenntnis nehme. In kürzester Zeit komme ich bei der Gebärdensprache an: Wie signalisiere ich Blindheit? Einer der drei Affen muss hinhalten. Die Hände bedecken die Augen. Als ich den Ringfinger leicht hebe, zwischen den Fingern durchlinse und eine Ecke des Schnauzes sehe, dessen Spitze verzweifelt und etwas enttäuscht sich der Erde zuneigt, einer Weide gleich, gebe ich auf. Das kleine Schauspiel endet abrupt für mich, als die Haltestelle Hallenbad ausgerufen wird und ich dem Bus entsteige. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass der Schnauz am Ende zum Schluss gekommen ist, ich wäre durch und durch geistesgestört.
Wenn ich den guten Mann das nächste Mal sehe, werde ich ihn zu einem Deutschkurs animieren. Die Frage ist nur: In welcher Sprache?

Was den Titel angeht: Ich habe gestern, an einem einzigen Tag, wohl den fröhlichsten Hund und den mürrischsten Kater meines Lebens gesehen. Ich denke, nicht viele Menschen können dies von sich behaupten.

Montag, 20. April 2009

Aus dem Leben von Bike Velonidas

Voller Vorfreude stürze ich nach Hause, schraube ein, zwei losegerüttelte Schrauben an meinem heissgeliebten Rad etwas fester, und trage es einmal mehr die lange Treppe von meiner Dachwohnung zur Strasse hinaus, vorsichtig bedacht, mit meinen Schuhen bei der offenbar nervenbelasteten Nachbarin (Beispielbegrüssung 1: "Achhallosiesindderdersolautdietreppeherunterkommt!" – "Mir geht es auch gut, danke." ;) ) im EG so leise wie möglich vorbeizutrippeln. Schon einmal mit Veloschuhen getrippelt? Ich erwartete schon Japaner, die, die Hände in die Luft gereckt, schreiend davonrennen, ein "Goooo-ZILLAAAA" auf den zitternd bebenden Lippen.

Ein erster Glücksmoment überkommt mich, als ich das Strassenlabyrinth Schwamendingens, Dübendorfs lebend hinter mir lasse, ebenso den als Fällandadreieck verschriener Kreisel, der trotz seines Übernamens so rund ist, dass sich wohl des öfteren Geometrielehrer dort einfinden, um die Kreisatur des Dreiecks unter Tränen zu preisen.

Kurz nach dem Erreichen meiner Höchstgeschwindigkeit (die Waden glühen, die Lefzen schaumen), erreicht etwas, was "weisse, brünftige Gottesanbeterin" genannt werden könnte, meinen Augwinkel. Extremitäten wedeln elegant durch die Luft. Ich überquere die Strasse, um in den hügeligen Teil um den Greifensee einzubiegen und beschleunige noch ein Bisschen. Nach einer Minute bemerke ich das weisse Ding, welches sich mir nichts dir nichts an meinen Sattel geklebt hat, und gucke es mir genauer an: Ein Skater! Drahtiges, sehniges Gleiten.

Ich gebe Gas. Er auch. Noch immer dieses nervenaufreibende Wedeln der weissen Arme. Ich gebe mehr Gas. Die Arme. Kübler-Ross in 2 Minuten: "Denial: Das kann nicht sein. Doch. Anger: Warum ich? Zufall. Bargaining: Strampel, Gott aller Radfahrer, straffe meine Waden! Immer noch da. Depression: Pfffrt. Akzeptanz: Hm, eigentlich nicht schlecht." Irgendwie beginnt es mir zu gefallen! Zwar gleitet schon fast die Lungenspitze über die schon längst auf dem Lenker zu liegen gekommene Zunge (leicht geschwärzt, lieber Raucher), aber dieses Brennen erinnert mich daran, was es bedeutet, aus dem Vollen zu schöpfen. Ich atme tief ein. Da sind sie immer noch, diese wedelnden weissen Arme. Ich konzentriere mich, den perfekten Windschatten des Jahres für diesen Supersportler zu liefern. Aus dem Weg, liebe Freizeitsportler: Hier walzt eine Gottheit um den See: Wir sind Kali, vielarmige Göttin des Todes und Verderbens. Gnadenlos überholen wir alle und alles. Eine verrückte Sekunde lang überlege ich mir, die Ausfahrt zur Überlandstrasse, schliesslich zur Autobahn zu nehmen. Das Einzige, was mich in diesem Moment zurückhält, ist die fehlende Autobahnvignette ;)

Wir rasen weiter, weiter bis zum Horizont, bis uns schliesslich zu früh, viel zu früh der Weg entzweit und ich mich mit einem knappen Wink und einem idiotischen "Tschüssi" verabschiede, eine Peinlichkeit, welche ich mir sonst ausschliesslich für Dates mit gutaussehenden Frauen aufspare.

Abrupt der Arme verlustig gegangen, bin ich wieder Flöre. Flöre mit glühenden Waden, welche nach Kalorien gieren, ein schnaufendes Etwas auf Draht, ein Halbgott des halbpatzigen Velölen. Aber gebt mir einen Skater, und ich fahre ans Ende der Welt – und wieder zurück.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Ein kleines Geheimnis des guten Lebens…

Harry, I'm gonna let you in on a little secret
Ich liebe diese Szene aus Twin Peaks… :)