Freitag, 27. Juli 2007

Der Osten ruft

Kaum in das Flugzeug gestiegen, werde ich auf Napoletanisch angequatscht, ob ich denn nicht den Platz mit einem anderen Italiener tauschen koennte. Klar, kein Problem, erklaere ich, doch er laesst sich nicht davon abhalten, mir die ganze Schose breit und lang aufzutischen, in diesem Dialekt, in dem die Endsilbe gespart wird, was es quasi unmoeglich macht, alles genau zu verstehen. Warum eigentlich spart man Endsilben, um nachher etliche Woerter zu verbrauchen? ;)
Der Grund uebrigens ist, dass die British Airways furchtlos die 13. Reihe behaelt (nicht etwa wie die Argentina Air), was sicher schon manchem Italiener Kopfschmerzen bereitet hat. Vielleicht auch Weichteilschmerzen - ist doch der Griff an selbe ein uebliches Gluecksritual.

In London, meiner Zwischenstation auf dem Weg nach Bangalore wird mir wieder einmal klar die Abhaengigkeit von Geraten vor Augen gefuehrt. Normalerweise zeigt mir mein Handy immer brav die korrekte Zeit, die es von der Telephonfirma automatisch abholt - diesmal laesst es mich schmaehlichst im Stich und beharrt auf der Schweizer Zeit, eine Stunde spaeter. Waehrend sich alle anderen Reisenden im Jahr 2007, 26. Juli um 12:35 befinden, lebe ich eine Stunde spaeter, um 13:35 - einer Zeit, um die ich mich bereits am Gate einfinden sollte, auf deren Nummer-Bekanntgebung ich warte. Das Display gibt sich aber stumm, ist es doch eine Stunde frueher. Immer ein guter Grund,die Panikdruesen etwas zu oeffnen, mit den Armen zu wedeln und mit 2 Schottinnen ueber den Flughafen Heathrow zu lachen.
Als dann - exakt eine Stunde vorher - das Gate angekuendigt wird, ich dabei ein AHA! reicher eine Stunde zurueckgeworfen werde, komme ich mir leicht bloed vor...

Zu meiner enormen Erleichterung - ich erinnere mich an den Flug von Brasilien zurueck in die Schweiz - setzt sich vor dem Abflug nicht ein monstroeser Berg aus Proteinen neben mich (mit dem einzigen Ziel mich vom Schlafen abzuhalten), sondern zwei junge Norweginnen (die mich dann, wie koennte es anders sein, vom Schlafen abhalten). Kichernd und neue Kinofilme schauend brausen wir durch die tuerkische, persische und schliesslich indische Nacht; nur manchmal schleichen sich die beiden in die Bordkueche, um Maltesers und andere Suessigkeiten zu klauen, die sie dann ebenfalls kichernd in sich hineinstopfen, "um die Zeit zwischen den Mahlzeiten zu fuellen", wie sie meinen. Die bangalorsche Textilindustrie wird sicher etwas lustiger werden die naechsten 3 Monate.

Gegen Ende des 12-stuendigen Flugs wird es ruhiger, ich lese einen Schinken zur Globalisierung: "The World is Flat". Es geht um Callcenter, die IT Branche und weitere Dinge, die nicht unbedingt in der Schweiz oder den USA erledigt werden muessen, sondern die auch von Heerscharen von Indern gemacht werden koennen, die dies zu einem viel kleineren Lohn (der Grund fuer all dies) tun. Gut oder schlecht, ich spare mir das Urteil auf. Das Ergebnis: Bangalore, Cheddai und viele weitere Suedindische Staedte explodieren quasi, wachsen mit grenzenloser Geschwindigkeit, auslaendische Megacorporations bauen glaeserne Wolkenkratzer, Pilze die sich ausbreiten.

Der Flughafen muss wohl riesengross sein, denke ich, als wir im angenehm kuehlen Bangalore um 4 Uhr morgens landen. Weit gefehlt - ein Gang fuehrt ins freie, in die Arme von etlichen netten Indern, die allerlei anzubieten haben. Als Gegenleistung verlangen sie fast nichts, nur einige der bunten Scheine in meiner Tasche. Doch dazu spaeter mal, habe ich mich doch mittlerweile mit einigen Indern (darunter ein sehr diskussionsfreudiger Ladenbesitzer) ueber das Thema unterhalten.

Zwar erwarten mich viele, doch der Abholdienst vom Hotel ist nicht darunter - ich freue mich daher umso mehr, als nach einer Stunde, in der ich andere Wartende mit meinem Kannada maltraetiere, mich Guru und Vinay abholen kommen, den Schlaf in den Augen.

Schon bald sollte ich einen kleinen Vorgeschmack auf die Strassen von Bangalore kriegen. *Ein ominoeses leises Hupen ertoent im Hintergrund* :)

Mittwoch, 25. Juli 2007

Indien – Namaskara, nanna hesaru Florian

Es ist nun 0:30 und ich kann immer noch nicht schlafen, erdrückend und feucht die Hitze, ein wohl blasser Vorgeschmack auf das, was mich Freitagmorgens nach 16 Stunden Reise auf dem Flughafen von Bangalore erwarten wird!

Doch der fehlende Schlaf rührt nicht daher – vielmehr lese ich mich durch Unmengen an Wikipediaseiten, die nur die Lust auf mehr erhöhen. Um die 50 Schriftzeichen in der Sprache Kannada, die ich gerade zu entziffern suche?

Wie Chinesisch, eine Sprache die mir Cherry, Dirks Freundin, letzten Samstag beizubringen versuchte, scheint Kannada auch nicht zu konjugieren. Also "Avaru banni" = "Sie kommen", "Avaru yaaru?" = "er wer?". Sehr angenehm, vielleicht kann ich auf der Hochzeit ein, zwei Leute anhauen (oder "chandada hudugi", verdächtigerweise die zweite Phrase auf der obig erwähnten seite)!
An Cherry übrigens: "wren iaó go! :)"

Warum gehe ich eigentlich nach Bangalore? Nun, zum einen heiraten Andri und Veena erneut, diesmal mit unwesentlich mehr Anwesenden (250 statt 40), zum anderen hat mich die – wenns auch nur von kurzer Dauer ist – die Reiselust gepackt. Ich liebe wenig mehr als völlig in eine andere Kultur abzutauchen, Umgangsformen, Gestik auszuprobieren, allem wenn möglich mit Respekt und Interesse zu begegnen, dabei die Welt kennenzulernen. Auch in die Ferne zu schweifen (auch wenn das Gute so nah liegt), neue Eindrücke aufzusaugen, eine neue, vielleicht durch alle Erfahrungen bescheideneren Blick für die Dinge zu kriegen, die zu Hause noch gross waren.

Und: Thosais, Thosais, Thosais!!! :)
Es heisst nicht umsonst: Mit *Leib* und Seele…

Update:
Los gehts :)
Ich habe übrigens von Veena und Andri den grössten Koffer der Welt, netterweise vorgefüllt, gekriegt. Wenn also jemand ein etwa autogrosses schwarzes Objekt durch Zürich rollen sieht – das bin dann ich. So.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Ich (herz) mein Velo

Obwohl sich der Sommer in letzter Zeit selten hat blicken lassen (ich vermute ihn in der Nähe von Tobago) erreicht mich der Ruf meines neu reparierten Velos* fast täglich, das ich dann in Richtung Fussballstadion Hardturm lenke.

Erst durch unser ruhiges Quartier mitten hinein ins Getümmel des Goldbrunnenplatz, durch eine spannende Mischung aus Strässchen und Hauptverkehrsachsen in Wiedikon, schliesslich über die mönströs lange Hardbrücke wieder hinunter in die seelenlosen Strassen des Kreis 5 und hinein in die Stadt in der Stadt um die Bernoulli-Häuser, wo auch die restorm.com zu finden ist.
Ich liebe es, freihändig zu fahren, morgens dabei die Menschen zu beobachten, die gerade erst oder noch nicht aufgewacht sind und trotzdem irgendwie ihren Weg finden; abends dann an Flanierenden und Speisenden vorbeizurauschen, die Köpfe zusammengesteckt die brennendsten Neuigkeiten des Tags austauschend (wer wieder mal einen Kaffee gezapft hat, ohne die obligaten 20 Rappen in die Kasse zu legen o.ä.).
Irgendwann – so mein Ziel – möchte ich denselben Weg freihändig zurücklegen, mit Ausnahme der Auffahrt auf die Hardbrücke, die (paradoxerweise) mit einer steilen Abfahrt beginnt, kurz vor einer 90° Kurve, deren Mauer ich wohl ohne Unterstützung meiner Arme innigst küssen würde.

Velofahren. Ich frage mich, warum einem dabei manchmal das geniale Gefühl der Schwerelosigkeit überkommt. Ok, eigentlich ist es mir egal…



Nach der Arbeit (unglaublich gutes) Erdbeereis essen mit Rike (und Fabian, Jo, zufällig vorbeigekommen) bei Donat (leider nicht anwesend für Lobpreisungen), mit dem Velo durch die ganze Stadt und über einen Hügel, um dorthin zu kommen, dann Hochzeitsvorbereitungen, deren Arbeit etwa diesen Effekt auf mich hat, schliesslich endlich hier, schreibend.

Update: Für alle Liebhaber von niedlichen Kätzchen :)

Update 2: Jetzt gehts los zu Ernestos Geburtstagsparty, morgen dann Hochzeit Nummer 1 von Andri & Veena an der ich ein Spiel durchführe *nervös bin*. Und noch mehr, dazu mal sonst…

Update 3: Zürich wurde gerade von einem unglaublichen Donner erschüttert, der mindestens 40 Sekunden lang ertönte, so wie ich ihn noch nie gehört habe…

*kleiner Unfall der Marke "Papst Johannes Paul II", wobei das grüne Flomobil den grössten Schaden erlitt.

Montag, 9. Juli 2007

5 kurze vergessliche Momente

Auf einer Fussgängerinsel den Kampf gegen eine Horde Unterstufenschüler verlieren und auf die Strasse geschubst werden. A la "1 Mücke schafft das, was 1 Gladiator nicht konnte." – wie soll man denn da gegen 20 Mücken eine Chance haben?

Überglücklich sein, dass mein Velo 2 Tage alleine in einer wilden Gegend Zürichs quasi unbeschadet übersteht. Yay!

Beim Radeln mal wieder darüber nachgedacht, warum es eigentlich "deinstallieren" heisst und nicht "destallieren". Oder heisst es einfach "entfernen"?

Die anderen 2 Momente sind mir irgendwie entfallen... Vermutlich waren es nur mental minimal monumentale Momente.

Samstag, 7. Juli 2007

Judith und Padan

Mittelalterliche Kleidung, Irische Musik, geniale Hochzeit.

Ich lasse mal die Bilder für sich sprechen…

Update: Mehr Fotos, von Dirk. (Best of Flöre Dancing: 1. (Daniela sieht aus, als würde sie mir etwas erzählen – die hohe Kunst der Hypothekarzinsberechnung o.ä.), 2. und 3. (die butterweich zu führende Susi).)

Donnerstag, 28. Juni 2007

Entscheidungen

"Hätten Sie von sich aus die Ehe erfunden?"

Vor ein paar Tagen habe ich mir ein Exemplar von Frischs Fragebogen gekauft. Wenn das Buch auch fast ausschliesslich für Männer geschrieben wurde, z.B: "Was trauen Sie der Frau nicht zu? a) Philosophie?, b) Organisation?, c) Kunst?", gefällt es mir trotzdem – auch wenn es verständlicherweise einige Frauen befremden mag. Einfach Geschlechterrollen vertauschen. Dann klappts, denke ich mal.

Gestern Abend hatte ich dazu eine kleine Erleuchtung, warum ich viele der Fragen eigentlich so spannend finde: Frisch trifft ab und zu eine Annahme über einen eigenen Standpunkt und formuliert die Frage demnach wie folgt: "Warum fürchten Sie das Urteil von Freunden mehr als das von Feinden?" oder "Wem gehört Ihres Erachtens beispielsweise die Luft?"

Wäre erstere Frage so formuliert: "Fürchten Sie das Urteil von Feinden oder Freunden mehr?", könnten wir uns z.B: mit Freunden in stundenlangen intellektuellen Ergüssen ergehen, in wildes Abwägen, bei dem mal hier, mal da etwas auf die Waagschale gelegt wird. Einmal zeigt die Waage zu den Feinden, dann zu den Freunden. Schliesslich wäre man so erschöpft, man könnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Um zum Thema zu kommen: Heute verwickle ich mich in eine durch und durch spannende Diskussion, in die Frisch auch reinspielt.

Zum Beispiel hatte ich vor etwas mehr als einem Jahr sehr mit mir gehadert, ob ich in der Ergon bleiben soll – mässig spannende Arbeit, teilweise mühsame Chefs, dafür viel Lohn und fast freie Arbeitszeiteinteilung. Ich habe mir immer und immer wieder die Frage gestellt: "Ergon oder nicht Ergon?" und mich – vorhersehbar – in lange innere Diskussionen verlaufen.

Irgendwann plötzlich hat die Frage gelautet: "Warum ist mir Geld so wichtig?", mit der Annahme, dass mir offenbar Geld so wichtig ist, dass ich dort bleibe. Dank dieser Annahme musste ich nicht mal meinen Kopf bemühen – es war einfach klar, ich konnte reflexartig sagen: "Wie? Geld ist mir gar nicht wichtig, ich will einfach etwas machen, das mir wirklich etwas bedeutet."

Im Nachhinein kann man nur den Kopf über sich selbst schütteln. Warum, warum nur brauchte ich so lange? Ich denke mittlerweile, im Innersten wissen wir alle, was wir wirklich wollen. Es fällt einem nur manchmal schwer, es einem zuzugestehen. Oder man fragt sich die falschen Fragen. Und die Zeit verstreicht, und man dreht sich im Kreis. Schlimmstenfalls entscheidet man sich am Schluss für die passive Lösung. Die passive Lösung muss nicht immer die einfachste oder die kopfmässig logischste Lösung sein. Die passive Lösung ist die, bei der man einfach nichts tut, auf der man dahinrutscht, in die man hineinschlittert, einfach oder schwierig. Die ich-lüge-mich-an-, die ich-mache-mir-was-vor-Lösung. Gut meinende Freunde unterstützen einem meist. Ich habe mir auch gut zureden lassen, bin doch ein Jahr länger geblieben...

Überzeugt in den Spiegel schauen zu können, mit allen Nach- und Vorteilen einer Lösung leben zu können, im Wissen, man trägt die Verantwortung alleine: Das bedeutet es, zu leben.

Seid wahrlich ehrlich zu euch selbst, lasst das Gehirn ab und zu Gehirn sein und hört auf euer Herz :) Gute Nacht.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Jog jog jog

Etwas banal, ich gebs zu, aber:
Der Erfolg meiner Ex-Mitbewohnerin und Ex-Mitjoggerin Johanna beim letzten Züri-Marathon hat mich mit-motiviert, es auch zu versuchen. Wenigstens die Hälfte, dafür in der halben Zeit. Ursprünglich war ja angedacht, es Barfuss zu machen, aber es soll ein bar körperliches Ereignis bleiben und nicht ein semi-religiöses, was beim Kontakt von 20 Kilometern spitzem Kies und einem halben Zentimeter rauhen Sohlenfleisches unweigerlich passiert.
Apropos. Später im Sommer ist ein "Hungerwandern" oder "Fastenwandern" geplant, wo wir durch die prächtigsten Gegenden der Schweiz wandern :)

Jedenfalls: Ich habe mich für den Greifenseelauf angemeldet. Der Plan ist, ihn unter 2 Stunden zu umrunden, wofür ich im Schnitt alle 3 Tage Joggen geh.

Die 5,5km Runde
Die kleine Runde


Über den Üetliberg (s.u.) zu rennen, wird er gerade von Abendrot überflutet – es gibt wenig Schöneres :)

Joggen Üetliberg
Das Abendrot Special :)


Spannend wie sich die Motivation steigert, wenn man sich nur ein kleines Ziel setzt! (Eigentlich gehört ja Joggen für mich zu den langweiligsten Sportarten, dann viel lieber Basketball – jedenfalls gut wenn Ernie auch mitrennt wie so üblich... Trotzdem: Ich hab mir das jetzt in den Kopf gesetzt :) )

Dienstag, 26. Juni 2007

Nordwärts

Pünktlich um 3 Uhr weckt mich mein Wecker, pünktlich um 3 Uhr 15 wache ich tatsächlich auf. Schon um 3:30 brausen Kaspar und ich über die leeren Landstrassen von Solothurn, um Severin aufzugabeln, den wir dank tollem Navigationsgerät mit Sprachfehler punktgenau erreichen.

Zur Erinnerung: Wir besuchen die 2. Deutsche Railskonferenz in Frankfurt.
Die Stimmung ist gut, heiteres Radiosuchen wechselt ab mit spannenden Diskussionen und unserem Running Gag: Katrin, unsere Navidüse, die zwar 30 Sprachen beherrscht, es aber mit der Deutschen Sprache nicht so genau nimmt: "Biegen sie nach 200 Metern dann sie ihr Ziel erreicht."
Um 4:30 stürzen wir uns auf die erstbeste Raststätte. Getreu dem Motto, welches jeder Amerikaner auf seinen ersten und letzten Besuch der restlichen Welt auf den Weg mitbekommt: "When in Rome, do as the Romans do.", beobachte ich die Einheimischen bei der Bestellung ihres Frühstücks.
Leicht überraschend scheinen deftige Riesenbockwürste den einheimischen Gaumen zu begeistern. Mit dem motivierenden Motto "When in Rastatt, do as the Rastattians do." bin ich schliesslich um 3 Euro ärmer, dafür um eine fleischige, 30 Zentimeter lange Herausforderung reicher. (Ok, wer von euch hat sich wieder in unlauteren Fantasien ergangen? ;) )

4:30


Liebe Deutsche, es stellt sich dann später heraus, dass es sich bei den Raststättenbesuchern ausschliesslich um Holländer gehandelt hat, die nach 14 Stunden Fahrt in den Süden (und drei Kindern auf dem Rücksitz) sich durchaus das Rest auf verdrehtes Zeitgefühl und damit ebenso verdrehte Essmanieren erkämpft haben :)

Nach dem Aufgabeln von Nik in Karlsruhe und einer semi-freiwilligen Führung durch Katrin über die lokalen Autobahnen: Endlich nach 400 Kilometern dann wir unser Ziel erreicht!
Zur Konferenz will ich hier gar nicht viel sagen, da unser Geschäftsblog bald darüber berichtet.

Jedesmal wenn ich nach Deutschland komme, frage ich mich, wie sich die Schweizer und die Deutschen unterscheiden. Im ersten Moment das Gefühl der totalen Gleichheit. Dann überschwappt mich jeweils ein Gefühl des unklaren, aber grossen Unterschieds. Zwischendurch drängt sich jeweils die Frage auf: Wo sind die Berge? Diese aber ist schnell unterdrückt.
Es ist schwer zu sagen. Manchmal frage ich mich, ob die Berge wirklich einen grossen Einfluss aufs Gemüt der darin lebenden Menschen haben. Täler mögen einem wohlige Geborgenheit geben, manchmal aber vielleicht erdrückend wirken, worauf man am liebsten über alle 7 Berge und Täler verschwinden möchte. Vielleicht reisen Schweizer daher so oft? Oder, weil sie es sich leisten können? Vielleicht ist die Arbeit so anstrengend und viele verspüren daher den Druck, sich möglichst weit weg zu verirren? Suchen wir die Abenteuer anderer Länder auf um unser Land wieder geniessen zu können. Schwierig.
Freitag Abend und Samstag ist mir sehr wohl. Das liegt natürlich an Claudi, die ich besuche :)
(und Veronika)
Auch ein Bisschen an den Deutschen allgemein, wie mir scheint. Direktheit, Offenheit und Herzlichkeit, vielleicht nicht, was man sich hier unter dem Deutschen Charakter vorstellt, aber ich werde immer so empfangen und geniesse es. Vielleicht auch Gewieftheit, wobei ich natürlich nur mit Studenten zu tun habe. Ich denke, die Schweiz gibt sich gemütlicher – nicht schlechtes, denken wohl alle, die je ein richtiges Fondue miterlebt haben :)
Oder die Tatsache, dass sich die Deutsche Sprache einfach geschmeidiger durch Wortspiele führen lässt, wie uns Bodo Wartke beweist. Ich habe nur gestaunt. Oh ja. Wie Claudis Weinglas genau in Bodos, und danach in dessen Freundins Hände gelangt, ja das, das bleibt ein Geheimnis...

Claudi
Claudi lässt sich signieren


Update: Der obige Text ist gestern spätnachts entstanden – tiefgründige Aussagen sind erwartungsgemäss zu vermissen ;)

Es ist schon spät... vielleicht sonst mal mehr (Enneagramme usw.). Gute Nacht, meine 7 treuen (und offenbar unerschütterlichen) Leser.

Donnerstag, 21. Juni 2007

Frankfurt ruft!

"Leckere grüne Sooooße!"

Leider plagt mich gerade ein kleiner Anflug von Insomnia, darum noch dies. Morgen düse ich zusammen mit Kaspar, Severin und Nik nach Frankfurt, an die 2. Deutsche Railskonferenz :)
(Die Bilder vom letzten Jahr von Simi, Vito, Chrigi und mir sind höchst peinlich und werden natürlich gleich auf der Hauptseite rechts oben gelinkt *schäm* und *grins*) Anschauen auf eigene Gefahr...

Freue mich wie immer sehr auf Deutschland :) Florian Görsdorf (der dieses Jahr einen Vortrag hält) zu treffen ist cool. Ausserdem würde es mich enorm freuen, auch Claudi wiederzusehen :)
Sollte mich eine kleine Historikerlust überkomme, bleib ich noch ein, zwei Tage, um z.B: Worms o.ä. anzugucken.

Ich schreibe diese paar Zeilen aus dem Haus von Kaspars Eltern (in der Westschweiz), die eine geniale Ölmühle aus dem 16. Jahrhundert hegen und pflegen. Selbst wohnen sie in einem beeindruckend enormen und begeisternden Bauernhaus aus Anfangs 19. Jahrhundert. Oh, ich möchte auch! Irgendwann... :)

So, es ist bereits halb elf – um drei sollten wir schon aufstehen, um nach Frankfurt zu brausen. Das macht summa summarum 4,5 Stunden Schlaf. *gnarf* Wieder einmal ein Beweis dafür, dass gute Mathefähigkeiten nicht glücklich machen.
Um es positiv zu sehen: Ich habe den längsten Tag nicht ungenutzt verstreichen lassen! :)

Anmerkung um 23 Uhr: Kaspars Eltern brauen einen deftigen Espresso...

Anmerkung um 23:45: Ich streiche Koffein aus der Liste meiner Freunde...

Sonntag, 17. Juni 2007

Viele kleine grosse Dinge...

Melitta die Kärtnerin, siehe die Links rechts (nicht etwa die Rechts links), nennt solche Einträge 64 Bytes. Warum ist mir unbekannt. Melitta?

Jedenfalls:
Heute morgen hieve ich einen Flo aus dem Bett, der sich mittels Anwendung eines Ausgangs mit einem trinksicheren Finnen vor dem frühen Inlineskaten drücken wollte. Interessanterweise fühle ich mich grundlos so wie sich Flo hätte fühlen sollen und als wir dann beide auf wackligen Beinen per Rollerblades über die Siedlungswege holpern, ist mir sogar, als hätte ich mit ganz Helsinki um die Wette getrunken. Dennoch: Ein erster kontrollierter Sturz ist geübt, zwei weitere ebenfalls (etwas weniger bis eigentlich gar nicht kontrolliert).

Danach Brunchen mit Dirk, Ernesto, Flo, Ralf und Susi im Movie – sehr schön.

Weiter hole ich mein Velo im Büro und brause mit Led Zeppelin im Ohr kreuz und quer durch Zürich, das Calientefest besuchend und beeindruckt den Eliteskatern (Weeer hat nur diese Seite designt?) nachschauend.

Dann hab ich mich in der Sonne gefreut, dass ich letzte Woche mit jemand sehr vermisstem telephonieren konnte.

Schliesslich noch ein Bisschen programmiert, zu Kai gefahren und ein spannendes Brettspiel "Chinatown" gespielt habe. Nicht ganz so fesselnd wie der gleichnamige Kinofilm, aber trotzdem.

Gute Nacht, allerseits...

Samstag, 16. Juni 2007

Muhen am Aegerisee

Heute wandere ich mit Ernesto durch eine Gegend, in der die Kirchen gross, die Täler klein, die Herzen enorm, die Speisen fein, der Horizont so nah, und Städte so fern...

Wir probieren eine neue Wanderart aus: Wanderjoggen! Von Biberbrugg aus biegen wir am falschen Ort ab und setzen unsere Joggingschuhe dem naturgeschützten (und prächtig prächtigen) Hochmoor aus, wünschend, die Schuhe wären es ebenso. Danach wandern, ja galoppieren wir bergan, als ertönten die Bongotrommeln des Herzens nicht in uns, sondern in den Tiefen des Waldes. Auf dem Panoramaweg versuchen wir längere Zeit zu joggen, was aber durch unglaubliche Ausblicke (und auf dem Naturlehrpfad: Einblicke) erschwert wird, nicht zuletzt durch etliche Tiere, deren Rufe wir zu imitieren versuchen: Ernesto entpuppt sich prompt als geborener Ziegenimitator, während ich einem Muni (Schweizer Jungstier) Konkurrenz mache, wovon meine Stimmbänder jetzt noch vibrieren. Nach etlichen Minuten dauerndem Gackern/Meckern/Mähen/Muhen/Wiehern usw., natürlich von beschämten Stillen durchzogen, ausgelöst durch vorbeifahrende Velofahrer und neugierige Bauern, welche wir nur ein ganz kleines Bisschen zu spät erblickt haben, rennen wir schon bald wieder talwärts, den nächsten Bus zu erwischen suchend.
Verschwitzt finden wir uns im Kino wieder, Kubricks "Space Odyssey 2001", welche, wie manche sagen würden, ebensoviele Sekunden zu lange dauert.

Schon morgen früh wollen Flo und ich wieder Rollerbladen gehen, danach: Brunchen mit Ralf und Susi! Aber erst will noch ein Brief geschrieben sein...

Gute Nacht, meine lieben fünf Mitleser :)

Freitag, 8. Juni 2007

Mein Onkel

Ich muss sagen, dass ich extrem stolz auf meinen Onkel Ernst bin!
Gerade eben wurde er (endlich) für sein Lebenswerk geehrt.

Die 2 Laudatios von Poen de Wijs und Jacques Rime waren sehr bewegend: Poen mit einigen liebenswürdigen Geschichten im genauso liebenswürdigen Akzent vorgetragen, Jacques überaus poetisch, begann bei der Entstehung der Welt. Auf Französisch.

Hier mehr.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Nuvens

Oft verwandelt sich die Dachterrasse in ein Wolkenobservatorium, wenn sich der Himmel über Zürich mal wieder von seiner besten, mysteriösesten, unglaublichsten Seite zeigt! :)

Hier einige flüchtige Skulpturen.

Montag, 4. Juni 2007

100km Wanderung

Schmählichst meinen Blog vernachlässigt möchte ich doch darauf hinweisen dass ganz und gar nicht nichts passiert ist. Unter anderem eine fantastische 100km Nachtwanderung, die Ern, Flo, Jo und ich sogar in der Hälfte der Zeit und Distanz geschafft haben! ;)

Fotos hier.

Dienstag, 24. April 2007

Ergon Ade / Neotrivium Hallo

Heute ist mein letzter Arbeitstag in der Ergon - wurde schon von Vito zum Abschied reich beschenkt: Ein Buch "Erklärt Pereira" von Tabucchi (handelt von einem Italiener, der in Lissabon lebt) und den Millenium Falken als Bauset. Sehr, sehr cool :)

Morgen gehts dann richtig los bei neotrivium.com, den zukünftigen Machern von restorm.tv und mehr... Juhu! :)

Dienstag, 17. April 2007

"London calling"

Die nächsten 50 Stunden stehen ganz im Zeichen von Webdesign, meiner neuen Firma und der Zukunft des Internets: Ich besuche die FOWD in London! Update: Was gerade läuft.

Ich hoffe, ein paar schlaue Leute kennenzulernen, Spass zu haben, oder - sollte das nicht eintreffen - wenigstens etliche neue Ideen nach Hause zu tragen :)

The Net "is drowning-and I live by the river"!

Samstag, 14. April 2007

Die Churfürsten

IMG 0187

Eigentlich nennt man sie ja Churfirsten, aber verweilt man erst mal ein paar Stunden am Fuss der Giganten, erfüllt einem ein Gefühl, das sich sonst nur in majestätischer Anwesenheit einstellt.
Gar nicht mal so viel hält Jo und mich davon ab, über die Kuppe ins Toggenburg zu ziehen (oder besser: abenteuern ;) ).

Die Fotos.

Sonntag, 8. April 2007

Barfusswandern III

Nachdem wir uns bis um 2 Uhr morgens Wörter wie "Eintagsfliege", "Süsswasserpirat", oder "Steissgeburt" um die Ohren phantomimiert haben, rauscht ein kleiner Teil der Festenden um 9 aus den Federn, um den Tag mit beiden Händen zu packen. Oder besser: Mit beiden Füssen, klamm wie sie um 10 Uhr morgens auf der Bushaltestelle von Seon (AG) sind.

Im Bus durchs Hinterland des Aargaus brausend, tauchen wir immer weiter in eine in Zürich im Nebel der Vergessenheit verbliebenen Ära: den 80er Jahren, die uns von der ansässigen Bevölkerung vorgelebt wird (Dauerwellen usw.). Dafür schielen sie etwas mitleidig auf unsere nicht vorhandenen Schuhe - ich frage mich: Ist Barfusswandern etwa ein Luxussport, der moderne Luxus bedeutet seltene, dafür bewusste Armut? "Ich leiste es mir, zu Fuss zur Arbeit zu gehen", etwa. Vermutlich unvorstellbar in ärmeren Ländern...
Vor-Aua

Mitten im Wald die Konfrontation mit einer Strasse, geröllbeladen. Ich versuche, mich mit Gedanken von den die Hornhaut (Mohs: ca. 0,1) penetrierenden Steine (Mohs: ca. 6) abzulenken. Wer ist religiöser? All die Leute, die momentan die Kirchen füllen oder ein Mann, der über Steine geht? Ich tippe auf letzteres, bete ich doch wohl die Hälfte des Indischen Hauptpantheon (ca. 16) und diverse andere Götter und Gottheiten an, darunter den Gott des samtweichen Gesteins.
Der aber - mir scheint - meine kläglichen Versuche damit zu beantworten, die Steine nur noch spitzer zu formen, wie ein Zenmeister seinen Schüler nochmal fortschickt, noch mehr, noch härter nachzudenken... Nach einiger Zeit die Lösung: Wenn die Steine nicht weicher werden, müssen die Füsse besser gepolstert werden. Was, wie mir nach kurzer Zeit ebenfalls auffällt, genau das ist, was wir schon seit Jahrhunderten tun. Ich komme mir etwas debil vor. (Update: Oder die Füsse entspannen, damit sie sich an den Stein anpassen - doch nicht soo doof *puh*)

Apropos Religion - gestern bin ich gerade erst wieder mal durch den jüdischen Teil der Stadt gespaziert. Frauen, die sich Kinderwagenrennen liefern, Familien, reich an (der) Zahl... Irgendwann drängte sich mir die Frage auf: Wen schätze ich mehr? Einen Menschen, der Regeln befolgt, an die er nicht wirklich glaubt - oder einen Menschen, der etwas glaubt, das er nicht wirklich befolgt?
Hmmmm...

Update:
Die Idee, baren Fusses wandern zu gehen, kam mir übrigens nach dem erfreulichen Kinobesuch von "Barfuss", einer nachfolgenden Suche nach Johanna Wokalek (Ja, ich weiss... die Nase. so sue me *g*) und dem Fund dieser beeindruckenden Schulklasse.

Update II: Mein rechter Fuss am Ende. Ich meine, am Schluss ;)

Grillfest

Ein wirklich schöner Abend wandelt sich zur jungen Nacht, während wir im Grillen vergessen dem erhitzten Fleisch huldigen, ein tiefroter Sonnenuntergang zum Zeugen. Stundenlang die Charaden, zahllos die Wortkreationen, Pantomimenmeister sind erkoren... :)
Danke Ralf & Susi, Andre, Doni, Ernie, Kyon!

Update: Morgen gehts ein weiteres Mal zum Barfusswandern - Weg wird auf der Reise festgelegt.

Sonntag, 1. April 2007

Zürimarathon

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Marco - und besonders Jo entscheiden sich, die 42,195 Kilometer von Zürich nach Meilen und zurück, gefolgt von einer kleinen Tour Zürichs mit Ziel Wollishofen, zu rennen: Als Fan bin ich dabei, beeindruckt von der Begeisterung - man könnte sich fast entscheiden, es in einem Jahr auch zu versuchen...

Fotos:
Zürimarathon