Montag, 17. April 2006
Wiedergeburt / Ressurreição
Ich werde versuchen, die geehrten Leser (es verbleiben vermutlich etwa 2) ab jetzt wieder mit Einträgen zu beglücken.
Um mein Portugiesisch zu polieren (und zur Erheiterung der KönnerInnen) werde ich es auch so oft wie möglich übersetzen.
Se mais famosos guris podem fazer esse truque quase dois mil anos atraz, o meu blog pode também *g* (Tenho que admitir que o papai do blog não é poderoso como o papai de guri famoso, mesmo quando tenta com muito vontade)
Se quier aprender Alemão com esse blog, tenho que dizer: Não faz, por favor - com a exceção de divertir os seus amigos alemãos. Tem um monte de razões, um desse é que não vou (sei!) traduzir minhas palavras alemãs exactamente - é mais uma tradução onde os mãos é pés são voando por o ar furiosamente - em vão. Talvez você vai também descobrir palavras ainda não descobriu em Português (por razão que as vezes vou introduzir construções horríveis eu mesmo) - mas é a história do Brasil, vastos áreas virgéms, com nativos selvagens, onde ninguém sabe que vai achar...
Freitag, 14. April 2006
O meu carro novo...
Leider kann ich keine Details dazu erzählen, aber als ich das hübsche Blau erblickte, den weitläufigen Innenraum betrat, und das süffige Schnurren des Motors erklang, pochte mein Herz wie wild. Die beiden Wasserwerfer und das Fassungsvermögen von 18'000 Litern überzeugten mich schliesslich vollends :)
Lamento, mas não posso contar detalhes. Quando o meus olhos encontraram o azul brillante, vi que posso trazer comigo quatros amigos, o meu coração bati furiosamente. Quando eu dei conta que o carro também podia trazer agua refrescante aos povos com problemas do calor no verão, comprei instantamente :)
Montag, 20. März 2006
Skiweekend
Donnerstag, 2. März 2006
Sprachliches...
Abrupt bringe ich meine flatternden Lippen zu einem Stop. Ist es nicht wunderbar, was für einen Effekt einige aneinandergereihte gutturale und sonstige Laute haben, die man anderen menschlichen Wesen entgegenschleudern kann, und die darauf tatsächlich reagieren und ihrerseits ihre Stimmbänder bemühen? Spannend ist auch die Tatsache, dass man bei einem Engländer zum Beispiel mit denselben Laute eine andere Reaktion hervorrufen kann, wie zum Beispiel bei einem Tibetaner, der möglicherweise gar nicht reagiert?
Meine Augen weiten sich erwartungsvoll, neugierig, mit nicht wenig Stolz meiner sprachlichen Fähigkeiten wegen harre ich der Antwort. Immer noch stützt sie sich auf den Mop, blinzelt dann langsam ein, zweimal und - ja? ja? - meint dann "Eu não falo Inglês.", also "Ich spreche kein Englisch."...
Apropos "blaues Hotel" - ich wohne ziemlich nahe dem Zentrum, genauer quasi neben dem Praço Dom Pedro IV, oberhalb dem Bairro Baixo (Nieder), unter dem Bairro Alto (Hoch). Nein, wirklich??? *g* Ebenfalls unter der hübschen Burg, auf der ich das Glück hatte, einen sonnendurchgewalkten Tag im T-Shirt zu erleben. Wie man übrigens Touristen und Einheimische hier unterscheidet: Einheimische haben unter 20 Grad immer dicke Mäntel an, egal wie stark die Sonne scheint. Touristen sind die ob der wie weggeblasenen Nebeldepression permanent grinsenden Vehikel in kurzärmliger Kleidung. Doch zurück zu meinem Hotel. Blauer als ein Hochseeliner voll Schweden. Wenn Picassos blaue Phase irgendwo ihren Anfang nahm, dann hier. Oder besser gesagt: Ihr Ende, in einem rauhen Aufprall und einer heftigen Explosion (Knallblau sozusagen). Netter Nebeneffekt: Wer jemals durch eine dieser pinkrosa Brillen gucken durfte, weiss, dass die Welt danach sehr, sehr blau aussieht - wenn man aus dem Hotel hüpft, tritt genau der entgegengesetzte Effekt ein.
Freitag, 26. November 2004
Photoeintrag!
Hier!
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Fotos von der ersten Unterkunft, dem Labor und dem Herd der neuen Unterkunft, inklusive Mathias.
Fotos von Gramada und Canela.
Fotos von den Foz do Iguacu von der Brasilianischen Seite aus.
(Bitte begebt euch in die Nähe eines Klos - es sind etwa 40 Bilder von Wasserfällen)
Fotos von den Fällen von der Argentinischen Seite aus.
(NOCH mehr Wasserfälle & Regenbogen - denkt euch einfach ein Ohrenbetäubendes *BRRRROOOOOOMMMM* hinzu. Von Wasserfällen kann ich seit dem Sommer photographisch nicht genug kriegen.)
Fotos vom IPCT & dem Museu de Ciências e Technologia (Ein Museum voller Knöpfe und Hebel, ein Maxi-Technorama - für die ganz grossen Kinder :) )
Ein paar Fotos von Santis Party, an der ich leider krank war - und auch so aussehe! ;)
Meine Portugiesischklasse.
Ein Ausflug in den riiiesigen Botanischen Garten. Beeindruckend.
Das Getränk Brasiliens: Cachaça! (2 Riesenbecher für je 6 Reais - ich zehre heute noch davon... ;) )
Bierbrauerei mit Geschmack: DaDo Bier.
Der grosse Ausflug zum Canyon, der schliesslich im Nebel endete, dann eine der grösseren Vergehen, die man kulinarisch begehen kann: Käse-, Fleisch- & Schokoladefondue!
Torres, der beste Strand von Rio Grande Do Sul. (Inklusive UFO-Fotos und Lehrbildern, die aufzeigen, wieso man nicht schon Mittags mit Caipirinhatrinken beginnen sollte)
Einige Verschiedene: Essen im Shopping Center mit Madruga, Mascha (from Rascha, nein, der Ukraine), und Felipe. Dann Jurastudis, die erst dachten, ich sei der zweite Fotograph. Schliesslich ein paar Fotos von vor und nach dem Pagode-Tanzausflug (7 Stunden Hopsen :) ).
Das grohohossartige Talent"festival".
Wie eine Chimarrão Session (Teetrinken) aussehen könnte.
In der Nacht vor der Abfahrt nach Montevideo feiern wir Anas Geburtstag. Juhu! :)
Die Reise nach Montevideo, Montevideo selbst, und die Reise zurück nach Porto Alegre.
Der Park Farroupilha, seine Fussballspieler und Süssigkeitenverkäufer.
Neu ab hier...
Churrasco bei Alex, inklusive Spätfolgen (Die Leiden der Mascha Z.)
Urbrasilianischer Sport: Capoeira mit Ana und Mascha
Ausflug nach Florianopolis
Bootsausflug auf der Lagune von Porto Alegre
Die Abschiedsparty von Ana *schnüüürf*
Panoramafotos von den obigen Orten! (Speziell vom Labor und meinem Haus - inkl. Bonus Wasserfall Poster :) )
Und unter Verschiedene habe ich die restlichen Fotos eingefügt...
Dieser Eintrag wird ganz oben bestehen bleiben, damit die Fotos immer anguckbereit sind.
Zusätzlich zu meinen Einträgen könnt ihr auch Jiris Fotos angucken. (Auf Tschechisch, aber ich hoffe, einigermassen verständlich)
Demnächst folgen auch noch Filme...
Vielen herzlichen Dank erst mal an meinen Vater, der mir die Webseiten gebastelt hat! :)Sonntag, 21. November 2004
Unabwendbar...
Ich erwarte mindestens ein Jodelchörli und en Schnäfel Chääs! :)
Unser Erkennungszeichen (nötig, sehe nach Amazonas dank Mücken vermutlich aus wie ein roter Michelin Man) soll ein nach oben gereckter Daumen und ein gesprochenes "Todo bom?" ("Tuuduuu boong?", wobei man das "g" am Schluss brutal erwürgt und was davon übrig bleibt, in die Nase verfrachtet)
Und:
Bin gerade in Brasília - kann mir mal jemand erklären, wieso hier die Uhren von Fortaleza her kommend um eine Stunde nach vorn verschoben werden. Meine Gehirnwindungen mögen sich nicht um diese Tatsache winden. Muss die Hauptstadt dem Rest des Landes partout (relativ gesehen), voraus sein?
Dienstag, 16. November 2004
Teure Sucht...
Kann leider momentan weder neue Einträge machen, noch Mails gross beantworten, da hier auf der Lodge das Internet 6 R$ pro 5 Minuten kostet (Iiiiiek!)...
(Bin aber in einer Woche zu Hause wieder online)
Montag, 8. November 2004
Fortaleza
Auf dem Flug verschlinge ich eines der vielen, auf dem exzellenten Flughafenbuchladen eingekauften Bücher ("The 39 Steps" von Buchan), und wundere mich nebenher über zwei Konstanten im Brasilianischen Flugverkehr:
A) Die TAM Flugzeuge sind viel moderner als die der Varig (Leiser, bequemer, ...)
B) Die Varig Stewardessen sind schöner, und das Varig Essen ist besser als bei der TAM
Dies nur als Einkaufsführer für den reisebewussten Mann. ;)
Vor dem Anflug zeichnet unser (altes) Flugzeug (mit den schönen Stewardessen) eine lange Kurve über der Stadt und entblösst das Ergebnis einer etwa 30 Jahre zurückliegenden, schweren Kollision zwischen Tourismus und kleinen Dörfern, die zufällig an wunderschönen Stränden liegen: Kurz hinter den Stränden zanken sich Hochhaus um Hochhaus um die Gunst von tausenden Strandsüchtigen. Dahinter liegen Restaurants und das Nachtleben wartet geduldig darauf, wachgeküsst zu werden. Ich als doppelmoraliger Tourist, der den geballten Tourismus verabscheut, nenne die Stadt kurzerhand "Feialeza" ("Hässlicheza"), und schaudere leicht, als mir klar wird, hier mehrere Tage verbringen zu müssen...
[Meldung aus der Zukunft: Aber es kommt alles weniger schlimm als gedacht]
Unser Ziel liegt räumlich fernab der Hochhäuser, beim Betreten könnte man meinen, dass das auch zeitlich zuträfe. In der Reception setze ich mich auf das altmodische Ledersofa, das mich sogleich in die Arme nimmt, anscheinend in der Absicht, mich länger nicht loslassen zu wollen. Der Geruch von altem Papier hängt schwer in der Luft. Die Wände voll von Bildern: Alte Schriften, Lincolns Rede ("Four Score and ..."), hinter mir ein Ausschnitt aus der Bibel. Wäre es Nacht, so würde sich ein mich beiläufig beobachtender Passant in einem Gemälde von Hopper wähnen.
Das Bild wird schliesslich von "Herrn Bellardo" (O-Ton Paps) komplettiert, ein langsam zum Schreibtisch wackelnden, und sich schliesslich mit einem leisen Ächzen in den Sessel (ver-)senkenden älteren Herrn, der uns auf Deutsch anredet, ab und zu aber ein Französisches oder Englisches Wort einwirft. Seine Frau erklärt mir kurz danach, dass er Portugiesisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, und Russisch fast fliessend beherrscht. выразительный! :) (Mascha fram Rascha möge mich korrigieren)
Ebenfalls unser Zimmer. Langsam setze ich mich auf mein knirschendes Bett, beäuge die alte Klimaanlage, und entdecke, dass unser Fernseher, Brasilianisch undenkbar, nicht über Kabelanschluss verfügt. Ein Durchzappen eröffnet mir, dass von den 7 Sendern, die erreichbar sind, einer von Unfällen handelt, zwei von Soaps verseucht sind, drei weitere Aerobic- und Modesendungen ("Ich bin hässlich, TV Moda macht mich blen-dend schön!") zeigen, und einer dem schon erwähnten "1 dicker Showmaster, 20 linde Frauen im Hintergrund"-Ideal nacheifert. Später entdecke ich dann noch das absolute Fernsehjuwel: Ein Moderator, der sich vor der Kamera durch "Isto é Gente", einer Prominentenzeitschrift durchblättert - mit durchwegs trockenen, daher für mich umso amüsanteren Kommentaren! :)
Als Touristenstadt behandelt Fortaleza - und alle Bewohner, dazu später - das Thema "Sicherheit" bevorzugt. Schon der Hotelbesitzer warnt uns vor, im Falle eines Überfalles immer schon bereits gefaltete 20 bis 50 Reais dabeizuhaben, die wir dann ohne zu zögern dem verblüfften Dieb überreichen können. Im Hotelzimmer dann ein kleines Heftchen von der "Polizei Spezialeinheit Tourismus", die uns einige Verhaltensregeln vorschlägt, die helfen sollen, überfallsfrei zu bleiben. Merkwürdigerweise ist das Ding nicht im nüchternen Ton verfasst (z.B: im Umgang mit Schlafdrogen in Drinks: "You Snooze, You Lose!"), sondern leuchtend BUNT! und mit lachenden Smileys gefüllt, was mich leicht an die Stelle in Fight Club erinnert, wo die Flugzeugpassagiere mit der Glücksseligkeit von Hindu-Kühen ihrem sicheren Untergang entgegenblicken.
Mit einem mulmigen Gefühl betreten wir die Strassen von Fortaleza, merken dann aber, dass es sich hier nächtlich wunderbar wandeln lässt...
Samstag, 6. November 2004
Even MORE Kirchen und Bettler
Vielmehr: Kennt ihr die Bauchsäcke, die man sich als Mann umbinden kann, um mit seiner Frau (Freundin, Konkubine usw.) bei der Schwangerschaft mitfiebern zu können? Seit heute Morgen verfüge ich über eine mit ähnlichem Hintergrund gestaltete Brille, mit dem Unterschied, dass sie den grauen oder grünen Star simuliert. Mein Paps hat leider die Brille genau so fallen gelassen, dass beide Gläser mit einem (in meinem Kopf dumpf widerhallenden) STOINK gleichzeitig auf dem harten Boden aufprallten, und je ein Stück davon absplitterte.
Nojo...
(Später mehr, as is the custom)
Donnerstag, 4. November 2004
Praia do Forte
Ratet mal, wie gross die Scheibe Brasilien war, die dieser Familie zugewiesen wurde?
800'000 Quadratkilometer.
Könnt ihr euch etwas darunter vorstellen? Nun, sei nur gesagt, dass die Schweiz etwa 19 Mal drin Platz hätte. Für Deutsche: Bisschen mehr als zweimal (!) die Fläche Deutschlands...
Diese Familien übrigens besitzen immer noch sehr grosse Ländereien (Bahia soll quasi einer Familie gehören) und bestimmen immer noch stark die Politik, sei es mit Bestechung, geschäftlichem Unter-Druck-Setzen oder freizügigem Party-Spendieren - oder anderen amüsanten Mafiahobbies. Doch zu diesem dunklen Kapitel der Brasilianischen Politik ein ander Mal.
Das Dorf "Praia do Forte" ist wie ein kleineres Städchen aus dem mittleren Westen von Nordamerika angeordnet, zirka 1830. An einer direkt zu einem Meeresschildkrötenprojekt (TAMAR) führenden Strasse klebt links und rechts Ladenfassade um Ladenfassade. Manchmal stellt sich ein mutiger Dorfbewohner uns in den Weg, die Hängematte ("Só 8 pila!") bedrohlich an der Hüfte aufgehängt, die Hand in Warteposition. Eine Sonnenbrille, vielleicht?
Wir lassen sie alle unseren Staub schlucken. :)
Es folgt ein Besuch bei den Meeresschildkröten, über welche ihr euch bei obigem Link zur Genüge informieren könnt. Beeindruckend war die weltgrösste Meeresschildkröte, die gut und gern etwa 2 Meter gross wird, und genug Gewicht, um kreuzende Fischerböötchen mit einer Flossenzuckung über die gefürchtete Meereskante zu wischen (750 kg).
Den Nachmittag verbringen wir vor Allem damit, an dem dortig vorhandenen tropischen Ferienbroschüren-Traumstrand in der fast senkrecht über uns sengenden Sonne zu brüten, im ruhigen Meer zu liegen und die perfekte V-Formation der verblüffenden, über uns hinwegbrausenden Armeehelikopter zu bestaunen. (Links und rechts von uns werfen sich vietnamesische Touristen in die vorbereiteten Löcher ;) )
Beim Rückweg besteigen wir vielleicht etwas naiv einen Kleinbus, nachdem ich mit dem Ausrufer den Preis wie folgt bestimmt hatte: "Quanto?" - '"Cinco." - "Cada um?" - "Não." - "Cinco total?" - "Sim." Im Bus dann aber will er trotzdem je 5 Reais von uns, die wir ihm zähneknirschend übergeben. Nichts gegen Entwicklungshilfe, aber dann doch lieber in Form von freiwillig überreichten Reissäcken und Wasserpumpen... ;)
Andere potentielle Reisende, die erst hoffnungsvoll den ohnehin schon überfüllten Kleinbus stürmen, verlassen ihn kurz danach kopfschüttelnd, als sie erfahren, dass es sie 2 Reais kosten würde. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir zuviel bezahlen würden... *g*
Mittwoch, 3. November 2004
Iguatemi Salvador
Auf der langen und holprigen Fahrt Richtung Iguatemi fällt mir auf, dass ich im Vergleich zu meinen Mitfahrern in leuchtend hellem Weiss erstrahle. An der Rodoviária verstärkt sich der Eindruck noch mehr. Gänzlich "Lost in Africa" fühle ich mich, als ich auf der untersten von drei Verkaufsebenen herumstrolle. Auf der mittleren Ebene wird die Hautfarbe leicht heller, gleichzeitig mit der Aufmachung der Läden. Auf der obersten Ebene locken glitzernde und weite Geschäftsfronten, die Klientele so hell wie der edle, erleuchtete Steinboden, der zum Flanieren einlädt. Auf allen Ebenen werden in den Kleiderwerbungen exklusiv Weisse porträtiert.
Auf der Rückfahrt passieren wir ein enormes Plakat, auf dem drei weisse Frauen gezeigt werden, darunter der Text: "Qual mulher você quer ser?" (Welche Frau möchten Sie sein?). Die Linke, vielleicht? *räusper* Ich drehe mich um - erneut keine Weisse. Ich erinnere mich aber daran, dass Michael (wie üblich in unterhaltender Form) erzählte, er wäre in Salvador beim anderen Geschlecht überaus beliebt gewesen. Das Ziel davon, so er, dass die Kinder dieser Union weisser wären und damit mehr Chancen im Arbeitsmarkt hätten...
Etwa 100% der Werbung ist "weiss", etwa 80% der Bevölkerung ist schwarz.
"... Florian Hanke, Sozialreporter, Salvador, Brasilien." ;)
(Amüsantere Einträge hoffentlich später)
*********!
Was sagt sowas über ein Volk aus?
Was über die Situation in einem Land?
Ganz unabhängig davon:
In den geplanten Einträgen seit dem Letzten bis zu Diesem werden Massenvernichtungswaffen vermutet, was leider zu Verzögerungen führen kann...
:)
Andererseits ist das gar nicht witzig, eigentlich.
--> www.michaelmoore.com
Dienstag, 2. November 2004
Von Kirchen und Bettlern
Heute: Mit den lokalen Klimaanlagetraditionen eher schlecht vertraut, beginnt der Tag mit einem kleinen Schwumm durch einen See aus Schweiss und dem Versuch, nicht an diversen Möbeln klebenzubleiben. Das folgend eingenommene Frühstück beeindruckt: Nicht nur finden sich etliche Früchte, die ich noch am Vortag glücklich am Baum habe baumeln sehen, auch Tapioca (End-lich! :) ) und diverse Fruchtsäfte, wobei ich den Zitronengrastee besonders hervorheben möchte, hat er doch an allen folgenden Tagen dafür gesorgt, dass mein Gehirn morgens in Schwung kommt: "Was riecht denn hier so nach Zitrone?" (3 Sekunden Stille) "A-haaaaa!" ;)
Der heutige Tag gilt Salvador, einer Stadt übrigens - und davon handelt das heutige Thema - eine Stadt, die überquillt vor Heiligkeit. Etliche Kirchen kleben wie eine Napfschneckenkolonie auf dem Fels, die "Cidade Alta" ächzt unter Tonnen von Blattgold. Wie Sünder auf ihrem eher unbeschwingten Aufstieg zum Berg Golgotha tragen wir stöhnend, und nicht ohne unsere Schweissdrüsen überzubeanspruchen, unser Kreuz, das hoch und beständig über uns brennt, die "Strasse der Hilfe" den Berg hinauf. Militärpolizisten säumen unseren Weg, der endlos scheint. Trotzdem erreichen wir über den "Platz der Pietät" den Praça da Sé relativ unbeschadet (ohne umzufallen! <- Dazu später...), stellen unsere Kreuze salopp in die Ecke, um im kühlen Internetcafé unsere Mailboxen abzurufen und einen kühlen Maracujasaft zu geniessen.
Ist man erst im Gewirr der das Pelorinho-Viertel umgebenden Kirchen gefangen, gibt es keinen Ausweg! Ich gebe freimütig zu, dass ich auf Schulexkursionen immer gelb vor Neid an Esra vorbei in die Kirchen gezerrt (mental) werden musste - Juden dürfen nicht in Gotteshäuser anderer Religionen treten. Würde mich ja sehr interessieren, was sonst passieren würden? Würden sie in den Gazastreifen geworfen? Öffentlich von verkleideten und sich des öfteren verhaspelnden Frauen gesteinigt? (Weiss es jemand?)
Äusserlich sind die Kirchen zu bemitleiden. Die Natur erobert sich den ihren angestammten Platz zurück, auf den ehemals vielleicht leuchtenden Dächern wuchert Moos, vereinzelt lugt ein Baum hinter einem Kirchturm hervor. Um den Verfall aufzuhalten, hat man sich oftmals für die wohl billigste Methode entschieden: Ein gelb-roter Neonstreifen zieht sich um die wichtigsten Merkmale und verwandelt so ein ehemals ehrwürdiges Gebäude in etwas, was Christian "Karnevals-Kirche" nennt, und was mich unwillkürlich an das Verfahren erinnert, dem sich ältere Frauen mittels Makeup des öfteren unterziehen. Wie dem auch sei, das Endergebnis kann als inspirierter, aber hoffnungsloser Versuch abgetan werden, die Fassade neu erscheinen zu lassen.
Innerlich sind die Kirchen nur wenig besser in Stand gehalten, dafür umso besser gefüllt. Mit Menschen? Ha. Nein, mit etlichen Bildern und Statuen von Heiligen, Jesus, und anderen Mitwirkenden. Man könnte fast meinen, dass das Verbot, Bildnisse von Gott zu schaffen, dafür umso eifrig glühendere Anstrengungen in allen anderen Bereichen hervorbringt. Wie zum Beispiel von Jesus. Der Platz, um den sich im Kirchenviertel alles dreht, nennt sich "Terreiro de Jesus" (www.worldlingo.com übersetzt "Terreiro" überaus passend mit "Place of Fetichism"). Das ist nicht zuviel gesagt. Es scheint, dass die eher bodenständigeren und sehr (sehr? Nein: seeeeeeeehr) taktil veranlagten Bahianer mit der abstrakten Idee eines gesichtslosen, von ihren Problemen weit entfernten Gottes wenig anfangen können - dafür umso mehr mit seinem Sohn! In all den Kirchen, die wir besucht haben (Rosário dos Pretos - "Rosenkranz der Schwarzen", SS. Sacramento da Rua do Passo, Carmo e Ordem 3ª do Carmo, S. Francisco, Ordem 3ª do S. Francisco), findet sich kein Fleck, an dem uns nicht das bekannte, immer leicht schräg geneigte (wieso eigentlich?) Gesicht, vom zeitlosen Langhaarschnitt eingerahmt, entgegenblickt. Überall blenden mich perfekt lippenpolierte Fuss- und Handpaare von kleinen, an den Wänden befestigten, und auch nicht so kleinen (fast zum Kolossalen neigenden), Räume dominierenden Jesus-am-Kreuz Statuen, die äusserst liberal mit Blut versehen sind.
Die Entdeckung des Tages für mich persönlich ist die Ordenskirche vom S. Francisco, die jeglichen Besucher nicht nur per Qualität, sondern vor Allem mit der Quantität des Blattgoldes im Kircheninnenraum niederblendet. Die gesamte Kirche erstrahlt in goldenem Schein und es würde mich nicht wundern, würde die Kirche auch öfters des Nachts von zwar pietätslosen, aber umso hungrigeren Salvadorianern mit einem kleinen Schaber besucht werden. Was mich eigentlich noch mehr beeindruckt, ist der Kreuzgang gleich neben der Kirche. Jesus dominiert erneut. Diesmal so fest, dass seine "Erlebnisse" fast etwas zu detailliert dargestellt werden. Neben dem allseits beliebten "Jesus am Kreuz" gibt es 2x2 Meter grosse Bilder wie "Jesus fällt das erste Mal auf dem Weg nach Golgotha", und es hätte mich nicht überrascht, wären auch alle weiteren Ausrutscher und Stolpereien seinerseits gezeigt worden. ;) Des Weiteren stellen etliche, ziemlich grosse Wandzeichnungen die Regeln für Ordensbrüder bildlich dar. Bei einem Rundgang (im Kreuzgang?) bemerke ich amüsiert, dass die Franziskaner vor einige Herausforderungen gestellt wurden. Eine Maxime lautet zum Beispiel "Sei zufrieden mit was Dir beschieden!", eine andere "Strebe nach Ruhm!". Kein Wunder, stiessen sie bei solchen Widersprüchen ihre Habseligkeiten von sich und suchten Zuflucht auf der Strasse, um "sich an den Tisch des Herrns" zu setzen ;)
Von den freiwilligen Bettlern zu den anderen (und Strassenverkäufern). Kaum im Pelourinho angekommen, werden wir von diversen Personen bestürmt: Diese beliebten pinken Armbänder, Fotos mit *echten* Salvadorianerinnen in Urtracht, und jene überall zu kriegenden Halsbänder werden feilgeboten, quasi ins Gesicht gedrückt. Hier ein kleiner Auszug übrigens aus dem Dictionaire "Salvador Strassenverkäufer - Portugiesisch (NEU mit Zeichensprache!)":
"Não" bedeutet "Ja", "Não" mit horizontalem Zeigefingergewackel bedeutet "Ja!", "Não, não, não!", begleitet von Kopfschütteln, subtilem Zurückweichen, gefolgt von energischem Abwinken kann man nur als "Oh ja! Ich will alle Ketten kaufen!" deuten :)
Manchmal habe ich mit dem Tourismus meine liebe Mühe. Nur weil meine Vorgänger billige und dazu hässliche Glasketten, Rastahüte mit falschen Haaren, oder Che Guevara Shirts für die grösste kulturelle Entdeckungen seit langem hielten, muss ich unter dem Anstrum wehren, für den ich keineswegs etwas kann. Wieso konnten tausende von vorhergehenden Touristen nicht erfrischendes Kokosnusseis mehr schätzen, als alles, was ihnen aus Versehen angeboten wurde?
Ich will mich absolut nicht über die Bettler und Strassenkinder lustig machen, aber es begeben sich ein oder zwei (von vielen) erheiternde Treffen, die ich im O-Ton wiedergeben will. Zuerst der kleine Junge, der mit einem Schuhputzgestell und Bürste vor uns tritt, und uns blitzblank geputzte Schuhe anbietet. Bei soviel Enthusiasmus schiessen mir fast Tränen in die Augen, sind wir doch mit Sandalen bekleidet! Als ich ihm das klar mache, will er Geld, um Milch für seinen Bruder zu kaufen. Obwohl ich lieber - wenn schon - Milch kaufen gehen würde, gibt ihm mein Vater einen Real, worauf er sich beklagt, dass es nicht genug sei. Hm.
Dann der Mann mit dem speziellen Arm. Unschuldig gehe ich in der Mitte der Strasse, als ich seitlich mit dem Ausruf "Mira! Mira!" (sehe ich so Spanisch aus?) angefallen und am Arm ergriffen werde. Ich weiche aus und "mir"-e wie mir befohlen. Mehr als einen kleinen Mann kann ich nicht erblicken. "Oqueequtuqier?", krame ich mein bestes Gaúcho-Portugiesisch hervor, worauf er auf seinen Arm zeigt. Tatsächlich. Kleine weisse Flecken. Fragend beäuge ich ihn, eine mir helfende Erklärung erwartend. "Lepra", so seine mit Seitenblick geraunte Diagnose, die mich schweisserzeugend an die anfängliche Berührung zurückdenken lässt. Schliesslich zeige ich ihm aber mein von mehr als 40 Stichen (Bissen, so hier) durchlöchertes linkes Schienbein. Stille legt sich über unsere unmittelbare Umgebung, er meint mit einem bemitleidenden Gesichtsausdruck: "Também?" (Auch?)
An der Bushaltestelle dann der Mann, den ich schon öfters eine Kiste unter seinem Arm herum habe tragen sehen. Es stellt sich heraus, dass die Kiste seine Bescheinigung, HIV-Positiv zu sein, beinhält. Kaum ist er verschwunden, tritt ein Neuer an seine Stelle, diskutiert mit uns breit über lang, ob wir ihm Geld geben wollen. "Nein - wir haben schon genug Leuten Geld gegeben", so unsere Antwort, worauf er aufheult "Der vorher war ein Lügner! Das sind alles Lügner! Die kaufen sich nur Cachaça damit!", während mich eine bekannte Fahne umweht...
Ich muss aber dazu sagen, dass wir abseits der vom Tourismus pervertierten Strassen etliche sehr hilfreiche und nette Menschen kennenlernen. Im esoterischen Buchladen kramen sie extra für uns ein paar uralte Postkarten hervor, derweil mir der Seilbahnwärter die Aussicht über die Cidade Baixa erklärt. :)
Zum Geld geben muss ich noch anmerken, dass ich früher zwar gab, mittlerweile aber davon abgekommen bin - denn wo liegt die Motivation eines Bettlers, von der Strasse abzukommen, kriegt er von mir öfters Geld? In Brasilien ist das nicht so klar, denn ob sie - wie in der Schweiz - sonstwo hingehen können, ist gar nicht klar. Besonders bei den Strassenkindern habe ich ab und zu eine Ausnahme gemacht, meist mit kleinen Esswaren. Leider ist es so, dass hier Strassenkinder von ihren Eltern auf die Strasse geschickt werden, um einen fixen Betrag pro Tag zu sammeln. Wenn sie es nicht schaffen, dürfen sie nicht in die Schule oder werden sonstwie benachteiligt. Soll man Geld geben, oder nicht? Ich weiss es nicht. Die Eltern kriegen genug Geld zusammen, weil sie meist viele Kinder haben. Wie denkt ihr, werden es diese Kinder später machen - ebenfalls viele Kinder, die selbst auch betteln gehen?
Als Fazit des Tages kann ich nur sagen, dass ich mich mit Kirchenbesuchen etwas mehr angefreundet habe, als auch schon - speziell, weil mich katholische Kirchen (zwar wie üblich abstossen - visuell, da kitschig, und olfaktorisch) in letzter Zeit mehr zum Denken anregen. Z.B: Wer spendet das Gold in Kirchen, und warum wirklich - Gott zu huldigen (was bedeutete ihm/ihr dies?), oder sich selbst ein Denkmal zu setzen, weil sowieso alle wissen, wer es spendete? Wieso wählen soviele Leute Bush, weil er auch in die Kirche geht? Ein oftmals gehörter Kommentar lautete, dass es bedeute, er wäre darum ein besserer Mensch. Könnte es nicht sein, dass das starre Regelgefüge und die Sünden den "Genuss" (im weitesten Sinn) sogar verstärken, sollte man sündigen, was in dem Zusammenhang zu einem "schlechteren" Menschen führen würde? Warum hat die katholische Erziehung so viele gute Schriftsteller hervorgebracht? Was ist der Zusammenhang zwischen Armut und Katholizismus? Wer war zuerst? Wenn ich mir Zürich und Genf in der Renaissance ansehen, würde ich auf die Religion tippen. Könnte man dafür vielleicht die belebteren katholischen Städte auf die geniesserische Übertretung der Sünden zurückführen? Oder ist Letzteres zu simpel? Und liessen sich die damaligen Kirchenoberhäupter tatsächlich von den Sklaven hinters Licht führen, die unter dem Deckmantel der kirchlichen Feiertage weiter ihren Candomblé-Riten nachgingen, oder wussten sie es und waren mit dem äusserlichen Schein zufrieden?
Und: Warum sitze ich brütend im Dunkel der Kirche, während draussen Bahianische Lebensfreude (und "Gemütlichkeit") auf mich wartet? :)
(Even more) Fun with Varig
4:00 morgens stolpern zwei, deren Köpfe von comichaften Blasen umblubbert werden, zum nächsten Taxistand, um sich zum Flughafen karren zu lassen. Ich frage mich, ob wir den wohl stressigen Umstieg von Congonhas - Guarulhos (oder umgekehrt) in São Paulo ohne Verluste durchstehen werden. Doch wir haben Glück! Unser Aussehen erregt das Mitleid eines aufgeweckten Mitarbeiters, der mich öfters über die Schulter schauen lässt, ob es nicht doch mitten am Tag ist, und der uns mit butterweicher (und für uns engelsgleicher) Stimme anfragt, ob wir vielleicht Brasília fliegen wollten. Ist das eine Frage? *g*
Um Mittag erreichen wir nach einem kleinen Zirkuskunststücks (Landeanflug, kurz zuvor abbrechen und fast 45 Grad wieder aufsteigen, dann enge Kurve ziehen) unseres Piloten Salvador. Doch dazu - wie üblich - später mehr...
Sonntag, 31. Oktober 2004
Nach Campo Grande
Der Abflug gestaltet sich hektisch. Ronnie landet früher als geplant, drängt, wir schlingen noch ein letztes Mittagessen hinein und starten kurz danach, ohne uns richtig verabschieden zu können. Als wir von der Startbahn abheben, diverse Dosen, Capibaras, Zäune hinter uns herreissend, bemerke ich links von uns eine dunkle Wand, die näherzukommen scheint. Während bei uns das Wetter noch einigermassen schön ist, kriechen aus dem Süden aberdüsterste Regenwolken langsam auf uns zu, deren Regenerguss kein Licht durchlässt. Was sich dahinter befindet, steht (wörtlich) in den Wolken: Das Ende der Welt? Das Bermuda Dreieck? El Dorado? Wir wissen es nicht.
Der Flug beginnt gut, wir steigen langsam, ich beobachte das Wetterschauspiel. Nach einigen Minuten werfe ich einen kleinen Blick nach links...
Kennt ihr das Gefühl, auf dem Nebensitz eines Autos zu sitzen, während ein durchwegs nervöser Fahrer das Auto lenkt? Sich dann für einen drohenden Crash bereit zu machen, indem man sich in den Sitz presst, den Gurt noch etwas enger anzieht, die Hand subtil um den Deckengriff wickelt?
Ronnie dreht zitternd am Radiosender, fährt sich permanent durchs Haar, drückt überenergisch auf dem GPS Gerät herum, und starrt ab und zu länger auf die dräuende, alles verschlingende Wand der Dunkelheit, die immer dann näherzukommen scheint, wenn wir nicht hinschauen. Ich frage mal Ronnie, ob es ein Problem gibt, was mit einem Grinsen und einem nach oben gereckten Daumen beantwortet wird. Alles in Ordnung, alles klar, Mann! Ich zweifle kurz an meiner Menschen-Beobachtungsgabe, beende dann aber den Gedankengang, als ich unseren Piloten geröteten Kopfes in das Handy schreien sehe, wie denn das Wetter am Zielort sei.
Nonchalant linse ich auf den Throttle (voll aufgedreht), dann den Tachometer, der 130 Knoten anzeigt - so ziemlich das Maximum für diese Maschine. Auch der GPS meint, dass sich unsere Flugzeit quasi halbiert hätte, im Vergleich zum Hinflug.
Gerade, als ich mir überlege, ob ich schon mal mit der Konversion zur einer beliebigen Religion, in der man wenigstens als Frosch wiedergeboren wird, beginnen sollte, schraubt Ronnie sein Steuerrad auseinander (Alles verloren, also?) und montiert es auf meiner Seite wieder an (Definitiv alles verloren). ;)
Ich steuere auf ein Häufchen Regenwolken zu. Im Vergleich zu letztem Mal ist die Luft sehr unruhig - eine Erinnerung daran, dass ein Flugzeug präzise fast nicht steuerbar ist, sondern dass man vom dünnen, es umgebenden Medium sehr abhängig ist. Ich versuche den Kurs zu halten, komme mir aber vor wie in einem Geländewagen, der eine Buckelpiste runterfährt, die mit Schlaglöchern zusätzlich gesprenkelt ist.
Es ist anstrengend, aber wie auf der Achterbahn: Cooooooool! :)
Noch eine Regenwolke umkurvt, und Ronnie übernimmt wieder das Steuer, um zur durchwegs holprigen (in der Luft noch mehr, als auf dem Boden) Landung anzusetzen.
Campo Grande hat uns wieder!
Samstag, 30. Oktober 2004
Pantanal Teil II
Vögel finden sich im Pantanal haufenweise. Lucas berichtet mir davon, dass schon öfters von etlichen Ernithologen besucht (heimgesucht? ;) ) wurde, die ihm (dem eigentlichen Führer) mit Teleskopen, die sonst potenzschwachen Männern zugeschrieben werden, vorausgepirscht sind, und hinter jedem Busch, auf jedem Ast, und in jedem Sumpf etliche Vögel ausgemacht (bestimmt, und mit lateinischen Namen versehen) hätten.
Was ich ornithologisch gesehen erblicke, als wir mit dem Jeep um die Ecke biegen, und sich uns erneut ein prächtiges Farbenspiel bietet, das sich im kleinen See spiegelt, und die ihn umstehenden Bäume scherenschnittartig erscheinen lassen: 16 Vögel. Nicht etwa den Crypturellus undulatus, Jabiru Mycteria, Anodorhynchus Hyacinthinus, oder gar den Coragyps atratus! Nur Vögel. Mehr kann ich nicht erkennen. Dies liegt allerdings aber auch an den gar unschuldig und brav aussehend herumstehenden Vögelchen, die aus einem Gary Larson Comic entsprungen sein könnten. Meist mit stiftartigen langen Schnäbeln ausgestattet stehen sie mit langen Beinen im Sand neben den Seen, ein blosses, ein, oder zweifarbiges Federfell umhüllt sie. Nicht gerade spektakulär, könnte man denken. Kaum aber überschreitet oder überfährt man unwissend eine unsichtbare Grenze, die sich um die Vögel zieht, EXPLODIEREN diese durchwegs durchschnittlich aussehenden Geschöpfe von einer Kakophonie an Kreischenden Vogelrufen begleitet in wahre Wolken aus Flügeln!
Ganz besonders haben mir es die überall zu sehenden Sandpipers angetan, die man übrigens auch im Palmenhaus in Zürich bewundern kann. Ebenfalls witzig sind die Undulated Tinamou ("Jaó"-"Verdeador?"), die vielleicht einem Kiwi gleichen (schwer zu sagen) und deren (aus dem Rachen hervorgestossenen) "u-u-uu" (Do-Do-Re) Rufe den üblichen Pantanallärm durchschneiden. Witzig sind sie aus dem Grund, dass man den Ruf imitieren und damit Männchen oder Weibchen, je nach Rufdetails, anlocken kann.
Was ich erst für das Gackern von mächtigen Riesenhühnern halte, entpuppt sich (halbwegs zu meiner Freude, halbwegs nicht <- siehe "Riesenhühner") als Aras, Macaws, oder Papageien. Hier zeigen sie sich in rotem, grünem, oder wunderschönem blauen Farbenkleid - und sind quasi omnipräsent. Sei es in Person, meist in Pärchen, im merkwürdigen Stil über die Wipfel fliegend, oder lauthals mit Brüllaffen (3000 Fussballfans kreischen schwächer) um das Wohnrecht in einem Baum streitend akustisch anwesend. Schon mal einen Papagei am Boden herumgehen sehen, auf der Suche nach Essbarem? Selten habe ich so etwas erheiterndes erblickt. Von weitem erscheinen sie einem wie winzige Männlein, die in farbene Mäntelchen gehüllt in wackelndem Gang durch die Gegend torkeln. Nun, nicht alle können wie die hiesigen Reiher durch die Lüfte brausen. Fast hätte ich meinen Lieblingsnesträuber vergessen: Den Tukan! Wunderschönes Tier, versucht oft, die ebenso beeindruckenden, gewebten und sackartig von Ästen herunterhängenden Nester eines "Nestwebervogels" (? - Biologen zu Hilfe), ihrer Eier zu berauben.
Zu Vögeln gäbe es noch so viel zu sagen, doch hier ist Schluss. Eine Googlesuche nach "Pantanal Birds" eröffnet euch Vieles mehr als ich auch nur andeutungsweise behandeln kann. Und dies erst noch korrekter ;)
Zwei weitere Erlebnisse möchte ich euch nicht vorenthalten:
Als wir eines Nachts müde auf der Rückbank des Jeeps sitzend nach Hause fahren, die kühle Nachtluft geniessend, leuchtet plötzlich Fernando mit dem Scheinwerfer auf die Grasfläche neben einem kleinen See, um den sich Capibaras scharen. Wo? Wie? Was? Aufregung herrscht. Bevor die Moskitos das Licht des Scheinwerfers ersticken, erhasche ich einen Blick von einer, nein, zwei grossen Katzen: Pumas!
Die Pumas scheinen sich kein Bisschen von unserem Scheinwerferlicht stören zu lassen, als sie langsam den Capibaras näher kriechen. Die Capibaras ebenfalls ignorieren das Licht vollständig, obwohl es den Moderator der Show - den einen Puma - hell beleuchtet! Nach einiger Zeit sprintet der Puma plötzlich nach vorn und wirft sich in einem Anfall von Grössenwahn (und wie ich vermute mit einem "Geronimooooo!") auf den Lippen auf das wohl grösste Capibara, das sich ins Wasser rettet. Der Nachteil des Pumas ist, dass er wie fast jede Katze das Wasser scheut, und es vorzieht, sich die Pfoten per Zunge zu säubern.
Wir sind alle verblüfft und grinsen über beide Ohren - sowas haben selbst die Führer noch nie erlebt: Eine Pumajagd vor unseren Augen! Was mich aber noch viel mehr beeindruckt, gleichzeitig erschreckt, sind die Schreie der Capibaras, die über das Wasser an unsere Ohren dringen. Die Laute hören sich an, als wären gleich mehrere Männer gleichzeitig in riesige Bärenfallen gestolpert, und würden nun verwundet um Hilfe schreien. Schauerlich. (Vielleicht ist das im Wald hinter den Tieren auch passiert? ;) )
Das zweite "Erlebnis", besser Ereignis, an dem wir beiwohnen, ist das monatliche Schlachten einer Kuh. Als wir auf dem Jeep ankommen, sind die Cowboys gerade dabei, die Kuh aus der Herde zu isolieren. Das anvisierte Tier gibt aus weiblich hormonell bedingten Gründen keine Milch mehr. (Das auch als Hinweis an Frauen, ihre Menopause etwas lockerer anzugehen - anderen geht es schlechter, wie ihr gleich lesen könnt) Als sie nach einiger Zeit die Kuh mittels Lassos an den Hörnern extrahieren, wehrt sie sich dagegen, indem sie sich auf den Boden setzt. Für einen Moment überkommt mich tiefstes Mitleid für das Tier, das sich so energisch, aber gleichzeitig ohne Chance gegen ihren Tod wehrt. Ich möchte sie befreien und mit ihr über die weiten Ebenen des Pantanals reiten.
Mit Hieben wird sie zum Laufen bewegt, was gelingt, und kurz danach Kopf voran an einem Baum befestigt. Dann schlitzt ihr einer der Cowboys die Halsschlagader mit dem Messer auf. Die Kuh verblutet innerhalb von zwei Minuten. Mit dem Traktor wird sie neben grosse Blätter gezogen und auf den Rücken gerollt, um sie fachgerecht zu zerschneiden. Ich werde es nicht im Detail beschreiben, sondern nur anmerken, dass es beeindruckend ist, was alles genau von der Kuh verwertet wird. Und: Im Magen der Kuh hätte ich ohne Weiteres Platz, wobei ich auf diese Erfahrung verzichten kann :) Bilder folgen!
Kurz nach der Schlachtung stürzen sich etliche der bereits lange wartenden Geier auf die spärlichen Überreste, während wir mit dem Fleisch davonfahren.
Obwohl sich die obige Beschreibung vielleicht etwas blutig und hart anhören mag: Auf der Fazenda haben sich schon zwei Vegetarierinnen zum Fleischverzehr selbst überzeugt, weil die Kühe hier wirklich ein "glückliches" (mindestens im Vergleich zu Stallkühen) Leben führen.
Zum Flug später mal ein Kurzeintrag...
Mittwoch, 27. Oktober 2004
Pantanal Teil I
Für alle, die hofften, ich würde das Flugzeug ungeschick flugs gen drohend entgegenkommend Boden lenken - nehmt dies! HA! :)
Nach einem ausgedehnten (zeitlich wie räumlich: 8 Meter Buffet) Morgenessen um 6 Uhr morgens begrüssen uns Ronnie ("Honey") der Pilot und seine Frau ("I'm Hooome" - nicht wirklich). Ronnie gehört dem Typ Mensch an, der von Freundlichkeit überzuquellen scheint, der es sich aber gleichzeitig nicht nehmen lässt, im Auto noch etwas mit seiner Frau zu streiten. ;)
Auf dem Flughafen erwartet uns Ronnies Piper - dieses spezielle, und beliebte Modell stammt aus dem Jahr 1960, ich bete zum Gott der Atheisten, dass das Flugzeug neueren Datums ist. Nach einigen kleineren Startvorbereitungen (Öltank ölen, mit den Flaps flappen, und auch z.B: Wasser aus den Tanks abwassern - was meine zarten Hände Palmolivebedürftig zurück lässt) brausen wir in die Luft, mein Magen drückt weich aber beharrlich auf meine restlichen Eingeweide, die dank des reichlichen Morgenessens dem Druck gut standhalten können. (Ich kann also - entgegen weltverbreiteter Folklore - vor einem schwierigen Flug raten, möglichst viel zu essen)
Kurz nach dem Abflug bemerke ich, dass mich Ronnie nur zu fest an jemanden erinnert, den ich nie neben mir am Steuer eines Flugzeugs erblicken will: Christoph! Das Flugzeug hat aber mittlerweile schon die stuntgeprüfte Höhe von 30 Metern überstiegen und so bleibt mir nur, selbst Hand anzulegen. Ein ungewollter kurzer Anfangsausrutscher erinnert mich daran, dass eine Piper keineswegs mit einem Tieflader zu vergleichen ist, sondern ein Werkzeug darstellt, das von feiner Hand sanft geführt werden will. Auf minimalste Steuerbewegungen antwortet das Flugzeug bereits mit Kursänderungen von mehreren Grad. Zöge man das Steuer wie oft in Filmen erblickt stark gegen sich selbst, so würde das Flugzeug nicht langsam aufsteigen, sondern darauf mindestens mit sofortigem Stall, oder gar - wie auf dem Cartoon Network portraitiert - sich querstellen, mit quietschenden Pneus. Nach etwa 15 Flugminuten zwingen meine zu kleinen Bällchen der Pein zusammengeschrumpften Schultern mich, das Steuer wieder an Ronnie zu übergeben, der das Flugzeug legère auf 5000 Fuss senkt, wo er dann die Brasilianische Sitzposition (international als "Rückenschläfer" bekannt) einnimmt.
Unter uns entwickelt der Pantanal seine Prächtigkeit. Kleine Waldgebiete streiten sich mit abertausenden von kleinen Salz- oder Süsswasserseen und offenen Savannenflächen um die Oberherrschaft. Etliche weisse Kühe (O-Ton Flo: "Sind das Schafe?" :) ) laben sich dank seit 85 Tagen erwartetem und auch endlich eingetroffenem Regenguss am frisch gesprossenen Gras. Nach einer Stunde und ein Bisschen mehr als 200 Kilometer Flugstrecke taucht im Grün unter uns die Farm auf - und noch unbestätigten Berichten zufolge soll sich dort auch eine Landepiste befinden. Noch bevor ich daran zweifeln & handeln kann, lehnt sich Ronnie etwas gar überschwenglich auf den Steuerknüppel, was unser Vehikel zu einer immer steiler nach links unten tendierenden Kurve bewegt. Als ich meine Augen wieder öffne, sind wir schon weich gelandet, links von mir ein grinsender Ronnie. (Quatsch, das mit den geschlossenen Augen stimmt nicht - wir Hankes blicken dem Tod gefasst ins Auge. Gefasst, und wie Waschweiber kreischend ;) )
Begrüsst werden wir von der Familie Leuzinger (Lucas, Marina, und deren Töchter Lele (2,5) und Ana (0,5)) - und von zwei glücksseligen abreisenden ZürcherInnen, die sich auf Hochzeitsreise befinden. Ich werde mich zurückhalten, euch Fakten - wie so oft - zur Fazenda ("Farm") in Zahlenform an den Kopf zu werfen. Nur soviel sei gesagt: Ein durchschnittlicher Reiter wie ich benötigt vermutlich etwa drei Tage, um die Fazenda komplett zu umreiten. Dies inklusive der mehrfachen Abwürfe und Spitalflüge, die zusammen etwa 2 Tage in Anspruch nähmen. ;)
Auf diesem Ritt würde ich etwa einen Drittel der Strecke vor wilden Kühen flüchten und mich dabei in Indien wähnen (dazu später), einen Drittel der Strecke würde ich mich per Machete durch den oberhalb zwei Metern ziemlich Europäisch aussehenden, unterhalb von fiesen Stech-/Kratz-/Fiesheitskakteen verseuchten Wald hacken. Der letzte Drittel der Strecke wäre diversen Salz- und Süsswasserseen gewidmet, in denen ich all die zwischendurch erworbenen Kratzer baden könnte. Mmh, vielleicht ist es angebracht, mich etwas verständlicher auszudrücken. Nun gut. Auf den 8'000 Hektaren der Fazenda finden sich etwa 130 meist ziemlich rundliche Seen (~50% salzig, ~50% "süss"), die von fruchtbarem Weideland umgeben sind, welches wiederum von Wald umgeben ist. Zu meiner Überraschung tummeln sich trotz Schweizer Gastgeberfamilie nicht etwa pralle, glücklich über die Weiden hüpfende Schweizer Milchkühe, aus deren Eutern frische Milchschokolade sprüht, sondern Indische Kühe, die einem schwer das Bild vermitteln, man wäre in Indien. Was mir dann auch von den Temperaturen bereitwillig bestätigt wird: Üblicherweise 34 Grad mittags, Rekord 37, Abends um 10 Uhr so 23-26 Grad. Die Luft über der Wüste sirrt, Tiere verstecken sich unter Steinen, eine Hängematte knirscht galgengleich, die Extremitäten ihres Opfers (Ich) baumeln im Wind, mal hier-, mal dorthin, wie es die Schwerkraft ihnen gebietet.
Trotz der unter den (*DEN*) Umständen offensichtlich reifsten Alternative, in die Tiefkühltruhe zu steigen und dort permanent an diversen Eissorten zu lutschen, begeben wir uns auf täglich zwei Exkursionen in die gräuliche Obherrschaft der Sonne. Und ich muss sagen, Hitze hin oder her - ich war vom Pantanal beeindruckt. Man wird fast wörtlich mit Tieren beworfen. Schon am ersten Tag, bei dem mein Paps und ich noch ahnungslos hinter den beiden Führern (Lucas und Fernando, ein Cowboy) herstolpern (teilweise auch auf dem Jeep, das dann ohne Stolpern), erblicken wir Krokodile, Papageien (Aras), etliche Vogelarten (Sand Pipers usw.), Capibaras (Monsterhamster des Todes), Brüllaffen, Reiher und etliches mehr. Am Besten, ihr guckt euch durch die Bilder auf obiger Webseite.
Auf späteren Exkursionen wird unser Blick weiter geschärft. Am zweiten Tag fühle ich mich wie ein 12-jähriges Mädchen, das gerade beim Wendy-Preisausschreiben ein Pony gewonnen hat - wir gehen Reiten! Juhu! *räusper* Wohl dank unserem eher gemächlich eingenommenen ausgezeichneten Morgenessen verpassen wir leider knapp, wie die Cowboys ("Howdy" heisst hier "Falou" passend übersetzt: "Du hast gesprochen!") die Rinder zusammentreiben, um sie zu säubern usw. Dennoch stehen die etwa 200 Kühe immer noch enggedrängt am Zaun. Ich reite hinter sie, neben den Zaun. Es ist eine ausgesprochen merkwürdige Erfahrung, das von einem äusserst mulmigen Gefühl begleitet wird, wenn man vor sich 200 Augenpaare auf sich gerichtet sieht, während hinter einem ein Zaun den Weg versperrt, und man wieder mal zu faul war, das Pferdehandbuch komplett durchzulesen: Welche Hebel zu ziehen, welche Knöpfe an dem Vieh zu drücken wären, um es zu vertikalen Höhenflügen über Zäune zu bewegen, blieb mir verschlossen. Obwohl die Idischen "Nelore" Kühe normalerweise ziemlich wild sind, sind sie sich mehr oder weniger an Pferd und Reiter gewöhnt, und machen auch bereitwillig den Weg frei, als ich wieder in die Freiheit reite. Die Wildheit (will heissen Ungezähmtheit, nicht etwa Zähnefletschen usw., obwohl das auch amüsant wäre) drückt sich darin aus, dass man die Kühe regelmässig zusammentreiben, und mit Pferd und Reiter bekannt machen muss, damit sie nicht verwildern. (Wer weiss, wieviele Kühe sich in den Wäldern verstecken, frei und ungehindert das rauhe, aber freie Leben führen, eine Marlboro zwischen die Lippen geklemmt? ;) ) Die Kühe zu führen ist auch nicht gerade eine einfache Aufgabe. Folgen sie nicht von selbst, kommen die 11 Leitkühe zum Einsatz, die von klein auf an den Umgang mit dem Menschen, und mittels paarweisem Zusammenbinden an die anderen Kühe gewöhnt werden.
Warum die Mühe, wenn doch europäische Kühe viel pflegeleichter und auch braver sind? Die Anwort liefern uns die im Schatten eines Baumes mit hängenden Zungen hechelnden Schweizer Kühe, die sich nur zu gern den Schweiss (schrieb erst "Schweizz" - hmmm) von den Hörnern wischen würden. Die Kühe, die wir uns gewöhnt sind, würden die Hitze und die langen Trockenperioden nur unter Aufgabe ihrer Fortpflanzungsfunktion unter Anderem aushalten. Die Indischen Kühe halten das Klima ohne Weiteres aus, und zum Zeichen ihrer Überlegenheit stehen sie auch noch den ganzen Tag in der brütenden Hitze, mit wie mir scheint einem überheblichen Grinsen auf dem Gesicht. Dennoch: Die Schweizer Milch ist immer noch die beste. Daher die Schweizer Kühe. Hüaraguat! :)
Weitere Aktivitäten in Kürze:
- Kanufahren, den Rio Negro hinunter. Sehr angenehm. Der erste Kaiman, der zwecks Aufwärmung regungslos mit offenem Gebiss auf dem Bauch in der Sonne liegt, wird so ausgedehnt aus allen Winkeln und Distanzen fotografiert, dass ich fürchte, dass er sich demnächst auf uns stürzt, um per spitzen Zahns unsere Bauchdecken zu öffnen, kaltblütig (<- Informative Anmerkung für Kinder ;) ). Der Fotografierdrang schwindet dann stetig, um schliesslich beim 347. Kaiman zu verstummen. Dazwischen: Spektakuläre Fotos von uns angreifenden Vögeln! *g*
- Fischen! Den Strohhut ins Gesicht gezogen, ein Buch von Jack Kerouac "On the Road" auf den Kniern, mache ich es mir bequem, um die Ankunft des ersten Fisches zu erwarten, nach früheren Fisch-Erfahrungen etwa in mehr oder weniger 2 Stun... *yoink* Nach etwa 0,3 Sekunden, in denen der (merkwürdigerweise aus Kuhfleisch bestehende - was genau fangen wir? Nessie?) Köder kaum Zeit hatte, unter die Wasseroberfläche zu sinken, beisst der erste an. Und wie! Ein Piranha muss per Zange vom ohnehin schon zerbissenen Haken genommen werden. Seine halbkreisförmig angeordneten, dreieckig spitzen Zähne kratzen über das Werkzeug, ein schauerliches Geräusch verursachend. Leider ist er zu klein, weshalb er wieder als Fischfutter verwendet wird, eine Wunde an seinem Bauch markiert die Stelle, um die sich kurz nachher etliche seiner Brüder drum streiten werden. Der Zweite beisst die Angelschnur durch, wieder ein Haken geht flöten. Ich versuche neue Arten des Angelrutenzuckens, des Fleischbefestigens - erneut: Ein Fisch, Überraschung! Verbissen reisse ich an der Rute, in der Hoffnung, den Piranha durch ein schnelles An-Land-Ziehen vom Zerstören weiterer Angelhaken abzuhalten. Es gelingt, aber es handelt sich keineswegs um einen Piranha, vielmehr um etwas, das aus dem Fluss neben Tschernobyl oder aus der Gegend um Saturn stammen könnte. Vier Antennen spriessen aus dem Kopf des Ungetüms, die Flossen stachelig. Mein Gedächtnis klärt mich kurz danach auf, dass es sich dabei um einen Wels handelt. Später, noch besser, ein Tigerwels, äusserst schmackhaft! Der Preis des Tages für den grössten Unglücksvogel (d.h. -fisch) schliesslich geht an Piranha Nummer 2, der sich beim Herausziehen merkwürdig fest wehrt, zappelnd, dennoch aber ziemlich leicht scheint. An der Luft löst sich das Mysterium schnell: Bloss der noch zuckende Kopf hängt an der Rute, am Hals von zwei starken Bissen vom Rumpf getrennt. Als Suppenfisch nur wenig geeignet, erweist er sich als Köder von vorzüglicher Qualität.
Zwei Tage später geniessen wir eine exzellente Fischsuppe, die sogar mich als Verwehrer jeglicher Meeresfrüchte zu überzeugen vermag. :)
Die Mittage sind wegen der Hitze der ausgezeichneten Bibliothek unserer Gastgeber gewidmet: "The Painting of Dorian Gray" von Oscar Wilde (Lord Henry Wotton regt zu Gedanken an), "Anleitung zum Unglücklichsein" von Watzlawick (Lebensratgeber, der sich in Ironie hüllt), und schliesslich "Versuch über die Liebe" von Alain de Botton (Ich sag mal: Etappen einer Liebe).
Mehr zu den Tieren und dem Rückflug später...
Montag, 25. Oktober 2004
Die Wildnis wartet!
Nach 2 Tagen São Paulo geht es nun schon wieder weiter, diesmal in den Pantanal, eine fantastisch faunastisch florastische Gegend.
In einer halben Stunde boarden ("entern") wir unser Flugzeug, nach Campo Grande. Von dort aus weiter mit einem Kleinflugzeug in den Rachen ungebändigter Natur.
Ich hoffe, das Internet hat den Dschungel schon erreicht - wenn nicht: Bis in einer Woche!
Sollte ich mich wider erwarten nicht mehr melden, dann hatte die Piper oder die Cessna einen Motorschaden und das jahrelange Training am Flugsimulator war für die Katz! ;)
(Am selben Tag, 23:40)
Öhm, obig schräggeschriebener Text traf nur teilweise bis gar nicht ein!
Vielmehr (in Kurzform, da nur 10 Minuten Zeit - gnah) ergab sich Folgendes:
Wir erheben uns majestätisch (*knorsch, ächz, stöh-ööhn*) um 5:30, düsen brav und pünktlich wie es sich für zwei echte Schwäizer gehört von São Paulo los. Nach verdächtig unphotogenem Flug in sehr dichten Wolken versucht uns der Captain auf Englisch zu informieren, dass wir uns leider nicht wie geplant in Campo Grande graziös zu Boden senken können, sondern nach Cuiabá weiterhinken müssen.
Abenteuer!
Oder doch nur bei 32 Grad im Schatten leicht geköchelt und in Schweissauce blanchiert? Cuiabá mag einige Vorzüge an sich haben, angenehme Kühle gehört leider nicht dazu. Nach 4 Stunden ungewisser Wartezeit, etlichen Glacés und Mineralwassern später (die wir uns mehrheitlich über den Kopf leeren - so glaube ich - die relevanten Erinnerungsneuronen dazu sind leider verdampft), wird uns ein Platz in den "TRIP" Airlines offeriert. Als wir uns aufs Rollfeld begeben, erwarte ich nichts weniger als einen dieser alten VW Busse, umgemodelt in ein Flugzeug ein Hippietraum in Grelllila und Plasmagrün. Der Auftrieb rührt vor Allem von den verteilten LSD Tabletten her. Als wir uns auf die bequemen Batikkissen niederlassen, begrüsst uns der Captain mit einem empathischen "Paz, caras!" :)
Nichts dergleichen! Ein flottes Propellerflugzeug bringt uns nach nur 4,5 weiteren Stunden über Londres, dann einer Stadt mit M..., gleich westlich davon, nach Campo Grande.
Morgen früh, 5:30, geht es weiter in die Wildnis - in einer 3-plätzigen Piper. Das Beste: Ich darf selbst fliegen! (Sollten Rettungstrupps losgeschickt werden: Wir sind in dem absolut unglaublich spektakulär gecrashten, unverhältnismässig stark brennenden und qualmenden Metallhaufen ;) )
Wer weiss, ob ich nächste Woche Internet habe. Wenn nicht, versuche ich mich danach wieder zu melden...
Samstag, 23. Oktober 2004
São Paulo I
Bisher zurückgelegte Kilometer entsprechen der Strecke Frankfurt - Palermo, und wieder zurück. Die letzten zwei Nächte allein sind wir sozusagen nach Berlin und wieder zurück gefahren. Momentan warten wir auf das Hotel, das uns erst um 12 Eintritt gewähren will.
Übermorgen geht es schon wieder weiter, mit dem ersten der uns noch erwartenden 11 Flüge...
Wie sagt James Flo-nd doch immer: "Ich mag meine Innereien geschüttelt, nicht gerührt" ;)
Der Rest des Tages vergeht damit, dass ich die Abdrücke der Bussitzpositionen (siehe letzten Eintrag) auf meinem Körper mittels längerem Nickerchen zu entfernen suche...
Freitag, 22. Oktober 2004
Florianópolis in Kürze
Kein Tag, um sich neben Strassentafeln photographisch zu verewigen, Regen regiert, und wir entscheiden uns, noch am selben Tag nach São Paulo weiterzufahren.
Ab hier werde ich leider die Einträge etwas kürzer halten müssen, weil es auf Reisen etwas schwer ist, genug Zeit zum bloggen zu haben.
